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Fünf Stunden Polizeieinsatz : Es sitzt ein Pfau auf dem Haus

  • -Aktualisiert am

Eitler Gast: Der Pfau fühlt sich auf dem Reihenhaus offenbar wohl. Bild: Helmut Fricke

Seit Wochen lebt ein entlaufener Vogel auf einem Hausdach im hessischen Karben. Selbst Hitze, Polizei und ein Tierarzt mit Betäubungspfeilen konnten ihn nicht vertreiben. Er hat aber auch Gutes, finden die Anwohner inzwischen.

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          Normalerweise werden Landbewohner morgens durch das Geschrei der Hähne geweckt. Aber nicht die Familie Veith. Sobald die Sonne aufgeht und es draußen zu dämmern beginnt, wird die morgendliche Stille durch einen schrillen Schrei unterbrochen, der mal hoch, mal tief ist. Ein Pfau hat sich auf dem Dach des Reihenhauses in Petterweil, einem ruhigen Ortsteil von Karben, niedergelassen. Seit Anfang Juni sorgt er für Unruhe.

          „Hat Ihr Haus wohl Besuch?“, fragt Gottfried Friedrich, ein Nachbar der Familie Veith. Mit erhobenem Kopf sitzt der Pfau auf dem Dach, blickt in die Ferne und reagiert auf alle Geräusche mit einer scharfen Drehung seines schmalen, langgestreckten Halses.

          Mitte Juni kamen die Bewohner aus dem Urlaub zurück. „Ganz am Anfang war das etwas ganz Besonderes für uns alle, so einen exotischen Vogel auf dem eigenen Dach zu haben“, erzählt Astrid Veith. Doch die Begeisterung wich schnell der Aufregung. Laut den Einwohnern von Petterweil ist der Pfau aus der kleinen Voliere eines nahe gelegenen Golfclubs entkommen, weil ein Schüler auf Klassenfahrt die Käfigtüre angeblich nicht richtig geschlossen hatte. Seitdem sitzt der Vogel mit den farbigen Federn auf dem Dach der Veiths. Sowohl die Anwohner als auch der Besitzer vom Golfclub gingen bis zuletzt davon aus, dass der Pfau „irgendwann von selbst runterkommt“. Doch die Zeit verging, und der anmutige Pfau blieb. Er sonnt sich weiterhin im Sonnenlicht am Rande der Häuserreihe, wenn er nicht gerade über die benachbarten Dächer marschiert.

          Sechs Feuerwehrfahrzeuge im Einsatz

          Weil die Sonnenstrahlen das Dach stark erwärmen, haben die Anwohner begonnen, sich um die Gesundheit des Pfaus zu sorgen. An einem Freitag rief Friedrich Veith darum das Ordnungsamt mit der ungewöhnlichen Bitte, den Pfau von seinem Dach zu entfernen. Wie Veith erzählt, stand die Ortspolizei ein paar Tage später vor der Haustür. Es war der Beginn eines fünfstündigen Polizeieinsatzes. Sechs Feuerwehrfahrzeuge aus Petterweil und Ober-Erlenbach, Polizei, Tierarzt und Besitzer versuchten gemeinsam, den flinken Vogel zu fangen. Passanten vermuteten einen Notfall, weil die Landstraße wegen der Feuerwehrfahrzeuge gesperrt werden musste.

          Zuerst versuchten die Feuerwehrleute es mit einem Netz. Doch der Pfau war intelligenter als erwartet: Er lief von einer Hausseite zur anderen, und alle Versuche, ihn im Netz zu fangen, blieben vergeblich. Sogar eine Flugdrohne konnte seine Wege nicht verfolgen. Dann kam der Tierarzt mit Betäubungspfeilen, sieben Mal versuchte er, damit den Pfau zu treffen. Er traf aber lediglich eine Feder. „Der Pfau hat sich hier eingerichtet“, sagt Astrid Veith. Nur in der Nacht hüpft der Vogel manchmal von Balkon zu Balkon runter in den Garten, kommt aber schnell wieder zurück auf das Dach.

          Wie es weitergeht, weiß keiner. Noch ein Polizeieinsatz ist bisher nicht geplant. Gottfried Friedrich, der Nachbar, macht mittlerweile Führungen für alle Interessierten. Der Pfau sitzt selbstsicher da, auf dem heißen Dach: „Geh doch nach Hause, es muss dort bestimmt viel schöner sein als hier“, sagt Friedrich zu ihm.

          Trotz aller Unannehmlichkeiten hat der große Vogel allerdings auch einen für die Anwohner angenehmen Nebeneffekt: Seitdem der Pfau sich auf dem Dach niedergelassen hat, gibt es erheblich weniger Tauben in der Nachbarschaft.

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