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Geld soll Studenten locken : Pakt gegen Landarztmangel

  • -Aktualisiert am

Die Zahl der Mediziner steigt, trotzdem bleibt die Landarztpraxis leer: Sozialminister Grüttner sieht zwei Gründe für diese Entwicklung. (Symbolbild) Bild: dpa

Kaum einen jungen Arzt verschlägt es in die Provinz. Dagegen will Hessen nun finanzielle Anreize setzen: Für Studenten sind Stipendien geplant. Aber auch Gesundheitszentren sollen entstehen.

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          Die Akteure im hessischen Gesundheitswesen wollen ihren Kampf gegen den drohenden Fachkräftemangel verstärken. Unter anderem soll es während des Medizinstudiums, bei der Weiterbildung und bei der Niederlassung von Ärzten gezielte Anreize für das Fach Allgemeinmedizin geben. Angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft sollen zudem Gesundheits- und Pflegeangebote vor allem auf dem Land in interdisziplinären Gesundheitszentren verknüpft werden, und bei der Verschreibung von Medikamenten sollen durch bessere Planung Doppelverordnungen und ungewünschte Wechselwirkungen vermieden werden.

          Ralf Euler
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mit Stipendien für angehende Mediziner will die CDU/Grünen-Landesregierung die Voraussetzungen für die flächendeckende ärztliche Versorgung auf dem Land verbessern. Studenten, die ihre Famulatur in einer Landarztpraxis absolvieren, können dafür bis zu 600 Euro monatlich bekommen. Von 2015 bis 2018 stelle das Land dafür insgesamt 800.000 Euro zur Verfügung, sagte Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) in Wiesbaden. Die Kassenärztliche Vereinigung offeriere zudem mit maximal 2400 Euro dotierte Stipendien für das Ableisten der Wahlfächer Allgemeinmedizin, Pädiatrie oder eines Faches der allgemeinen fachärztlichen Versorgung im Praktischen Jahr.

          Zwei Gründe für Landarztmangel

          Grüttner unterzeichnete gemeinsam mit Vertretern des Gesundheitswesens die Fortschreibung des Ende 2011 beschlossenen „Gesundheitspaktes“. Mit der erweiterten Vereinbarung, für die das Land bis Ende 2018 mehr als vier Millionen Euro zur Verfügung stelle, sollten Antworten auf die sich verändernden Rahmenbedingungen im Gesundheitswesen und den anstehenden Fachkräftebedarf gegeben werden, sagte der Minister.

          Auf dem Land bleibe die Wiederbesetzung von Arztpraxen trotz steigender Medizinerzahlen eine besondere Herausforderung. Das hat nach Angaben von Grüttner zwei Gründe: Erstens entschieden sich immer weniger Studenten für das Fach Allgemeinmedizin, zweitens hätten immer weniger junge Mediziner Interesse, sich in ländlichen Regionen niederzulassen. Hier versuche das Land mit einem gestuften Fördersystem gegenzusteuern. In den Jahren 2012 bis 2014 wurden Grüttner zufolge dank des „Gesundheitspaktes“ schon 50 Praxisübernahmen in ländlichen Gebieten mit rund 1,5 Millionen Euro unterstützt.

          Aus Sicht des CDU-Abgeordneten Ralf-Norbert Bartelt ist der Gesundheitspakt ein „wichtiger Impuls“, um eine bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige medizinische und pflegerische Versorgung sicherzustellen. Thomas Spies (SPD) warf der Regierung hingegen mangelnden Gestaltungswillen vor. Mit gerade einmal einer Million Euro jährlich lasse sich bei der Ärzteversorgung auf dem Land strukturell kaum etwas bewegen.

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