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Konversionstherapien : Hessen prüft Verbot von „Homoheilern“

Gefährliche Behandlung: Noch immer werden Heilungsmethoden für Homosexualität empfohlen und angeboten. Bild: dpa

Mit Wallfahrten und Homöopathie gegen Homosexualität: Hessen will sogenannte Konversionstherapien verbieten. Das Land erhält für seine Pläne Rückendeckung von den Kirchen.

          In Hessen sollen sogenannte Konversionstherapien verboten werden. Die höchst umstrittenen Behandlungen sollen Lesben und Schwule von ihrer Homosexualität zu „heilen“. Die Bundesratsinitiative zum Verbot solcher Therapien zielt auf Personen, Organisationen und Institutionen, die der Ansicht sind, Homo- und Bisexualität seien Krankheiten oder psychische Störungen und könnten daher behandelt werden. Grund für das Verbot ist dem Bundesrat zufolge, dass die angebotenen Methoden die Abwertung und Diskriminierung Homo- und Bisexueller fördern.

          Alexander Davydov

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität sind Wesensmerkmale des Menschen, keine Entscheidung“, sagt der hessische Minister für Soziales und Integration, Kai Klose. Deshalb sei Homosexualität auch keine Erkrankung und in keiner Weise der Anlass für eine Therapie.

          Matthias Janssen, Vorstandsmitglied des Lesben- und Schwulenverbands Hessen, lobt den politischen Vorstoß gegen Konversionstherapien. „Homosexualität ist eine Eigenschaft, wie zum Beispiel rote Haare oder dunkle Hautfarbe“, erläutert Janssen,; sie bedürften keiner „Korrektur“. Der Versuch einer solchen Therapie könne überdies schwerwiegende seelische Folgen haben–bis hin zum Suizid.

          Keine Krankheit

          Auch der Präsident der Bundesärztekammer Frank Ulrich Montgomery kritisiert jegliche Behandlungsansätze nicht nur als unwirksam, sondern auch als gesundheitsschädlich. „Die wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass es sich bei Homosexualität weder um eine pathologische Entwicklung noch um eine Erkrankung handelt, sondern um eine Variante der unterschiedlichen sexuellen Orientierungen.“ Vielmehr seien Diskriminierungen und Stigmatisierung von Menschen aufgrund von sexueller Orientierung die wahren Ursachen für psychische und physische Erkrankungen.

          Dennoch lassen sich im Internet verschiedene Anleitungen und Ratschläge für eine angebliche Therapie von Homosexualität finden, nicht selten mit einem religiösen Bezug. Die Internetseite „Mission Aufklärung“ berichtet über eine „Umpolungsproblematik“ in Deutschland. Dieses vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland initiierte Netzwerk sieht die Hauptakteure in fundamentalistischen Organisationen, die sich an amerikanischen Vorbildern orientierten und sich in Deutschland für Verhaltensänderungen einsetzen sollten.

          So werden gleich mehrere Therapieansätze auf der Seite des Bundes Katholischer Ärzte vorgestellt. Nach deren Ansicht kann Homosexualität „je nach Sichtweise“ auch als eine Art von Erkrankung angesehen werden. Als vermeintliches Gegenmittel wird außer einer Psychotherapien auch eine „Entgiftungs- und Konstitutionsbehandlung mit homöopathischen Mitteln“ beschrieben.

          Gebete und Sakramente gegen Homosexualität

          In einem „geistlichen Konzept“ wird außerdem für „unter homoerotischen Empfindung leidende Menschen“ eine geistliche, religiöse Seelsorge als „segensreicher Baustein in der Behandlung und Veränderung von homosexuellen Neigungen“ empfohlen. Zu den Empfehlungen zählen unter anderem eine Heilung durch Empfang der Sakramente, die Anrufung Marias, der Mutter Gottes, sowie Gebete. Auch Wallfahrten nach Lourdes im Südwesten Frankreich könnten Abhilfe schaffen. Derzeit suche man auch nach Medizinern und Therapeuten in Deutschland und Österreich, heißt es weiter. Die Bitte um eine Stellungnahme wird abgelehnt. „Kein Interesse an einem Interview“, heißt es.

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