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Vermisste Frau in Hessen : Leichensuche in der Mülldeponie

Bild: F.A.Z.

Seit Oktober wird die Frankfurterin Iryna Usenko vermisst. Nun ist die Polizei sicher, dass sie getötet wurde – und sucht in einer hessischen Mülldeponie nach Überresten ihrer Leiche.

          2 Min.

          Vor Weihnachten hatte die Polizei noch im Niedwald gesucht. Jeden Quadratmeter sind die Beamten abgelaufen, haben jede Unebenheit unter dichtem Laub genauer angeschaut. Inzwischen steht fest: Iryna Usenko aus Nied ist tot. Aber sie liegt wohl nicht, wie zunächst vermutet, im Wald verscharrt. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde ihre Leiche im Müll entsorgt. Seit wenigen Tagen sucht die Polizei auf der Deponie in Flörsheim-Wicker. Es gibt inzwischen konkrete Hinweise, dass die Leiche der 43 Jahre alten Frankfurterin in den „Abfallkreislauf“ gelangt ist, wie ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft sagt.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          So aufwendig die Suche in der Deponie auch ist – vor fünf Jahren hat sie in einem anderen Mordfall schon einmal zum Erfolg geführt. Auch damals war die Leiche einer ermordeten Frau in den Restmüll gelegt und verbrannt worden. Schließlich gelang es, Knochenfragmente, die in der Schlacke auf der Deponie Wicker gefunden worden waren, über die DNA dem Opfer zuzuordnen. Der Fall konnte auf diese Weise gelöst werden. Diese Hoffnung haben die Ermittler im Fall von Iryna Usenko ebenfalls. Ihnen würde alles helfen, was in der Schlacke noch übrig geblieben ist und beweisen würde, dass Usenko tatsächlich nicht mehr am Leben ist: Knochenstücke, Zähne, vielleicht Schmuckstücke, die sie trug.

          Ermittlungen zur Tat

          Anhand bisheriger Indizien haben die Beamten eine Hypothese aufgestellt: Iryna Usenko wurde getötet, anschließend hat ihr Mörder die Leiche beseitigt, vermutlich in der Hoffnung, dass somit die Tat nicht zu beweisen sei. Doch jeder Mord hinterlässt Spuren. In diesem Fall entdeckten die Ermittler sie in der Wohnung von Usenko und ihrem Ehemann in Form von weggewischtem Blut. Zudem schauten sie sich das Leben von Iryna Usenko genauer an und fanden heraus, dass ihr Mann eine neue Partnerin hat. Dem Vernehmen nach wollte er zudem die Wohnung haben, die jedoch seiner Frau überschrieben war. Als die Polizei ihn zu dem Verschwinden Iryna Usenkos befragte, verstrickte er sich in Widersprüche. Seitdem sitzt der Siebenunddreißigjährige in Untersuchungshaft.

          Mehrere Wochen kann es dauern, bis die Beamten in Wicker fündig werden. Denn sie müssen nun 20.000 Tonnen Schlacke begutachten. Auch 2015 hatte es rund zwei Wochen gedauert, bis schließlich Knochenreste gefunden wurden. „Eine Abfallverbrennungsanlage ist kein Krematorium“, hatte der frühere Chef der Deponie, Gerd Mehler, damals erklärt. Dort werde kein menschlicher Körper vollständig zu Asche verbrannt. Die Zeit, die die Gegenstände in den Öfen verblieben, reiche dafür nicht aus.

          Verdächtiges Auto gesucht

          Das kommt den Beamten möglicherweise auch im aktuellen Fall zugute. Die Polizei untersucht vor allem die Förderbänder, die sich kreuz und quer durch die Halle der Aufbereitungsanlage ziehen. Sollten darauf Knochenreste liegen, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit gefunden.

          Doch die Ermittler verfolgen noch eine andere Spur. Sie haben Bilder des Autos veröffentlicht, das Iryna Usenko und möglicherweise auch ihr Mann regelmäßig nutzten. Es handelt sich um einen blauen Opel Astra mit dem Kennzeichen F-U8915. Wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft weiter miteilte, steht das Auto möglicherweise im Zusammenhang mit der Tat. Wichtig sei deshalb zu wissen: Wo wurde das Fahrzeug genutzt beziehungsweise abgestellt? Welche Personen wurden im Zusammenhang mit dem Auto gesehen? Wer hat Frau Usenko oder den Wagen in der Nacht vom 23. auf den 24.Oktober 2019 in Nied gesehen?

          Besonders auffällig sind zwei Aufkleber, die auf dem Fahrzeugheck angebracht sind: einer mit der Aufschrift „Strabag“ und einer mit dem „Apple“Symbol. An der Windschutzscheibe finden sich zudem zwei Feinstaubplaketten (F-U8915 und SÜW-SK82). „Alle Fragen sind für uns interessant“, so der Staatsanwalt. Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 755-51199 entgegen.

          Hinweise an die Polizei

          Hinweise nimmt die Polizei unter der Rufnummer 069/755-51199 entgegen.

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