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Nach neuer Stiko-Empfehlung : Hessen setzt Impfungen mit Astra-Zeneca teilweise aus

Ein Impfstoff, der auch schon mal beliebter war: Astra-Zeneca Bild: Reuters

Wer unter 60 ist, soll in Hessen nur noch in Ausnahmefällen mit dem Astra-Zeneca-Produkt geimpft werden. Termine in den nächsten zwei Wochen bleiben bestehen, die Personen bekommen andere Impfstoffe.

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          Hessen folgt der Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) beim Robert-Koch-Institut und hat Impfungen für unter Sechzigjährige mit dem Wirkstoff von Astra-Zeneca ausgesetzt. Davon sind unmittelbar rund 12.500 Personen betroffen, die bis Ende nächster Woche bereits Termine in einem der 28 hessischen Impfzentren bekommen haben. Sie sollen trotzdem ihre Termine wahrnehmen und bekommen dann entweder den Impfstoff von Biontech oder Moderna verabreicht. Das ist möglich, weil das Land bisher 20 Prozent aller Impfstoffe für anstehende Zweitimpfungen zurückgehalten hatte, sie werden nun in dieser besonderen Situation aufgebraucht. Weitere Impfstofflieferungen durch den Bund sind in Aussicht gestellt.

          Monika Ganster
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei mehreren Dutzend Personen im Alter bis 55 Jahren waren Tage nach der Impfung mit Astra-Zeneca Hirnvenenthrombosen aufgetreten, die in einigen Fällen zum Tod führten. Daher änderte die Stiko ihre Impfempfehlung für Jüngere.

          75 Prozent nach der ersten Spritze

          Bisher haben etwa 208.000 Personen in Hessen eine Erstimpfung mit dem Astra-Zeneca-Produkt erhalten haben, davon sind mehr als die Hälfte jünger als 60 Jahre. Deren Termine für die Zweitimpfungen werden in den Monat Mai verschoben. Die Stiko will bis Ende April 2021 prüfen lassen, ob unter Sechzigjährige grundsätzlich ihre Zweitimpfung mit dem Impfstoff erhalten können.

          Die Zeitspanne zwischen Erst- und Zweitimpfung bei dem Astra-Zeneca-Erzeugnis sollte höchstens zwölf Wochen betragen. Ministerpräsident Bouffier sagte jedoch, dass die Wirksamkeit schon nach der ersten Impfung bei 75 Prozent liege. Die zweite Dosis könne den Schutz dann noch weiter erhöhen. „Die Leute sollen keine Angst haben, dass sie mit nur einer Impfung nicht geschützt seien“, sagte Bouffier.

          Bouffier will sich mit Astra-Zeneca impfen lassen

          Anlässlich der Änderung der Stiko-Empfehlung für Astra-Zeneca sagte Ministerpräsident Volker Bouffier: „So gering das Risiko für Einzelne bei einer Impfung auch sein mag, ist der Staat in der Pflicht, die Empfehlungen der Wissenschaft zu beachten und seine Bürgerinnen und Bürger transparent und offen aufzuklären. Klar ist: Die Impfungen mit Astra-Zeneca für über Sechzigjährige gehen in Hessen weiter.“ Bouffier ging sogar soweit zu sagen, dass er sich, wenn er an der Reihe sei, mit Astra-Zeneca impfen lassen wolle.

          Weiterhin gelte aber, dass man sich nicht aussuchen könne, welchen Impfstoff man bekommt, sagte Innenminister Peter Beuth (CDU). Wer sich nicht mit dem Astra-Zeneca-Produkt impfen lassen wolle, müsse dann notgedrungen so lange auf einen Termin warten, bis sein gewünschter Impfstoff in ausreichender Menge vorhanden sei. „Im Moment sind wir in einer Mangelwirtschaft, was den Impfstoff angeht“, sagte Beuth.

          Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) hob die Bedeutung der Hausärzte bei der Aufklärung hervor: „Mit unserem Pilotprojekt bereiten wir uns aktuell auf den vom Bund angekündigten Übergang in die Regelversorgung durch die Hausarztpraxen vor, der nach Ostern schrittweise beginnen soll. Fragen oder Unsicherheiten im Umgang mit Impfstoffen können von Ärzten des Vertrauens noch besser begegnet werden.“

          Innenminister Beuth wies darauf hin, dass die Astra-Zeneca.Schutzimpfungen erst Anfang Februar in Hessen begonnen hätten. Aufgrund der sehr langen Frist zwischen Erst- und Zweitimpfung können Bürger unter 60 Jahren, die bereits ihre Erstimpfung erhalten haben, Anfang Mai zum zweiten Mal geimpft werden. Ob die Zweitimpfung im Einzelfall mit Astra-Zeneca oder gegebenenfalls mit einem anderen Wirkstoff erfolgen wird, ist Gegenstand der Prüfung durch die zuständige Impfkommission. Betroffene Bürger werden vom Land diesbezüglich fortlaufend informiert werden.

          Grundsätzlich können auch Personen unter 60 im Einzelfall ihre Zweitimpfung mit Astra-Zeneca erhalten. Ob diese erfolgt, liegt im Ermessen des impfenden Arztes und ist letztlich eine Entscheidung jedes Einzelnen. Das Land Hessen hat bisher rund 290.000 Dosen des Herstellers Astra-Zeneca erhalten.

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