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Maßnahmen gegen Corona : Hessen weitet Notbetreuung aus

  • -Aktualisiert am

Steigende Anzahl an Corona-Patienten erwartet: Hessen rüstet auf (Symbolbild). Bild: dpa

Hessen rüstet auf. Denn die Landesregierung rechnet mit einer steigenden Anzahl von Corona-Infizierten. Kultusminister Alexander Lorz und Sozialminister Kai Klose haben nun die Notfallmaßnahmen vorgestellt.

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          Die hessische Landesregierung bereitet sich auf eine steigende Zahl von Corona-Fällen vor und weitet daher die Notbetreuung für Schul- und Kindergartenkinder aus. Zudem sollen die Krankenhäuser mehr Intensivbetten mit Beatmungsgeräten einrichten und es soll die Zahl der Corona-Tests erhöht werden. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) und Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) stellten am Freitag ihre Maßnahmen vor. Eine schnelle Exit-Strategie, wie sie derzeit diskutiert wird, bewerteten die beiden Minister skeptisch.

          Bisher sind sieben Menschen in Hessen an den Folgen von Corona gestorben. Bei 2392 weiteren Personen ist das Virus bisher bestätigt worden. Frankfurt verzeichnet mit 237 Infizierten dabei die höchste Quote im ganzen Bundesland. 527 an dem Coronavirus erkrankte Menschen sind derzeit in stationärer Behandlung. Davon liegen 405 Patienten in Normalpflegebetten, 88 liegen in Intensivbetten und werden beatmet und weitere 34 in Intensivbetten, brauchen aber nicht beatmet zu werden, teilte das Sozialministerium mit.

          Die erweiterte Notbetreuung an den Osterfeiertagen und den Wochenenden gilt für Eltern, bei denen zumindest ein Elternteil im Gesundheitswesen oder den Rettungsdiensten tätig ist. An den regulären Tagen während der Osterferien reicht es, wenn die Eltern in den systemrelevanten Berufen, wie etwa der Wasser- und Energieversorgung, tätig sind, korrigierte sich das Sozialministerium. Bisher wurden laut Lorz rund 2500 hessische Schüler in Kleingruppen betreut. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Berufsgruppen aus dem Gesundheitswesen in den kommenden Wochen und über Ostern, bei einer voraussichtlich erheblich gestiegenen Zahl der Erkrankungen, an der Gesundheitsfront in besondere Weise gefordert sein werden“, begründete Lorz die Maßnahme. Auch für die Kindergartenkinder gilt diese Regelung, wie Klose ergänzte. In Gesprächen mit den kommunalen Spitzenverbänden sei es gelungen, eine entsprechende Vereinbarung zu treffen. Die exakte Zahl der Kinder, die bisher in den Kitas betreut wurden, konnte Klose nicht nennen, da dies in jeder Kommune unterschiedlich sei. Prozentual betrage sie etwa 1,5 Prozent aller hessischen Kita-Kinder.

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          „Wir bereiten die Krankenhäuser auf den erwarten Anstieg der an Covid-19-Erkrankten vor“, sagte Klose. Die vor zwei Wochen ergriffenen Maßnahmen, planbare Operationen aufzuschieben, würden nun erkennbar Früchte tragen. Laut Klose sind in Hessens Krankenhäusern derzeit rund 10.500 Betten frei. Davon seien 600 Betten mit Beatmungsgeräten ausgerüstet und 400 weitere Betten verfügten über eine intensivmedizinische Überwachungsmöglichkeit. Wie viele Intensivbetten mit Beatmungsmöglichkeit in Hessen in der nächsten Zeit noch eingerichtet werden können, stehe derzeit nicht fest. „Alle sind fieberhaft dran, aber wie viele es am Ende werden, kann ich im Moment noch nicht prognostizieren“, so der Sozialminister.    

          Mangel an Testkits aus China

          Klose kündigte zudem an, dass in Zusammenarbeit mit dem Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes die Laborkapazitäten für Corona-Tests ausgeweitet werden sollen. Damit könne die Zeit zwischen dem Abstrich und dem Testergebnis „noch ein bisschen“ reduziert werden. Als Nadelöhr für höhere Testkapazitäten bezeichnete er die benötigten Testkits. Diese würden in China hergestellt und seien derzeit knapp. Deswegen glaube er nicht, dass die Testkapazitäten schnell ausgeweitet werden könnten. Wie viele Tests derzeit täglich in Hessen vorgenommen werden, konnte Klose nicht sagen, da auch private Labore und Arztpraxen tätig seien, die die Zahlen nicht melden würden. Die beiden Labore an den hessischen Uni-Kliniken führen nach Auskunft des Ministers jeweils etwa 200 Tests am Tag durch.

          Einer frühzeitigen Exit-Strategie, wie sie derzeit diskutiert wird, erteilten Lorz und Klose vorerst eine Absage. „Wir haben die Maßnahmen bundesweit noch nicht solange in Kraft. Wenn die Vollbremsungen einen Sinn haben sollen, dann darf man auf keinen Fall zu früh wieder anfangen, diese zu lockern“, sagte Klose und warnte vor der Gefahr einer zweiten Infektionswelle. Um Ostern herum sei die Zeit, die Zahlen zu betrachten und die weitere Strategie im Kampf gegen das Virus festzulegen. „Wir möchten unsere Schulen gerne so früh wie möglich und idealerweise am 20. April wieder aufmachen, denn der persönliche Kontakt zwischen Schülern und Lehrern ist durch nichts zu ersetzen“, sagte Lorz, stellte aber klar: „Die Gesundheit geht vor.“

            

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