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Spätfrost und Spekulationen : Preis für Raps auf Rekordhoch

Nach dem Frost: Blick über ein gelb blühendes Rapsfeld bei Rosbach vor der Höhe Bild: Maximilian von Lachner

Auch in Hessen hat das Wetter Auswirkungen auf den Anbau der Nutzpflanze. Dieses Jahr könnten Frostnächte dem Raps schaden.

          3 Min.

          Nach ungewöhnlich vielen kalten Nächten öffnen sich die gelben Blüten in diesem Jahr mit Verzögerung. Erst seit wenigen Tagen zeigt die Landschaft das für die Jahreszeit typisch gewordene Bild mit leuchtend gelben Rapsfeldern. In den höher gelegenen Gegenden und in Nordhessen lässt die Rapsblüte jedoch noch auf sich warten. Den Grund hat der Präsident des Hessischen Bauernverbands, Karsten Schmal, am Montagmorgen in Form von Reif von seinen Autoscheiben gekratzt. „Am Edersee waren es minus drei Grad.“ Bei den verbreitet frostigen Temperaturen herrsche Stillstand in der Natur. Einige Tage mit warmem Regen könnten das allerdings schnell ändern, sagte Schmal bei einem Gespräch des Bauernverbands zur Rapsblüte im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach.

          Bernhard Biener
          (bie.), Rhein-Main-Zeitung

          Warmer Regen würde derzeit auch im übertragenen Sinn auf die Bauern niedergehen, die Raps anbauen. Seit Monaten sei der Preis im Aufwind und habe mehr als 500 Euro je Tonne erreicht, sagte Schmal. 2019 habe er noch bei 350 Euro gelegen. Allerdings könnten die meisten Landwirte den Preis nicht erzielen, weil sie ihre Ware längst verkauft hätten. Der Vorsitzende der Hessischen Erzeugerorganisation für Raps, Ernst Winfried Döhne, sprach gar von einem Allzeithoch.

          Schäden noch nicht abschätzbar

          Beide nannten verschiedene Ursachen für den Preisauftrieb. So hätten in diesem Frühjahr 90.000 Hektar oder zehn Prozent der Rapsanbaufläche in Frankreich Schäden durch Spätfröste erlitten. Im Herbst habe die starke chinesische Nachfrage nach Soja- und Pflanzenöl den Markt befeuert. Aber auch der Dollarkurs und Spekulation auf ein knappes Angebot wirkten sich aus. „Außerdem folgen die Preise der Agrarrohstoffe mit etwas Abstand den Rohölpreisen, und diese sind gestiegen“, sagte Schmal.

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          Auch in Hessen hat das Wetter in den vergangenen Jahren Auswirkungen auf den Rapsanbau gehabt. Die Aussaat im August hat nach Worten des Bauernpräsidenten unter der Trockenheit gelitten. Nach dem Dürrejahr 2018 habe sich dadurch die hessische Anbaufläche von 55.000 auf 27.500 Hektar halbiert. 2020 liege sie mit 45.500 Hektar wieder näher an den Werten der vergangenen Jahre. 2010 erreichte die Fläche mit fast 67.000 Hektar einen Höchststand. Wie groß in diesem Jahr die Schäden zwischen Werra und Neckar durch die ungewöhnlich zahlreichen Frostnächte seien, lasse sich noch nicht abschätzen. Frostrisse an den Stängeln, ein Einfallstor für Pilze, hielten sich noch in Grenzen und könnten bei dem trockenen Wetter gut heilen. Das bestätigte Volker Goy, der in Ober-Erlenbach den Hof der Familie Kopp bewirtschaftet. Bis Ende der Woche erwartet er die Vollblüte auf seinen Feldern im Vordertaunus.

          Viele Vorzüge der Rapspflanze

          Von den Vorzügen der Ölfrucht ist nicht nur der Bauernverband, sondern auch der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen überzeugt, der am Montag ebenfalls ein Loblied auf den Raps sang. Etwa weil er über Monate auf den Äckern stehe und sie vor Erosion schütze, seine tiefen Wurzeln den Boden lockerten und auf einem vorherigen Rapsfeld angebauter Winterweizen zehn Prozent mehr Ertrag bringe. In der Blütezeit sorgten Bienen dafür, dass sich von einem Hektar 40 Kilogramm oder 80 Gläser Rapshonig gewinnen ließen. Aus den später auf dieser Fläche geernteten Rapskörnern, durchschnittlich 4000 Kilogramm, werden in Ölmühlen 1600 Liter Rapsöl oder Biodiesel gewonnen. Die 2400 Kilogramm Pressrückstände taugen als Eiweißfutter für Rinder, Schweine und Geflügel. „Das ist gentechnikfrei und ersetzt außerdem Sojaschrot-Importe aus Südamerika“, sagte Schmal. Als Milchviehbauer lernt er auch die Kehrseite der hohen Preise kennen, weil das Futter dadurch teurer geworden sei.

          Die gesunkene Anbaufläche, geringere Hektarerträge und günstigere Preise für ausländische Ware haben nach Worten des Bauernpräsidenten dazu geführt, dass in deutschen Ölmühlen in der ersten Saisonhälfte 2020/2021 nur noch ein Drittel inländischer Raps verarbeitet worden sei. 2013 und 2016 habe dieser Anteil bei 60 Prozent gelegen. Die hessische Rapsernte wird zu einem Fünftel über die Erzeugerorganisation für Raps vermarktet. Lastwagen lieferten die Körner zu Ölmühlen in Mannheim, Neuss, Hamm und Salzgitter sowie zum Verladehafen Hanau, sagte deren Vorstand Döhne. Der größte Teil des Rapsöls werde in Frankfurt zu Biodiesel verarbeitet, ein Drittel finde als Speiseöl Absatz. Es hat in deutschen Küchen mit 40 Prozent den höchsten Marktanteil, gefolgt von Sonnenblumen- und Olivenöl.

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