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20 Milliarden für Bahnstrecken : Mehr Pendler und mehr Fahrgäste in Hessen

Milliarden Investition: Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir will den Schienenverkehr ausbauen (Symbolbild). Bild: dpa

Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) prophezeit ein Jahrzehnt der Schiene. Insgesamt 20 Milliarden Euro sollen in die Bahnstrecken des Landes investiert werden.

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          „Die zwanziger Jahre werden das Jahrzehnt der Schiene“, hat der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen) am Donnerstag in Wiesbaden verkündet. 20 Milliarden Euro werden investiert. Davon muss das Land aber nur 1,2 Milliarden aufbringen: Weil die Strecken zum größten Teil der Deutschen Bahn AG gehören, zahlt der Bund den bei weitem größten Teil.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          In diesem Jahr wird insgesamt eine Milliarde Euro ausgegeben, ungefähr so viel Geld, wie in das Straßenverkehrsnetz investiert wird. Dass dem Minister die Schienenwege mehr am Herzen liegen, hängt auch mit der Programmatik der Grünen zusammen. „Die Verkehrswende gelingt nicht ohne die Bahn“, sagte Al-Wazir.

          Klimafreundliche Fortbewegung

          Dabei gehe es um eine umwelt- und klimafreundliche Fortbewegung, aber auch um den Kampf gegen Staus. Gleichzeitig müsse die Mobilität der Bürger erhöht werden, im Ballungsgebiet Rhein-Main, aber auch im ländlichen Raum. Rund 300.000 Arbeitnehmer seien in den zurückliegenden Jahren zusätzlich in die Region gezogen, sagte der Minister.

          Die Zahl der Pendler steige, immer mehr Menschen kombinierten unterschiedliche Verkehrsmittel. Heute hätten weniger junge Leute ein Auto als früher, so Al-Wazir. Insgesamt aber stiegen die Zulassungszahlen für Kraftfahrzeuge in Hessen an, obwohl auf der Straße kein weiteres Wachstum mehr möglich sei. Umso besser müsse das Angebot auf der Schiene sein.

          Die Flatrates für Schüler, Landesbedienstete und Senioren versetzen etwa die Hälfte der Hessen in die Lage, für höchstens einen Euro pro Tag den öffentlichen Personennahverkehr zu nutzen. Der Verkehrsverbund Rhein-Main rechnet damit, dass die Zahl der Fahrgäste sich bis 2030 um ein knappes Drittel wächst. Dafür müssten aber auch die nötigen Kapazitäten geschaffen werden, sagte Al-Wazir. Die Verkehrsverbünde hätten noch nie so viel Geld zur Verfügung gehabt wie heute.

          Neue Perspektiven dank Fernbahntunnel

          Neue Perspektiven eröffne der Fernbahntunnel Frankfurt. Dabei handelt es sich allerdings um ein „Jahrhundertprojekt“. Erst seit September 2019 wird an der Machbarkeitsstudie gearbeitet. Sie soll in einem Jahr fertig sein. Für die Planung der Schienenanbindung des Flughafen-Terminals 3 beginnt demnächst die Vorplanung.

          Etwas weiter vorangekommen ist die „Wallauer Spange“. Sie soll es möglich machen, von Wiesbaden aus direkt und schnell zum Flughafen zu gelangen. 2021 beginnt das Planfeststellungsverfahren. Für die nordmainische-S-Bahn von Frankfurt nach Hanau haben die ersten Bauarbeiten begonnen. Die neu geplanten Strecken bilden mit rund 200 Kilometern allerdings nur einen relativ kleinen Teil des vorhandenen, 2800 Kilometer langen Netzes. Zu viel Abschnitte seien in der Vergangenheit stillgelegt worden, konstatierte Al-Wazir. Ein Viertel der vorhandenen Strecken werde in den nächsten zehn Jahren ertüchtigt, modernisiert oder ausgebaut.

          Als Beispiel nannte der Verkehrsminister die Reaktivierung der Aartalbahn zwischen Wiesbaden und Bad Schwalbach. Damit würden Teile des Rheingaus an die in der Landeshauptstadt geplante City-Bahn angebunden. Ob das in der Bevölkerung umstrittene Projekt tatsächlich realisiert werden kann, ist allerdings offen. Scheitern könnte es am Willen der Bürger, Geld ist genug da. Dass dies so bleibt und bestimmte Fördersätze sogar noch steigen, sieht das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz des Bundes vor. Es soll Mitte Februar die Länderkammer passieren.

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