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14.600 Genesene in Hessen : Nur noch ein Kreis über der zweiten Corona-Warnstufe

Suchspiel: Regina Ellwanger, Ärztin in Weiterbildung im Frankfurter Gesundheitsamt, muss zahlreiche Kontakte eines Bar-Mitarbeiters nachverfolgen, der infiziert zur Arbeit ging Bild: Wonge Bergmann

In Hessen kommen rechnerisch so viele Genesene auf ein Corona-Todesopfer wie noch nie seit Anschwellen der Pandemie im März. Frankfurt ist wieder unter die zweite Warnstufe gerutscht, meldet aber selbst mehr positive Tests als das RKI.

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          In diesen Tagen kommen in Hessen statistisch so viele Genesene auf ein Corona-Opfer wie noch nie seit Anschwellen der Pandemie im März. Wie auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts zu lesen ist, gelten mittlerweile etwa 14.600 Covid-19-Infektionen als ausgestanden. Das sind 100 mehr als am Dienstag. Dagegen sind nun offiziell 536 Todesfälle in Zusammenhang mit der Pandemie zu beklagen, das ist ein Opfer mehr als zuvor. Das daraus errechnet sich eine Relation von 27,2 Genesenen je Todesfall. Die entsprechende Kurve zeigt seit Wochen nach oben.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bisher sind in Hessen 16.375 Infektionen bekannt geworden. Über Nacht haben die Gesundheitsämter in Hessen dem Robert-Koch-Institut (RKI) in etwa so viele neue bestätigte Covid-19-Fälle gemeldet, wie es der Bevölkerungsanteil des Landes im Bund erwarten lässt. Nach Angaben des für die Seuchenbekämpfung zuständigen Bundesinstituts stehen 97 Neuinfektionen zu Buche. Das sind gut acht Prozent der in ganz Deutschland verzeichneten neuen Fälle.

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          Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist, bleibt zweistellig und beträgt laut RKI nun 10,5. Am Samstag war sie kurzzeitig unter 10 gefallen. Die Inzidenz ist aber nicht besorgniserregend. Auf kommunaler Ebene gilt erst von 20 an erhöhte Aufmerksamkeit. Aktuell liegen Bayern, Baden-Württemberg und Berlin vor Hessen, für Bremen, das zuvor einen höheren Wert aufwies, ist ebenfalls eine 10,5 zu Buche.

          In Frankfurt ist der Inzidenzwert über Nacht von 22,4 auf 19 gesunken und mithin unter die zweite Warnstufe im Corona-Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Allerdings müssen Beschäftigte des Gesundheitsamts noch eine Reihe von Kontakten eines Bar-Mitarbeiters nachverfolgen, der trotz verordneter Isolierung zur Arbeit kam. Mindestens eine Kollegin von ihm ist mittlerweile laut Test auch corona-positiv. Alles in allem gelten laut Stadt Frankfurt 189 Infektionen als nicht ausgestanden, elf weniger als am Dienstag.

          Das RKI weist 2857 Infektionen seit März für die Stadt aus – die Frankfurter Verwaltung selbst schreibt auf ihrer Homepage von 2884. Und: „Mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es viele unentdeckte Covid-19 Fälle, die daher nicht in der Meldestatistik erfasst sind.“ Die Lücke erklärt sich aus dem Umstand, dass das RKI eingehende Zahlen stets doppelt prüft. Erst danach veröffentlicht es sie selbst.

          Auch im Main-Taunus-Kreis sinkt sie und betragt nun 20,6 nach zuvor 24, womit dieser Kreis der Spitzenreiter war. Gleichwohl erfordert auch diese Kennziffer weiter erhöhte Aufmerksamkeit. In Offenbach gibt es wieder mehr Infizierte unter 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen, nämlich 18,6 nach zuvor 16.

          In Wiesbaden stagniert der Wert bei gut 15. Die Stadt hatte zum 1. September ein Besuchsverbot für Kliniken und andere medizinische Einrichtungen eingeführt. Aktuell heißt es auf der Internetseite der Landeshauptstadt: „Das Wiesbadener Corona-Ampelsystem steht weiterhin auf grün!Für den Main-Kinzig-Kreis mit Hanau im Zentrum, das nach Ferienende einen starken Anstieg an Neuinfektionen verzeichnet hatte, meldet das RKI eine 10,5 und damit eine Stagnation. Für Hanau und Umgebung hat der Kreis jüngst die zuvor verschärften Corona-Vorgaben vor zwei Tagen gelockert.

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen weiter auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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