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Hessen : Sechs Mal so viele neue Covid-19-Fälle wie vor drei Monaten

Verpackt: Krankenschwester am Uni-Klinikum Gießen und Marburg im Corona-Einsatz Bild: AFP

Die hessischen Gesundheitsämter haben wieder mehr als 100 Neuinfektionen gemeldet. Aber die Gruppe der Genesenen wächst weiter stetig. Die Zahl der Corona-Opfer stagniert dagegen. Und es gibt noch eine gute Nachricht.

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          Gemischt wirken die neuen Corona-Zahlen für Hessen. Einerseits haben die Gesundheitsämter in diesem Bundesland dem Robert-Koch-Institut über Nacht 124 neue Covid-19-Fälle gemeldet. Das sind lediglich 6,6 Prozent der im Bund verzeichneten Neuinfektionen und damit weniger, als der hessische Bevölkerungsanteil erwarten ließe. Dieser beträgt acht Prozent. Durch den dreistelligen Zuwachs ist die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist, gestiegen, sie bleibt mit 11,1 aber unauffällig. Auf kommunaler Ebene gilt 50 als kritischer Wert.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und die Zahl der Covid-Patienten in Kliniken ist hessenweit sehr übersichtlich. Laut Sozialministerium behandeln die Kliniken 38 Infizierte intensivmedizinisch; alles in allem liegen demnach 253 Covid-Patienten in heimischen Krankenhäusern. Im Uniklinikum von Frankfurt ist sie „niedrig“, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte, dem Vernehmen nach einstellig. Gleiches galt zuletzt auch im Uniklinikum Gießen und Marburg. In Gießen werden jeweils drei Kranke intensiv und normal betreut, wie ein Sprecher auf Anfrage mitteilte. In ganz Deutschland waren zur Wochenmitte 227 Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt. Die Sieben-Tage-Notfallreserve belief sich auf mehr als 12.000 Betten, wie die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin meldet.

          Zweistellige Zahlen zuletzt die Ausnahme

          Andererseits sind 28 Infizierte mehr als zum Vortag verzeichnet. Auch sind zweistellige Zahlen zuletzt eher die Ausnahme als die Regel gewesen. Den erfreulichen Tiefpunkt markiert der Montag, zu dem 47 neue Fälle gemeldet worden waren. Im Frühsommer war das Infektionsgeschehen deutlich ruhiger gewesen. Von den guten Daten von seinerzeit ist Hessen weit entfernt. Am 10. Juni, also vor genau drei Monaten, standen nur 19 neue Fälle zu Buche. Nun sind es sechs Mal so viele.

          Und das, obwohl das Ende der Sommerferien nun schon fast vier Wochen zurückliegt und viele infizierte Reiserückkehrer längst als genesen gelten, also aus der Statistik herausgefallen sind. Reiserückkehrer galten neben Menschen, die sich im privaten Kreis angesteckt haben, als wesentlicher Grund für die gestiegenen Fallzahlen.

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          Wie das kurz RKI genannte Bundesinstitut weiter auf seiner Internetseite meldet, geht es nunmehr von 14.700 Genesenen in Hessen aus, 100 mehr als am Mittwoch. Demnach ist ein weiterer Todesfall in Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen. Die Corona-Opfer summieren sich auf 537. Das rechnerische Verhältnis von Genesenen zu Todesfällen verbessert sich weiter auf 27,3, ein neuer Bestwert seit Anschwellen der Pandemie im März.

          Für Frankfurt verzeichnet das RKI 32 Fälle mehr als am Vortag. Die Inzidenz ist wieder über die zweite Warnstufe im Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik) gestiegen und beträgt nun 21. Das erfordert erhöhte Aufmerksamkeit. Dessen ungeachtet gibt die Stadt den Opernplatz auch nachts wieder frei. Ebenfalls bei 21 liegt die Inzidenz im Main-Taunus-Kreis. 641 hat das für die Seuchenbekämpfung federführende RKI bisher dort registriert. Der Kreis selbst spricht von 653. Allerdings prüft das Bundesinstitut eingehende Meldungen doppelt, bevor es Daten veröffentlicht. Deshalb hinkt es allgemein sozusagen immer etwas hinterher. In Wiesbaden beträgt die Inzidenz knapp 20. Nun erlaubt die Stadt wieder Alkoholverkauf in der Nacht (siehe Kasten unten).

          Noch höher als in Frankfurt und im Main-Taunus-Kreis rangiert der Inzidenzwert im Kreis Groß-Gerau. Nach 18,5 zum Mittwoch meldet das Bundesinstitut nun 23,7. Das ist der höchste Wert unter den 21 hessischen Landkreisen. Am anderen Ende der Tabelle liegt der Kreis Hersfeld-Rotenburg mit nur 0,8.

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Alkoholverkauf wird in Wiesbaden wieder erlaubt

          Hessens Landeshauptstadt Wiesbaden lockert wieder die Corona-Auflagen. Ein Alkoholverkaufsverbot, das wegen steigender Infektionszahlen zeitweise beschlossen wurde, wird nach Angaben der Stadt von Sonntag an wieder aufgehoben. Die Regelung galt in einem Zeitfenster zwischen 0.00 und 6.00 Uhr. Alle anderen Einschränkungen und Maßnahmen wie etwa das Tragen eines Mundschutzes an Haltestellen sowie das Versammlungsverbot von mehr als 50 Personen sollen aber zunächst in Kraft bleiben.

          Nach einer großen Hochzeitsfeier mit rund 100 Gästen in der Nachbarstadt Mainz war es in Wiesbaden zuletzt zu etlichen neuen Corona-Fällen gekommen. Etwa ein Drittel der Gäste hatte sich mit dem Coronavirus angesteckt. Viele Personen waren nach der Hochzeit wieder zur Arbeit gegangen. Die Behörden hatten zudem zunächst Probleme, eine vollständige Gästeliste zu bekommen. (dpa)

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