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Flüchtlinge in Hessen : Land verstärkt Suche nach Flüchtlingshelfern

  • -Aktualisiert am

Das frühere Neckermann-Areal: Melanie Freitag koordiniert für den Arbeiter-Samariter-Bund die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsunterkunft dort. Bild: Helmut Fricke

Hessen will mehr Ehrenamtliche für die Flüchtlingshilfe gewinnen, dazu baute eine Landesstiftung die Internetbörse aus. Helfer vom Arbeiter-Samariter-Bund finden auch „Angebote außerhalb der Einrichtungen wichtig“.

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          Das Land Hessen will mehr Ehrenamtliche für die Arbeit mit Flüchtlingen gewinnen und dazu ein spezielles Angebot im Internet ausbauen. Das kündigte Axel Wintermeyer (CDU), Chef der Staatskanzlei und Flüchtlingskoordinator der Landesregierung, in der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende auf dem ehemaligen Neckermann-Areal in Frankfurt an.

          Die Landesstiftung Miteinander in Hessen übernimmt die von Mitarbeitern des Hessischen Rundfunks im September vergangenen Jahres initiierte Plattform „People like me“. Wie der stellvertretende HR-Intendant Manfred Krupp sagte, verbindet die Internetseite gezielt jene miteinander, die Unterstützung suchen, zum Beispiel Flüchtlingseinrichtungen, und jene, die Hilfe anbieten. Weitere Informationen gibt es unter der Adresse www.miteinander-in-hessen.de.

          Ehrenamtler bleiben engagiert

          Wintermeyer zufolge soll das spezielle Online-Angebot, das nicht zuletzt den Freiwilligenagenturen offensteht, nun für ganz Hessen ausgebaut werden. Eine eigene Smartphone-App ist schon entwickelt worden. Wintermeyer ist zugleich Vorstandsvorsitzender der Landesstiftung. Auch das Netzwerk „Frankfurt hilft“ könne sich beteiligen, hob er hervor. Auch dieses Angebot bringt Nachfragen und Angebote in der Flüchtlingshilfe zusammen.

          Die wachsende kritische Stimmung gegenüber Flüchtlingen wirkt sich nach der Einschätzung von Flüchtlingshelfern nicht negativ auf das Engagement von Ehrenamtlichen aus. „Wir spüren diese Stimmung auch, aber die Akteure sagen: ,Jetzt erst recht‘“, äußerte Frank Gerhold, Geschäftsführer des Freiwilligenzentrums Kassel. Das sieht auch Melanie Freitag so: „Es gibt eine große Hilfsbereitschaft.“ Freitag koordiniert für den Arbeiter-Samariter-Bund die Arbeit der Ehrenamtlichen in der Unterkunft auf dem früheren Neckermann-Areal.

          Suche nach Räumen in der Innenstadt

          Der Arbeiter-Samariter-Bund betreibt die Einrichtung, in der bis zu 2000 Menschen leben können. Derzeit sind es nach Angaben des Hausleiters Hiwa Rostami rund 1200 - 500 Männer, 260 Frauen, 400 Kinder und zehn minderjährige, alleinreisende Flüchtlinge. Die größte Gruppe bilden Syrer. Viele sind als Familie nach Deutschland gekommen.

          In der Einrichtung, die vor gut vier Wochen eröffnet wurde, sind derzeit 20 Ehrenamtliche beschäftigt, vor allem als Dolmetscher, wie Freitag schilderte. Aber auch in der Kleiderkammer helfen sie mit. Die Kleidungsstücke kommen vor allem aus einem Depot des Caritasverbands. An drei Tagen in der Woche werden sie an die Flüchtlinge ausgegeben.

          Freitag und Rostami suchen dringend Räume im Stadtteil Fechenheim, in denen Flüchtlinge etwa Deutschunterricht erhalten können. Es sei für die Integration der Ankömmlinge wichtig, sich auch außerhalb der Einrichtung zu bewegen, sagte Freitag. Denkbar sei auch eine ehrenamtliche Mitarbeit bei Stadtführungen, Museumsbesuchen oder anderen Ausflügen. Potentielle Helfer können sich unter der E-Mail-Adresse ehrenamt@asb-heae-f.de an Freitag wenden.

          Schnelle Registrierung der Flüchtlinge angestrebt

          Wintermeyer sagte, das Land könne in diesem Jahr nicht noch einmal eine so große Zahl von Flüchtlingen aufnehmen wie 2015. Im vergangenen Jahr waren es 79.000. Er hoffe, dass es gelinge, Fluchtursachen zu bekämpfen, und verwies auf die deutsch-türkischen Regierungskonsultationen, die stattfanden. Die Situation der Flüchtlinge in türkischen, libanesischen und jordanischen Lagern müsse dringend verbessert werden.

          In Hessen soll die Registrierung der Flüchtlinge bald schneller vonstattengehen, wie Wintermeyer hinzufügte. Dazu werde es in Gießen eine zentrale Einrichtung geben, in der die Flüchtlinge auch ihren Asylantrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge stellen könnten. Ziel sei, jene Ankömmlinge, die eine Bleibeperspektive hätten, möglichst schnell aus den Erstaufnahmeeinrichtungen auf die Kommunen zu verteilen. Derzeit leben in jenen Einrichtungen 28.000 Menschen.

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