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Corona-Pandemie : Hessen will streng bleiben

Kai Klose und Volker Bouffier im Schutze der Atemmaske: Hessen will am strengen Kurs im Kampf gegen die Pandemie festhalten. Bild: AFP

Hessens Gesundheitsminister Klose hält weitere Lockerungen im Kampf gegen das Virus für zu früh. In bestimmten Punkten könnte das Land sogar über die nationalen Vorgaben hinauszugehen.

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          In der hessischen Landesregierung wird erwogen, über die nationalen Vorgaben zur Bekämpfung des Virus an bestimmten Punkten hinauszugehen. Dies gilt beispielsweise für die Regel, dass Lockerungen in Kreisen oder kreisfreien Städten zurückgenommen werden, wenn innerhalb einer Woche 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet werden.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dies sei nur „eine letzte rote Linie“, sagte Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) in einer Pressekonferenz. „Es sind auch Vorstufen denkbar.“ Mehrere andere Bundesländer haben den Grenzwert bereits gesenkt. Gegenwärtig werde er in allen Teilen Hessens deutlich unterschritten, teilte Klose mit. Lockerungen, wie sie der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) befürwortet, hält der hessische Gesundheitsminister für zu früh. Er äußerte die Vermutung, „dass die meisten Bundesländer dem nicht folgen werden“.

          „Auseinandersetzen“ will Klose sich auch mit der Praxis der inzwischen wieder erlaubten Gottesdienste. Die Teilnehmer seien bewusst nicht verpflichtet worden, ihren Namen anzugeben, weil sie das Grundrecht der freien Religionsausübung wahrnähmen. Allerdings gäben die großen christlichen Kirchen ihren Gemeinden die Empfehlung, die Gläubigen namentlich zu registrieren.

          Massenansteckung in Frankfurter Baptisten-Gemeinde

          Welche Nachteile der Verzicht darauf hat, zeigt der Ausbruch des Virus in einem Gottesdienst der Frankfurter Baptisten-Gemeinde. Die Behörden seien noch damit beschäftigt, deutlich mehr als 150 Kontaktpersonen zu ermitteln, berichtete René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes. Klose teilte mit, das in diesem Fall inzwischen 112 infizierte Personen positiv getestet worden seien.

          Nach seinen Angaben werden in den hessischen Krankenhäusern gegenwärtig 450 mit dem Virus infizierte Menschen behandelt. 112 müssen intensiv überwacht werden. In den Kliniken stehen 804 Beatmungsbetten bereit. Insgesamt sind 10.941 Betten frei. Das sind 1100 mehr als noch vor einer Woche.

          Kloses Pressekonferenz diente auch dazu, eine Untersuchung der Frage vorzustellen, wie viele Menschen sich mit dem Coranvirus Sars-CoV-2 infiziert haben, ohne es zu bemerken. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Durchseuchung bei uns im Rhein-Main-Gebiet sehr gering ist“, meinte Sandra Ciesek, Direktorin der Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.

          Tests weiter ausgereift

          Mit einem Nasen-Rachen-Abstrich und Blutproben waren Mitte April eintausend gesunde Mitarbeiter des Wiesbadener Unternehmens Infraserv Höchst getestet worden. Bei einem Teilnehmer wurde eine akute Infektion nachgewiesen, die er selbst nicht bemerkt hatte, weil sie ohne Symptome verlaufen war. Fünf weitere wiesen Antikörper auf, hatten also schon eine Infektion gehabt. Von ihnen wussten dies zwei.

          So ergab die Untersuchung, dass vier von sechs positiv getesteten Teilnehmern nichts von ihrer Infektion wussten. Die Studie ist allerdings nicht repräsentativ. Weit mehr als achtzig Prozent der Teilnehmer waren männlich. Auf die Frage nach dem Nutzen der Studie antwortete Gottschalk, dass es sinnvoll sei, sie andernorts fortzusetzen, um ein komplettes Bild des Verteilungsmusters zu erhalten. Der Vergleich zu Studien wie sie beispielsweise in Heinsberg entstanden seien, zeige, „wie lokal unterschiedlich die Durchseuchung in Deutschland ist“, meinte Stephan Becker vom Institut für Virologie der Philipps-Universität Marburg.

          Ciesek erklärte, dass die inzwischen zur Verfügung stehenden Antikörper-Tests inzwischen ausgereifter seien. Aber es fehlten noch immer Erkenntnisse darüber, wie lange die Antikörper überhaupt da seien und wirkten.

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