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Islamunterricht : Im Zweifel ohne Ditib

Auf dem Prüfstand: Ditib muss nachweisen, dass sie ein vertrauenswürdiger Partner ist (Symbolbild). Bild: dpa

Noch ist offen, ob das Hessen die Zusammenarbeit mit Ditib beim islamischen Religionsunterricht fortsetzt. Der Moscheeverband muss nämlich erste bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Ein Kommentar

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          Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit – wenn politisch Verantwortliche sich auf diese Maxime berufen, ist oft Vorsicht geboten. Nicht selten handelt es sich um eine Ausflucht dafür, dass eine Sache nicht mit der nötigen Entschlossenheit vorangetrieben, vielleicht sogar verschlafen wurde.

          Dass der Moscheeverband Ditib jetzt eine Fristverlängerung bekommen hat, ist jedoch keine unzulässige Verschleppung. Das Kultusministerium geht in der Partnerschaft beim islamischen Religionsunterricht besonnen, aber konsequent vor – begonnen mit dem wissenschaftlichen Gutachten zur Ditib, über die daraus abgeleitete Aufforderung an den Moscheeverband, seine Unabhängigkeit von der türkischen Regierung nachzuweisen, bis hin zu der jetzt geforderten Nachbesserung.

          Gründlichkeit sollte in dieser Sache tatsächlich vor Schnelligkeit gehen. Nach allem, was zu hören ist, läuft der Religionsunterricht in der Praxis gut, eine Entscheidung ist also nicht dringlich. Sollte sie aber fallen, dann muss sie politisch und rechtlich wohlbegründet sein. Politisch, weil es zur Ditib auf muslimischer Seite keine Alternative gibt. Ein Bruch würde auch das Ende des bisherigen Modells für den bekenntnisorientierten Islamunterricht bedeuten. Und rechtlich, weil eine gerichtliche Auseinandersetzung um die Kooperation unbedingt vermieden werden sollte.

          Neues Modell für den Islamunterricht

          In gewisser Weise spielt die Zeit sogar für das Kultusministerium. Dass die Ditib heute weitaus kritischer betrachtet wird als bei der Einführung des Islamunterrichts vor gut fünf Jahren, liegt auch an der politischen Lage in der Türkei und den Versuchen, über den Moscheeverband Einfluss in Deutschland zu nehmen. Der Aufschub, der jetzt gewährt wurde, könnte auch in dieser Hinsicht Erkenntnisse bringen.

          Vor allem aber tut das Kultusministerium gut daran, die Zeit zu nutzen, um ein neues Modell für den Islamunterricht zu entwickeln. Wenn das Land ihn auch in alleiniger Verantwortung anbieten könnte, würde es die Abhängigkeit von Kooperationspartnern verringern und so ein Stück Souveränität zurückgewinnen.

          Das alles heißt nicht, dass die Entscheidung auf ewig vertagt werden kann. Die Frist bis Ende April gilt, dann muss sich das Land festlegen. Wenn es der Ditib bis dahin nicht gelingt, die präzise formulierten Vorgaben zu erfüllen, dann muss das Land auf diesen Partner verzichten.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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