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Hessen-SPD-Chef im Interview : „Ich bin nicht umfragefixiert“

Plakativ: Hessen-SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel vor einem Plakat mit einer seiner zentralen Wahlbotschaften Bild: dpa

Thorsten Schäfer-Gümbel setzt trotz des Popularitätstiefs seiner SPD auf Sieg. Noch habe der Landtagswahlkampf in Hessen ja gar nicht begonnen.

          Gerade einmal 22 Prozent gaben die Meinungsforscher der hessischen SPD bei der letzten Hessen-Umfrage Mitte Juni. Das sind acht Prozentpunkte weniger als bei der Landtagswahl 2013; die CDU rangiert bei 31 Prozent. Die Ausgangslage ist für jemanden, der wie Sie zum dritten Mal Anlauf auf das Amt des Ministerpräsidenten nimmt, extrem bescheiden. Wie motivieren Sie sich bei dem Versuch, Volker Bouffier (CDU) aus der Staatskanzlei zu verdrängen?

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Ich sehe gähnende Leere auf der Seite der jetzigen Landesregierung, wenn es um Antworten auf die wichtigsten Fragen unserer Zeit geht: Wohnen, Mobilität, Bildungsgerechtigkeit. Und ich sehe den Bedarf, dass endlich etwas gemacht wird. Das motiviert mich, denn ich bin ein Macher.

          Der Parteichef und seine Innen-Expertin: Thorsten Schäfer-Gümbel mit Nancy Faeser im Landtag Bilderstrecke

          Das merkt aber offenbar kaum jemand; derzeit nicht einmal jeder Vierte im Land.

          Die Landtagswahl am 28. Oktober ist noch in weiter Ferne. Die meisten Menschen nehmen, erst wenn die ersten Plakate stehen, wahr, dass Wahl ist.

          Sie meinen tatsächlich, Sie können den derzeit gegen die SPD gerichteten Trend noch drehen? Wenn Ihnen das gelingt, gehen Sie in die Parteigeschichte ein.

          Bei den letzten Landtagswahlen in Niedersachsen und Rheinland-Pfalz hat die SPD bewiesen, dass sie Wahlen unter schwierigen Bedingungen gewinnt, wenn die Personen und die Inhalte stimmen. Die rheinland-pfälzische SPD hat über zwei Jahre lang zehn Prozentpunkte hinter der Union zurückgelegen, erst vier Tage vor der Landtagswahl rangierte sie das erste Mal vor der CDU.

          Aber die SPD-Kandidatin Malu Dreyer ging dort immerhin als Ministerpräsidentin in den Wahlkampf.

          Ja.

          Thorsten Schäfer-Gümbel setzt noch eins drauf und schafft ein solches Kunststück aus der Opposition heraus?

          Ich bin Optimist. Ich fühle mich so gut vorbereitet wie noch nie. Mein Eindruck ist, dass die Menschen nach Orientierung suchen, und die kann die Hessen-SPD ihnen bieten. Jetzt heißt es für uns: Ärmel hochkrempeln und unsere Botschaft verbreiten. Darauf freue ich mich, und das ist die wichtigste Voraussetzung, wenn man am Ende erfolgreich sein will. Die Wähler werden spüren, dass ich nicht verkrampft wegen irgendwelcher Umfragewerte bin, sondern mit Lebensfreude und Zuversicht an meine Aufgabe gehe. Außerdem ist der 28. Oktober mein persönlicher Glückstag, weil meine Frau an diesem Tag Geburtstag hat.

          Die miesen Umfragewerte bereiten Ihnen keine schlaflosen Nächte?

          Überhaupt nicht. Ich wache jeden Morgen motiviert auf und weiß, dass die SPD gewinnen kann. Das ist auch eine Haltungsfrage! Jammern hilft sowieso nicht.

          Noch düsterer als in Hessen sieht es derzeit im Bund für Ihre Partei aus. Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden laut Umfragen nur noch 17 Prozent für die Sozialdemokraten stimmen, die AfD liegt nur noch knapp dahinter. Wie sehr behindert Sie das beim Durchstarten im Hessen-Wahlkampf?

          Wir liegen in Hessen deutlich über dem Bundestrend. Aber klar ist natürlich: Wenn wir in Berlin nach den schwierigen vergangenen anderthalb Jahren schon wieder stärker wären, wäre das kein Schaden. Ich kann nur wiederholen: Der entscheidende Punkt ist, ob wir als hessische SPD deutlich machen können, dass wir bei den großen Themen unseres Landes – finden Menschen bezahlbaren Wohnraum, kommen sie zu vernünftigen Bedingungen zu ihrem Arbeitsplatz und zurück, bereitet unser Bildungssystem junge Menschen mit gutem Unterricht auf die Zukunft vor – überzeugende Antworten bieten.

          Wie viel Prozent streben Sie an? Vor fünf Jahren waren es 30, und das hat am Ende nicht einmal für eine Regierungsbeteiligung gereicht.

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