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Lage in Frankfurt entspannter : Hessen wieder mit sprunghaft mehr Neuinfektionen

Forscherdrang: Virologen in einem Labor der Marburger Uni, die einen Impfstoff-Kandidaten gegen Covid-19 hat, aber noch auf die Erlaubnis für Tests an Menschen wartet Bild: dpa

Nach mehreren Tagen mit übersichtlichen Neuinfektionen verzeichnet Hessen wieder einen Sprung nach oben. In der Covid-19-Rangliste der Bundesländer liegen aber andere weiter vor Hessen.

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          Seit vergangenen Donnerstag hatte Hessen am keinem Tag mehr auffallend viele Covid-19-Neuinfektionen zu Buche stehen, nun aber hat sich das wieder geändert. Die Gesundheitsämter im Lande haben dem Robert-Koch-Institut (RKI) 165 neue bestätigte Fälle gemeldet. Das sind gut fünf Mal so viele wie am Vortag. Hessen steht damit für 13,5 Prozent der im Bund verzeichneten Neuinfektionen. Einen solch hohen Wert hatte es zuletzt vor knapp einer Woche gegeben. Der hessische Anteil an der Gesamtbevölkerung beträgt nur acht Prozent. 

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der neuerliche überproportionale Anstieg könnte einem vorherigen Meldeverzug geschuldet sein. Denn zum Montag lagen dem für die Seuchenbekämpfung federführenden Robert-Koch-Institut weder aus Frankfurt, dem Main-Kinzig-Kreis noch aus Wiesbaden neue Daten vor. Alle drei Kommunen haben aber seit dem Ferienende ebenso wie Stadt und Kreis Offenbach mit deutlich vermehrten Neuinfektionen zu kämpfen gehabt. Die Landeshauptstadt hat angesichts dessen am Montag sogar noch einmal ihre Corona-Vorgaben verschärft und ein Besuchsverbot in Kliniken und medizinischen Einrichtungen verhängt.

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          Zum Dienstag liegen dem RKI nun zusätzliche 51 Fälle aus Frankfurt vor, die den Anstieg für Hessen wesentlich erklären dürften, elf neue aus dem Großraum Hanau und vier weitere aus Wiesbaden. Auch Hanau als zentrale Kommune im Main-Kinzig-Kreis hat zuletzt die Vorgaben verschärft und etwa eine Maskenpflicht an Bushaltestellen verfügt.

          Inzidenzwert sinkt

          Trotz des Anstiegs von Montag auf Dienstag sinkt die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz in Hessen in der Breite. Diese Inzidenz bemisst sich an den neuen Fällen unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist. Das Bundesland kommt auf einen Wert von 11,6 nach mehr als 18 in der vergangenen Woche. Baden-Württemberg, Bayern und Bremen liegen darüber. Kultusminister Alexander Lorz lehnt vor diesem Hintergrund eine allgemeine Maskenpflicht im Unterricht ab.

          Für Wiesbaden meldet das RKI nun 26,9 Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern in den vergangenen sieben Tagen nach zuvor 35,5. Für Frankfurt und den Main-Kinzig-Kreis stehen Werte unter 20 zu Buche, Offenbach liegt nur knapp darüber. Sie liegen allesamt unter der dritten Covid-Eskalationsstufe.

          Die wenigsten Infektionen seit März in Hessen hat der Vogelsberg gemeldet. Es sind ganze 164 an der Zahl, drei davon binnen Wochenfrist. Allerdings hat das zuständige Gesundheitsamt nach einem positiven Fall eine Klasse an der Grundschule Angersbach nach Hause geschickt. Vorsorglich, wie der Landkreis twittert.

          Derzeit fallen viele vor einer Woche oder kurz davor positiv getestete Reiserückkehrer aus der Inzidenz-Statistik. Gleiches gilt für Personen, die sich bei privaten oder öffentlichen Feiern angesteckt haben. Diese Personenkreise gelten als hauptverantwortlich für den Anstieg.

          Aus Mittelhessen meldet die Kassenärzte-Vereinigung (KV) derweil an Mangel an Laborbedarf für Corona-Tests. Dadurch verzögere sich die Auswertung von Proben. Betroffen ist laut dpa bisher der Landkreis Limburg-Weilburg. Der Mangel ist nach Ansicht der KV Resultat der Teststrategie des Bundesgesundheitsministeriums, „die diesen Namen leider nicht verdient“.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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