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„Digitale Schule Hessen“ : Landesregierung stockt Digitalpakt auf 500 Millionen auf

  • -Aktualisiert am

Digitales Klassenzimmer: Das Geld soll nicht nur für Notebooks und anderes technisches Gerät fließen, sondern auch für Konzepte und Lehrerbildung. Bild: Wonge Bergmann

Hessen hat das Programm „Digitale Schule Hessen“ entwickelt, das den Digitalpakt des Bundes ergänzt. Die Opposition kritisiert den hohen Anteil der Kommunen.

          Hessens Schüler sollen sich erfolgreich in der digitalen Welt bewegen und die neuen Medien effizient, aber auch verantwortungsvoll einsetzen können. Um dies zu erreichen, hat die schwarz-grüne Landesregierung ein Programm namens „Digitale Schule Hessen“ entwickelt, das den sogenannten Digitalpakt des Bundes ergänzt. Die mit dem Bund vereinbarte finanzielle Eigenbeteiligung wird von 10 auf 25 Prozent erhöht.

          Die insgesamt 500 Millionen Euro sollen nicht nur in die technische Ausstattung der Schulen fließen, sondern auch in pädagogische Konzepte und die Lehrerfortbildung. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte gestern mit weiteren Mitgliedern der Landesregierung in Wiesbaden das Programm vor. In der kommenden Woche werden die Regierungsfraktionen ein entsprechendes Gesetz einbringen, damit die ersten Fördergelder noch Ende des Jahres ausgezahlt werden können.

          Neue Lernformen im Unterricht

          Das Programm gliedert sich in vier Themenfelder. Das erste umfasst pädagogische Konzepte, mit denen die neuen Lernformen im Unterricht eingesetzt werden können. „Die Digitalisierung bietet uns ganz neue Möglichkeiten zur individuellen Förderung der Schüler“, sagte Kultusminister Alexander Lorz (CDU), der aber klar machte, dass das „Primat der Pädagogik“ gelte. Die neuen Lernformen sollten den Unterricht bereichern, ihn aber nicht bestimmen.

          Das zweite Themenfeld befasst sich mit der Aus- und Fortbildung der hessischen Lehrer. Dabei geht es auch darum, die Pädagogen darin zu unterstützen, ein Medienbildungskonzept zu erstellen. „Mehr als 50 Prozent der Schulen haben bereits ein solches Konzept. Unser Ziel ist, dass alle und zwar möglichst bald darüber verfügen“, sagte Lorz. Die Medienbildung für die Lehrkräfte habe Priorität bei den Fortbildungsangeboten. Mehr als 8500 Lehrer hätten dieses Angebot im vergangenen Jahr genutzt. Als Beispiel für den Einsatz neuer Lernformen nannte er das Schulportal Hessen, das bereits heute von einigen Schulen als Pilotprojekt genutzt wird. Bei dieser Cloud handele es sich um eine „echte Lernplattform im Internet“, auf die aus Datenschutzgründen ausschließlich Lehrer und Schüler zugreifen können.

          Der dritte Schwerpunkt behandelt den Umgang mit den neuen Medien. Dazu wird eine „Servicestelle für verantwortungsvolle Mediennutzung“ eingerichtet, die vom Rat für Digitalethik konzipiert wird. Diese Servicestelle soll Angebote für Kinder und Jugendliche konzipieren, sagte Digitalministerin Kristina Sinemus (parteilos). Das vierte Themenfeld befasst sich mit der Anbindung der Schulen an das schnelle Glasfasernetz und die digitale Ausstattung, die als Grundvoraussetzung für den Einsatz digitaler Lernmethoden gesehen werden. Laut Sinemus haben insgesamt 70 Prozent der hessischen Schulen einen entsprechenden Antrag bewilligt bekommen, ihn gestellt, oder planen, ihn zu stellen. Wie viele Schulen bereits an das Glasfasernetz angeschlossen sind, steht nicht fest, die Daten werden gerade erhoben.

          Zur Finanzierung des Programms stockt die Landesregierung die Mittel aus dem Digitalpakt des Bundes von 372 auf 500 Millionen Euro für fünf Jahre auf. Für jeden Schüler würden so 540 Euro in den fünf Jahren aufgewendet. „Soweit wir das heute absehen können, sind wir das einzige Land, das eine solche Anstrengung unternimmt“, sagte Bouffier. Finanzminister Thomas Schäfer (CDU) konkretisierte die Finanzierung. 60 Millionen Euro kommen aus dem Landeshaushalt. Den kommunalen Schulträgern wird zur Finanzierung ihres Anteils ein Darlehensprogramm der hessischen Wirtschafts- und Infrastrukturbank in Höhe von etwa 110Millionen Euro angeboten. Die Kommunen benötigen eigenes Geld, weil der hessische Eigenanteil von 25 Prozent jeweils zur Hälfte vom Land und den Schulträgern gezahlt wird. Die Schulträger selbst erhalten das Fördergeld laut Schäfer nach ihrer Schülerzahl.

          Hoher Eigenanteil der Kommunen

          Als „schlechten Witz“ kritisierte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Christoph Degen, das Programm und monierte, dass die Landesregierung in den nächsten fünf Jahren lediglich 60 Millionen Euro an Landesmitteln beisteuere. Die höchste Belastung müssten wieder einmal die Kommunen tragen. Nach Einschätzung der Linken schmückt sich die Landesregierung mit „fremden Federn“, weil die Kommunen einen hohen Eigenanteil tragen müssten. Arme Schulträger könnten sich eine Teilnahme nicht leisten. „Die Landesregierung scheint nach langer Zeit endlich aus ihrem Dornröschenschlaf aufgewacht“, äußerte der bildungspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Moritz Promny, schränkte jedoch ein, dass nur mit halber Kraft vorgegangen werde, wenn die Landesmittel nicht verdoppelt würden.

          Als „vielversprechend“ lobte der Geschäftsführer des hessischen Industrie- und Handelskammertages, Robert Lippmann, das Programm. Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, hätte sich noch einen weiteren Schwerpunkt auf der Digitalisierung der Berufsschulen gewünscht und erinnerte daran, dass in den ausbildenden Betrieben die Digitalisierung längst begonnen habe.

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