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Chemieverbände-Forderung : Hessen soll Bekenntnis zur Industrie mit Leben füllen

Umsatzquelle: Weil das Patent für das in Höchst hergestellte Langzeitinsulin Lantus 2015 abgelaufen ist, sinken die Erlöse - das schlägt auf die Branchenstatistik durch Bild: picture alliance / dpa

Chemiefirmen und Arzneimittelhersteller bilden den umsatzstärksten Industriezweig in Hessen. Derzeit prägt Skepsis die Branche. Von der Landesregierung erwartet sie Aktionen, die den Industriestandort Hessen stärken.

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          Die Umsätze sind leicht gesunken, die Erzeugerpreise auch, gleichwohl hat die chemische Industrie in Hessen im vergangenen Jahr mehr Mitarbeiter beschäftigt als 2014. Dabei schnitt die klassische Chemie besser ab als die Pharmabranche. Sie hat gut zwölf Prozent an Umsatz eingebüßt, was aber vor allem am Patentablaufs eines in Höchst von Sanofi hergestellten Langzeitinsulins lag. Das Medikament namens Lantus ist aus dem Patent gelaufen und deshalb unter Preisdruck.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Für das laufende Jahr rechnen der Verband der chemischen Industrie (VCI) Hessen und der Arbeitgeberverband Hessenchemie unter dem Strich mit Stagnation. Die Produktion dürfte bei leicht fallenden Preisen um ein Prozent zulegen. Deshalb seien in der anstehenden Tarifrunde „keine großen Sprünge“ drin, wie der neue Hauptgeschäftsführer von Hessenchemie, Dirk Meyer, vor Journalisten in Frankfurt sagte. Von der Landesregierung erwarten die Verbände und die dahinter stehenden Firmen mehr Einsatz zur Sicherung des Industriestandorts Hessen.

          Zeichen einer Aufholjagd

          Gut acht Jahre hat die Chemieindustrie in Hessen benötigt, um mit ihrer Produktion das Niveau vor der großen weltweiten Rezession 2008/09 wieder zu erreichen. So bezeichnete Bernd Reckmann als Vorsitzender des Branchenverbands VCI Hessen das 2015 erzielte Plus von fast sieben Prozent auch nur als Zeichen des Aufholprozesses. Die klassische Chemie stellt unter anderem Farbpigmente, Wachse, Flüssigkristalle oder auch Chemikalien für Baustoffe her und steht für einen Gesamtumsatz von gut 15 Milliarden Euro in Hessen.

          Knapp zwölf Milliarden Euro steuerten zuletzt die Arzneimittelhersteller bei. Gemeinsam mit den fast acht Milliarden Euro aus der Kunststoffbranche ist die chemische Industrie der mit Abstand umsatzstärkste Zweig des verarbeitenden und produzierenden Gewerbes in Hessen. Die Pharmabranche hat aber 2015 einen Umsatzrückgang im Ausland hinnehmen müssen, wo ein Minus von 19 Prozent zu Buche steht; denn Lantus wird vor allem im Ausland verkauft. Im Inland legten die Erlöse und fast fünf Prozent zu.

          „Hemmschuh für die Wettbewerbsfähigkeit“

          Die Branchenverbände loben den Dialog mit der Landesregierung, den sie etwa in der Initiative Gesundheitsindustrie führt. Das 2014 vom Landtag beschlossene Bekenntnis zum Industriestandort sei gut. Nun aber müsse das Land auch Aktionen nachlegen, die dem formulierten Ziel dienen, sagte Reckmann. Als Belastungsfaktor führte er die EEG-Umlage an, mit der die Stromverbraucher den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern. Nur 20 der 230 Vertreter der chemischen Industrie in Hessen seien von der Umlage weitgehend befreit, die anderen zahlten alles in allem etwa 100 Millionen Euro Umlage im Jahr. Das sei ein „echter Hemmschuh für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes“.

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