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Hessen : Weniger Türken lassen sich einbürgern

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Ist Bestandteil jeder Einbürgerung: das deutsche Grundgesetz Bild: dpa

Die Zahl der Einbürgerungen von Türken in Hessen sinkt überproportional. Dafür steigt das Interesse einer anderen Nationalität deutlich.

          Die Zahl der Einbürgerungen in Hessen ist im dritten Jahr hintereinander rückläufig. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Danach hatten im Jahr 2012 noch 14 571 Ausländer einen deutschen Pass bekommen. 2013 waren es 13 540, 2014 rund 12 680 und im vergangenen Jahr nur noch 11 845. Das ist der niedrigste Wert seit langem.

          Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes ist Hessen mit einem Minus von 6,6 Prozent im Jahr 2015 gegenüber dem Vorjahr dasjenige Bundesland mit dem größten Rückgang bei Einbürgerungen. Bundesweit ist deren Zahl nur geringfügig gesunken, in manchen Bundesländern sogar gestiegen.

          Besonders für in Hessen lebende Türken scheint eine Einbürgerung immer weniger in Frage zu kommen. Im vergangenen Jahr bekamen nach Angaben des Statistischen Landesamts 2072 Männer und Frauen aus der Türkei einen deutschen Pass. Das waren 532 oder rund 20 Prozent weniger als im Jahr 2014. Damit liegt Hessen über dem Bundesdurchschnitt, wonach es in jenem Zeitraum 12,4 Prozent weniger türkische Einbürgerungen gab. In Hessen lagen die Rückgänge bei Türken in den beiden davor liegenden Jahren sogar noch höher: nämlich bei 27 beziehungsweise 22 Prozent.

          Enis Gülegen, Vorsitzender des hessischen Landesausländerbeirats, führt die Entwicklung darauf zurück, dass gerade Türken sich ausgegrenzt fühlten, sich deshalb von Deutschland emotional abwendeten und selbstbewusster würden. „Türken gelten immer wieder als die Problemgruppe, wenn es um Integration geht, dabei sind sie sehr etabliert.“

          Zahl der eingebürgerten Ukrainer stark gestiegen

          Trotz des Rückgangs bildeten die Türken auch im vergangenen Jahr die mit Abstand größte Gruppe unter den Eingebürgerten in Hessen. Die zweit- und drittgrößten Gruppen nach den 2072 Türken sind die Polen mit 678 und Italiener mit 493 Einbürgerungen. Die Zahl der Einbürgerungen von Menschen aus Ländern der Europäischen Union (EU) nahm insgesamt nur leicht zu, von 3054 im Jahr 2014 auf 3107 im vergangenen Jahr.

          Stark angestiegen hingegen ist im vergangenen Jahr die Zahl der eingebürgerten Ukrainer. Sie lag bei 467, das sind 175 mehr als im Jahr 2014, was einem Anstieg um 37 Prozent entspricht. Der Zuwachs ist hier in Hessen etwas stärker als in ganz Deutschland, wo die Zahl der Einbürgerungen von Ukrainern um 32,6 Prozent stieg. Unter den Afrikanischstämmigen führen Marokkaner mit 594 Einbürgerungen die hessische Liste von 2015 an. Die meisten neuen Bürger aus asiatischen Staaten kamen aus Afghanistan, nämlich 534.

          Regierungspräsidium Darmstadt entscheidet über Einbürgerung

          Männer und Frauen aus diesen beiden Staaten dürfen ihren alten Pass behalten, genauso wie zum Beispiel Iraner oder Eritreer. Diese Länder entlassen ihre Bürger nicht aus der Staatsangehörigkeit, so dass sie Doppelstaatler werden. Von Bürgern aus einem Land der EU wird die Aufgabe ihrer bisherigen Staatsangehörigkeit nicht verlangt. In Hessen konnten im vergangenen Jahr 6224 der 11 845 eingebürgerten Ausländer den Pass ihres Herkunftslandes behalten - mehr als die Hälfte.

          In Hessens größter Stadt ging die Zahl der Einbürgerungen nach Angaben des Standesamts zwischen 2014 und 2015 von 2686 auf 2550 zurück; das sind rund fünf Prozent. Rechnet man die Zahl der Einbürgerungen bis Ende Juli dieses Jahres hoch, könnte es bis zum Jahresende allerdings zu einem ähnlichen Stand kommen wie im vergangenen Jahr.

          Das Standesamt sammelt alle erforderlichen Unterlagen, entscheidet aber nicht über die Einbürgerung. Dies tut das Regierungspräsidium Darmstadt. Nach Worten von Andrea Hart, der Leiterin des Standesamts, hat es nach dem Putschversuch in der Türkei kein größeres Interesse an Einbürgerungen gegeben, anders als nach dem Brexit-Votum. Die Zahl der Briten, die ein Beratungsgespräch führen wollten, wuchs.

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