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Nach der Wahl : Sieben deutsche EU-Abgeordnete kommen aus Hessen

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Hohe Wahlbeteiligung in Hessen: Doch wer hat letztlich von den Stimmen profitiert? Bild: dpa

Die Europawahl war ein politischer Stimmungstest auch für Hessen. Die positive Nachricht: Die Wahlbeteiligung ist erfreulich hoch. Unter den Parteien gibt es Verlierer – und einen deutlichen Gewinner.

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          Hessen wird künftig mit voraussichtlich sieben Abgeordneten im neu gewählten Europaparlament vertreten sein. In der zurückliegenden Wahlperiode hatten sechs Parlamentarier ihren Wohnsitz in Hessen gehabt, wie eine Sprecherin des Landeswahlleiters am Montag in Wiesbaden mitteilte.

          Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis wurden zwei CDU-Politiker aus Hessen gewählt, Michael Gahler und Sven Simon. Für die SPD zieht Udo Bullmann in das EU-Parlament ein, für die Grünen Martin Häusling. Die AfD-Vertreterin Christine Anderson hat ebenso ihren Wohnsitz in Hessen wie Nicola Beer von der FDP und Engin Eroglu von den Freien Wählern. Deutschland schickt insgesamt 96 EU-Abgeordnete ins Parlament.

          Die Union hatte sich bei der Europawahl in Deutschland trotz Verlusten auf Platz eins behauptet, danach folgen die Grünen mit einem historisch starken Ergebnis vor der SPD, die erheblich Federn lassen musste.

          HESSEN IM VERGLEICH ZUM BUND

          Diese großen Trends spiegeln sich auch in Hessen wider - allerdings unterschiedlich stark. So schneidet die CDU mit 25,8 Prozent schlechter ab als die Union bundesweit mit 28,9 Prozent. Die SPD rutscht zwar auch in Hessen deutlich ab - jedoch auf 18,4 Prozent und damit nicht ganz so tief wie in Deutschland insgesamt (15,8 Prozent). Die Grünen erzielen in Hessen mit 23,4 Prozent ein deutlich besseres Ergebnis als bundesweit (20,5 Prozent). Etwas besser als im Bundesgebiet steht auch die FDP in Hessen da (6,4 Prozent statt 5,4 Prozent), etwas schlechter die AfD (9,9 Prozent statt 11,0 Prozent) und die Linke (4,4 Prozent statt 5,5 Prozent).

          WAHLSIEGER

          Zum Erfolg der hessischen Grünen tragen besonders die Ergebnisse in mehreren großen Städten bei, wo die Partei sogar die CDU überflügelt und stärkste Kraft wird. Grünen-Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir freute sich am Montag darüber, dass die hessischen Grünen nach Schleswig-Holstein das zweitbeste Landesergebnis geholt hätten. Es zeige auch, dass das gute Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl 2018 „kein Betriebsunfall“ war, wie von Kritikern gemutmaßt, sagte er in Wiesbaden. Auch der neue Grünen-Landesvorsitzende Philip Krämer betonte, der Wahlerfolg im Herbst sei „keine Eintagsfliege“ gewesen. Co-Chefin Sigrid Erfurth erwartet eine größere Offenheit anderer Parteien für das grüne Erfolgsthema Klimaschutz.

          WAHLBETEILIGUNG

          Auch die Demokratie ist gewissermaßen Wahlsiegerin, denn es haben sich mit 58,5 Prozent deutlich mehr Menschen in Hessen an der EU-Wahl beteiligt als noch fünf Jahre zuvor. Ein sattes Plus von 16,3 Prozentpunkten. Spitzenreiter im Land ist Darmstadt mit 66,1 Prozent, Schlusslicht Offenbach mit 51,5 Prozent. Deutschlandweit lag der Wert diesmal bei 61,4 Prozent. Unter anderem wegen der Brexit-Debatte war die Europapolitik in den vergangenen Monaten sehr viel präsenter gewesen. Nach den Worten von Hessens FDP-Chef Stefan Ruppert war der Europawahlkampf deutlich weniger „von Desinteresse und Langeweile geprägt“, als noch in der Vergangenheit. 2004 beispielsweise hatte die Wahlbeteiligung bei der EU-Wahl in Hessen nur 37,8 Prozent betragen.

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          REGIONALE UNTERSCHIEDE

          Hessen wählt regional ganz unterschiedlich. Die CDU erzielte ihr stärksten Ergebnis im Landkreis Fulda mit 38,3 Prozent, ihr schwächstes in Darmstadt mit 16,3 Prozent. Die Sozialdemokraten können im Landkreis Kassel 28,6 Prozent verbuchen, im Landkreis Fulda sind es nur 11,3 Prozent. Spitzenreiter bei den Grünen ist Darmstadt mit 33,6 Prozent, die geringste Zustimmung gab es im Kreis Hersfeld-Rotenburg mit 15,1 Prozent. Die Grünen-Vorsitzenden Erfurth und Krämer kündigten an, die Strukturen ihrer Partei in der Fläche stärken zu wollen.

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