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Hessen : Todesfälle in Altenheimen beschäftigen Landtag

  • Aktualisiert am

Senioren vor dem Altenheim, das die Todesfälle beklagt Bild: dpa/dpaweb

Die SPD-Landtagsfraktion will die acht Todesfälle in einem Darmstädter Alten- und Pflegeheim zum Thema eines dringenden Antrags im sozialpolitischen Ausschuß des Landtags machen. Eine klare Analyse der Vorkommnisse sei notwendig, heißt es.

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          Die SPD-Landtagsfraktion will die acht Todesfälle in einem Darmstädter Alten- und Pflegeheim zum Thema eines dringenden Antrags im sozialpolitischen Ausschuß des Landtages machen. Die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion, Petra Fuhrmann, sagte dazu, eine klare Analyse der Vorkommnisse sei notwendig, damit sich derartige Häufungen von Todesfällen nicht wiederholten. Fraktionssprecher Gert-Uwe Mende bestätigte auf Anfrage, der Fraktion sei bekannt, daß alle acht Darmstädter Verstorbenen eines natürlichen Todes gestorben und in ausgezeichnetem Pflegezustand gewesen seien. Gleichwohl gebe es noch Fragen hinsichtlich der Todesursachen und eines Zusammenhangs mit der Hitzewelle. Es müsse auch darum gehen, wie in Altenheimen solche Ereignisse verhindert werden könnten, denn dies werde kaum der letzte heiße Sommer gewesen sein. Fuhrmann ergänzte, auch im Interesse der Hinterbliebenen wie der verantwortlichen Mitarbeiter des Altenheims müßten alle Fakten auf den Tisch.

          Der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft, Ger Neuber, sagte, erste Ergebnisse der nun noch ausstehenden chemisch-toxikologischen Untersuchungen der Verstorbenen würden erst in etwa drei Wochen vorliegen. Auf ein endgültiges Ergebnis werde man sogar noch sechs bis acht Wochen warten müssen. Mit Hilfe der Tests solle auch geprüft werden, ob eingenommene Medikamente möglicherweise nicht "kompatibel mit der Hitze" waren, teilte die Staatsanwaltschaft gestern mit.

          So können hohe Temperaturen zur Unverträglichkeit von Mitteln gegen Herzmuskelschwäche führen, die viele ältere Menschen einnehmen. Diese aus dem Fingerhut hergestellten Präparate können bei Verschiebungen im Elektrolythaushalt tödlich wirken. Ein solches Ungleichgewicht aber wird bei Hitze gefördert, wenn bei Schwitzen nicht für einen ausreichenden Ausgleich mit mineralstoffhaltiger Flüssigkeit gesorgt wird.

          Bei den Verstorbenen seien Ablagerungen insbesondere an den Herzkranzgefäßen festgestellt worden, teilte Neuber weiter mit. Dies zeige, daß "alte Leute weniger den Angriffen der Natur entgegenzusetzen haben". Zwei der acht Toten seien an Herzinfarkten gestorben, andere an Lungenentzündung oder Bronchitis. Neuber hob hervor, da der Pflegezustand der alten Menschen "ausgezeichnet" gewesen sei, treffe das Pflegepersonal keine Schuld.

          Ob das für die beiden Frankfurter Alten- und Pflegeheime, in denen seit Anfang August 13 Menschen gestorben sind, auch zutrifft, läßt sich noch nicht genau beurteilen. Denn einige Dokumentationen über die verabreichte Flüssigkeit seien ungenau, so daß sich der Leiter des hessischen Amts für Versorgung und Soziales, Eike von der Heyden, erst von ausführlichen Gesprächen mit dem Pflegepersonal des Johanna-Kirchner-Heims und des Heinrich-Scheich-Hauses endgültige Klarheit erhofft. Dieses Ergebnis steht noch aus. Wie immer es ausfällt, wollen sich Heyden und die Leiterin des Frankfurter Gesundheitsamts, Sonja Stark, demnächst zusammensetzen und über mögliche Verbesserungen für die nächste Hitzeperiode nachdenken.

          In Baden-Württemberg sind die rätselhaften Todesfälle in einem Karlsruher Altenheim nach Angaben des Sozialministeriums indes geklärt. Neben bereits bestehenden Erkrankungen habe die Rekordhitze die 15 verstorbenen Bewohner des Pflegeheims zusätzlich geschwächt.

          Hitze ist für Ältere eine besondere Belastung. Ihr Immunsystem ist nicht mehr so stark wie das jüngerer Menschen, Regenerationsprozesse sind verlangsamt, und die meisten kämpfen mit einer chronischen Erkrankung. Insbesondere das Herzkreislauf-System von Hochbetagten ist äußerst labil. Sinken die Temperaturen wie in den ersten Augustwochen kaum unter 30 Grad, bedeutet das eine permanente Strapaze. Ein kühles Eckchen ist in einem Alten- und Pflegeheim kaum zu finden, denn diese Einrichtungen sind ebensowenig wie Krankenhäuser mit Klimaanlangen ausgestattet. In Kliniken wurde während der extremen Wetterlage daher nicht selten an Ärzte die Bitte herangetragen, einen Angehörigen doch auf die klimatisierte Intensivstation zu verlegen. (rig./ziz.)

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