https://www.faz.net/-gzg-a0tx9

Pandemie in Hessen : Warum Offenbach bei den Corona-Infektionen auffällt

Entspannt: Offenbach, hier ein Eindruck vom Wilhelmsplatz, hat bisher weniger als 190 Corona-Infektionen gemeldet, Frankfurt neun Mal so viele Bild: Wolfgang Eilmes

Aus Hessen melden die Gesundheitsämter anhaltend deutlich weniger als 100 Corona-Neuinfektionen am Tag. Aber nur fünf Kreise und eine Großstadt stehen sehr gut da. Dabei fällt etwa die Lage in Offenbach auf.

          2 Min.

          Das Corona-Infektionsgeschehen hat sich in Hessen in den vergangenen Tagen nach drei Ausreißern vor gut einer Woche wieder beruhigt. Nach 41 neuen Fällen am Freitag haben die Gesundheitsämter über Nacht nur 24 gemeldet, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilt. Es ist in Deutschland für die Seuchenbekämpfung zuständig. Der Zuwachs an Neuinfektionen beläuft sich nur auf gut 0,2 Prozent. Ein weiterer Todesfall im Zusammenhang mit der Pandemie in diesem Bundesland ist laut RKI zu beklagen. Alles in allem sind seit Beginn der Aufzeichnungen zu Anfang März offiziell 506 Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Auf der anderen Seite gelten mittlerweile 9900 Patienten als genesen. Auf einen Todesfall kommen gut 19,5 Genesene.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Beim Blick in die 21 Landkreise und fünf Großstädte in Hessen fielen zuletzt besonders der Kreis Hersfeld-Rotenburg und die Stadt Offenbach auf. Der osthessische Kreis und die Nachbarstadt von Frankfurt haben bei einem für Lockerungen wichtigen Wert eine zweistellige Zahl aufgewiesen. Hersfeld-Rotenburg leidet noch unter einer kleinen Infektionswelle unter Beschäftigten von Amazon. Rund drei Dutzend Mitarbeiter hatten sich im privaten Kreis mit Covid-19 angesteckt. Da der Landkreis vergleichsweise wenige Einwohner hat, macht sich dies bei der sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz bemerkbar, das sind die Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist. Hier steht eine Zehn zu Buche, bis Freitag war es eine 14.

          Wenige Infektionen, recht hohe Inzidenz

          Die Stadt Offenbach kommt auf eine Neun nach einer Zwölf vor dem Wochenende, Frankfurt dagegen auf eine Vier. Ins Auge stechen im Falle Offenbach einige Zahlen: Seit Anfang März sind aus der Stadt nur 187 Corona-Infektionen bekanntgeworden, aus Frankfurt dagegen mehr als 1750. Nur die Kreise Vogelsberg und Waldeck-Frankenberg haben weniger Infizierte gemeldet. Allerdings wurden elf der 187 in den vergangenen sieben Tagen registriert; bis Freitag waren es 15. Das führt zu dem vergleichsweise hohen Inzidenzwert.

          Kritisch würde es aber erst beim Erreichen der Marke 50, denn in diesem Fall könnten die Behörden Lockerungen wieder zurücknehmen, so wie es in Nordrhein-Westfalen in zwei Landkreisen wegen massenhafter Corona-Ausbrüche beim Großschlachter Tönnies geschehen ist. Und diese Marke zu überschreiben, müsste Offenbach mehr als 65 neue Fälle binnen Wochenfrist meldet, Frankfurt sogar mehr als 350. Zuletzt waren es dort aber lediglich 44. Für fünf Kreise und Wiesbaden steht bei der Sieben-Tage-Inzidenz eine Null zu Buche, wie das Sozialministerium zuletzt meldete. Sechs weitere Kreise kommen auf eine Eins und drei eine Zwei. Das aktuelle Corona-Bulletin des Ministerium findet sich hier.

          Zahl der Genesenen geschätzt

          Mit Blick auf die Zahl der Genesenen ist aber stets folgende Einschränkung zu beachten: Wie das RKI der F.A.Z. mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin am Sitz des Instituts. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen lediglich.

          Das RKI berücksichtigt jene Fälle, die am jeweiligen Tag um 0.00 Uhr übermittelt wurden. „Für die Darstellung der neu übermittelten Fälle je Tag wird das Meldedatum verwendet – das Datum, an dem das lokale Gesundheitsamt Kenntnis über den Fall erlangt und ihn elektronisch erfasst hat“, heißt es auf der Internetseite des Instituts. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an das Gesundheitsamt und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI könnten einige Tage vergehen. In solchen Fällen ist von Meldeverzug die Rede.

          Weitere Themen

          Wie man um die Ecke schießt Video-Seite öffnen

          Geht doch! : Wie man um die Ecke schießt

          Ecken direkt verwandeln – auf dem Fußballplatz geht das noch vergleichbar einfach. Beim Tipp-Kick braucht es viel Feingefühl. Wir verraten, wie der perfekte Schuss um die Ecke gelingt.

          Topmeldungen

          Tsitsi Dangarembga, de neue Friednspreisträgerin des deutschen Buchhandels, am Rednerpult in der Paulskirche

          Verleihung des Friedenspreises : Sturm auf das Rednerpult

          Tsitsi Dangarembga wird mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt. Aber die Verleihung verläuft anders als geplant – nicht nur wegen einer offenen Kampfansage des Frankfurter Oberbürgermeisters an die Buchmesse.
          Vorreiter: Cro veranstaltete bereits Mitte des Jahres die erste deutsche NFT-Auktion überhaupt.

          Cro und Kool Savas : Wie deutsche Rapper NFTs für sich entdecken

          Eistee, Pizza, Wein: Deutsche Rapper haben zuletzt viele neue Märkte erschlossen. Jetzt ist ein Textblatt von Kool Savas versteigert worden – als Non-Fungible Token. Vor ihm hatte Cro die erste deutsche NFT-Auktion überhaupt initiiert.

          Fall Kavala : Erdogan strauchelt und lenkt ab

          Mit der drohenden Ausweisung von zehn Botschaftern will der türkische Präsident von seiner sinkenden Popularität ablenken. Doch die Unzufriedenheit mit Recep Tayyip Erdogan und der AKP wächst immer weiter.
          Nein, Denkmäler stehen nicht für eine abgetragene Schuld: Blick auf Stelen des Holocaust-Mahnmals in Berlin

          Erinnerungskultur : Wer leidet denn an der Geschichte?

          Mit großen Gesten hinein in den Small Talk: Per Leo stürzt sich in alle Debatten zum Stellenwert des Holocaust und stolpert dabei von einer verwegenen Behauptung zur nächsten.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.