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Hessen : Theater auf Erfolgskurs

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Gute Kulisse: Das Frankfurter Schauspiel ist gut besucht. Bild: Wahl, Lucas

Kino, DVD, Youtube - Theater haben heute starke Konkurrenz. Trotzdem zieht es viele Menschen vor die Bühnen, wie mehrere Spielstätten berichten. Bliebt sind Klassiker und Kinderstücke.

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          Mitten in der Spielzeit ziehen die Häuser schon einmal Bilanz: Einige große Theater in Hessen sind derzeit auf Erfolgskurs. Wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa zeigt, registrierten Theater in Frankfurt, Marburg und Gießen in den vergangenen Monaten mehr Besucher. Das Schauspiel Frankfurt etwa zählte von September bis Ende Dezember 5000 Gäste mehr als im Vorjahreszeitraum. Auch das Landestheater Marburg lockte im vergangenen Jahr mit rund 45.000 Zuschauern mehr Menschen als 2011. „Wir können uns nicht beklagen“, sagte Intendant Matthias Faltz.

          Das Stadttheater Gießen rechnet auch in der laufenden Spielzeit mit mehr Besuchern. Während der zurückliegenden Saison 2011/2012 kamen rund 121.000 Gäste. „Das war für uns der Höchststand“, sagte eine Sprecherin. In den vergangenen zehn Jahren hätten die Besucherzahlen um 47 Prozent zugelegt, vor allem der zeitgenössische Tanz im Großen Haus habe einen enormen Zuwachs erlebt. Zwei Festivals im Sommer sollen auch in dieser Saison viele Gäste bringen. „Das wird auch noch mal für viele Besucher sorgen.“

          In Kassel waren 72 Prozent der Plätze belegt

          Das Schauspiel Frankfurt ist nach eigenen Angaben derzeit zu 89 Prozent ausgelastet. Im Dezember waren sogar 95 Prozent der Plätze belegt. Besonders die beiden Inszenierungen zu „Faust“ seien auf große Resonanz beim Publikum gestoßen, teilte das Schauspiel mit. Das Stück „Krabat“ hatte während der Weihnachtszeit 17.000 Besucher - alle 25 Vorstellungen waren ausverkauft. In der Spielzeit 2011/2012 hatte das Haus einen Rekord erzielt: Damals besuchten rund 165.000 Menschen das Theater, so viele wie seit 30 Jahren nicht mehr.

          Im Staatstheater Wiesbaden ging im vergangenen Jahr 985 Mal der Vorhang hoch für Schauspiel, Oper oder Ballett. Die Besucherzahl stieg auf 328.000 - Gastspiele der Wiesbadener Bühne im In- und Ausland eingerechnet. Besucherstärkster Monat war wie in anderen Häusern der Dezember, wenn neben dem Erwachsenen-Repertoire ein Weihnachtsmärchen läuft. In Wiesbaden lockte diesmal „Peterchens Mondfahrt“. Zum Gesamtetat von 34 Millionen Euro erwirtschaftete das Theater 5,6 Millionen Euro, das Land gab 14,4 Millionen und die Stadt 14 Millionen Euro.

          Im Kasseler Staatstheater besuchten im vergangenen Jahr knapp 230.000 Menschen die 686 Vorstellungen, im Schnitt waren 72 Prozent der Plätze belegt. „Damit sind wir recht zufrieden“, sagte Intendant Thomas Bockelmann. 2004 habe das Theater noch 5800 Abonnenten gehabt, mittlerweile seien es mehr als 10.000. „Dies spricht für eine gewachsene Verankerung in Stadt und Region.“ Zu den beliebtesten Stücken in Kassel gehörten die Klassiker „Die Zauberflöte“ von Mozart und das Drama „Woyzeck“ von Georg Büchner. Im Kinder- und Jugendtheater kam „Anne Frank“ besonders gut an.

          Millionenzuschüsse

          Klassiker und Kinderstücke sind oft Lieblinge des Publikums, auch weil Schulklassen häufig Aufführungen besuchen. Im Landestheater Marburg lockte das Weihnachtsstück „Des Kaisers neue Kleider“ nach Hans Christian Andersen im vergangenen Jahr die meisten Gäste an - etwa 12.000 Menschen haben das Stück im Dezember gesehen. Zu den Besuchermagneten zählt das Theater auch die Open-Air-Produktion „Der Kaufmann von Venedig“, rund 4000 Besucher sahen die Aufführungen im Sommer auf dem Marburger Marktplatz. Brechts „Dreigroschenoper“ sahen bis Ende des Jahres etwa 6500 Menschen.

          Finanziert werden die Theater mit Millionenzuschüssen. Allein die drei Staatstheater in Wiesbaden, Darmstadt und Kassel erhalten jährlich je 29 bis 30 Millionen Euro. Nach Angaben des hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst zahlt das Land 52 Prozent der Summe, den Rest übernimmt die jeweilige Stadt. Das Landestheater Marburg bekommt knapp 1,7 Millionen vom Land, das Stadttheater Gießen etwa 3 Millionen Euro. „Wir haben natürlich auch noch kleinere Theater, die über Sondermittel gefördert werden“, sagte der Sprecher in Wiesbaden.

          Auch das Staatstheater Darmstadt stößt wieder auf größeres Interesse. Die Spielzeit 2011/2012 lief besser. Die Zahl der Besuche erhöhte sich verglichen mit der Vorsaison um rund 22.000 auf fast 270.400. Es gab mit 1228 rund 200 Veranstaltungen mehr. Die Auslastung stieg von fast 79 auf fast 80 Prozent. In der Spielzeit 2010/2011 war die Zahl der Zuschauer noch rückläufig gewesen. Welche Aufführungen am meisten Besucher hatten, will das Staatstheater nicht verraten. Beliebter werden auch Eintrittskarten aus dem Internet. Jedes dritte Ticket werde mittlerweile so gekauft.

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