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Austritt aus der Kirche : Tausende Katholiken kehren ihrer Kirche den Rücken

  • Aktualisiert am

Im Bistum Limburg sind rund 8000 Männer und Frauen aus der Kirche ausgetreten. Bild: dpa

Wieder sind zahlreiche Menschen aus der Kirche ausgetreten. Vertrauen zurückgewinnen, lautet nun das Credo. Das Bistum Limburg will das auch mit Einblicken in seine Finanzen schaffen.

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          Die katholische Kirche hat im vergangenen Jahr auch in Hessen eine Austrittswelle durchlaufen. In den drei Bistümern kehrten Tausende Menschen der Kirche den Rücken. Das Bistum Mainz, das zu zwei Dritteln in Hessen liegt, berichtete am Freitag von rund 8900 Austritten. Damit sei der bisherige Höchstwert des Jahres 1992 übertroffen worden.

          In der Diözese Limburg traten 2014, dem Jahr der Abberufung ihres Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst, rund 7900 Menschen aus der Kirche aus. Das waren etwas weniger als ein Jahr davor. Im Bistum Fulda gingen gut 3400 Katholiken, fast 500 mehr als noch 2013.

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          In ganz Deutschland stieg die Zahl der Austritte mit 217.716 auf einen Rekordstand. Damit wurde der bisherige Höchststand von 2010 auf dem Höhepunkt des damaligen Missbrauchsskandals (181.193 Austritte) übertroffen. Die Katholiken machen in Deutschland jetzt 29,5 Prozent der Bevölkerung aus - das sind knapp 24 Millionen Menschen. In ersten Reaktionen führten Kirchenvertreter die Austrittswelle unter anderem auf die Verwirrung um den Kirchensteuereinzug auf das Kapitalvermögen zurück.

          Vertrauen durch Transparenz zurückgewinnen

          Der Leiter des Bistums Limburg, Manfred Grothe, erklärte zudem: „Die verfasste Kirche spielt im Alltag vieler Menschen eine immer geringer werdende Rolle. Ihre Bindung an die Kirche schwindet.“ Die Diözese stehe vor der Aufgabe, Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen. Man müsse auch auf neue Zielgruppen zugehen.

          Gerade das Bistum Limburg hatte zuletzt wegen des Finanzskandals um den neuen Amtssitz und den später deswegen abberufenen Tebartz-van Elst mit Vertrauensverlust zu kämpfen.

          Limburg will Vertrauen unter anderem durch mehr Transparenz zurückgewinnen - gerade bei den Finanzen. Die Diözese legte daher am Freitag zum zweiten Mal ihren Jahresbericht vor. Laut den Zahlen für 2014 verfügt das Bistum über ein Vermögen von etwa 967 Millionen Euro, nach 909 Millionen in 2013.

          Das Bistum habe von der Konjunktur, höheren Kirchensteuereinnahmen sowie sparsamem Haushalten profitiert, erläuterte Finanzdezernent Gordon Sobbeck. Dem Vermögen stünden allerdings zahlreiche Verpflichtungen wie die Altersvorsorge oder für kirchliche Aufgaben gegenüber.

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