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Neue Statistik für 2017 : Hessens Wirtschaft wächst kräftig

Fleißige Hessen: Die Zahl der in dem Bundesland geleisteten Arbeitsstunden hat sich deutlich erhöht. So ist auch abends oft noch Licht an in den Bürotürmen. Bild: Rüchel, Dieter

Unerwartetes Geschenk für Schwarz-Grün im Wahlkampf: 2017 hat sich die hessische Wirtschaft kräftig entwickelt, das Wachstum lag gleichauf mit dem Gesamtdeutschlands. Das war zuletzt eher selten der Fall.

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          Hessen vorn? Lange Zeit galt: Das war einmal. Blickt man auf die zehn Jahre seit 2008, so lag das Wirtschaftswachstum sieben Mal unter dem der gesamten Bundesrepublik. In der Rezession 2009 rutschte das Bundesland besonders tief ab, und auch, als sich die Wirtschaft Hessens aus diesem Tal wieder empor arbeitete, blieben die Wachstumsraten noch lange hinter denen der Bundesrepublik zurück.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Doch das ist vorbei. Gestern veröffentlichten die Statistiker neue Zahlen, wonach das Wirtschaftswachstum des Bundeslandes 2017 deutlich höher ausgefallen war als das der Bundesrepublik insgesamt, und wonach im vergangenen Jahr genau der Bundesdurchschnitt erreicht wurde. Die Zahlen sind vorläufig, man hat sich daran gewöhnt, dass sie häufig neu berechnet werden und wieder anders ausfallen können – es scheint sehr schwer zu sein, eine Übersicht über die gesamte Wirtschaftsleistung einer Region zu bekommen. Aber einstweilen gilt: Hessen hat wieder Anschluss gefunden.

          Ein deutlicher Unterschied

          Damit ist nicht zu rechnen gewesen. Die Fachleute der Landesbank Hessen-Thüringen etwa hatten noch vor wenigen Monaten für 2017 ein Wachstum der hessischen Wirtschaft in Höhe von 1,8, der Wirtschaft Deutschlands aber in Höhe von 2,2 Prozent ermittelt, also einen deutlichen Unterschied.

          Auch beim Blick auf die neuesten Zahlen zeigt sich: Noch steht nicht alles zum Besten. Wie gewohnt schneidet Hessen schlechter ab als die Bundesländer im Süden. Während das Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr preisbereinigt um 2,2 Prozent wuchs, legte es in Bayern um 2,8 und in Bade-Württemberg um 2,3 Prozent zu. Auch gegenüber den Nachbarn in Rheinland-Pfalz, die 2,5 Prozent mehr erwirtschafteten, musste sich Hessen geschlagen geben. Aber die wichtigste Benchmark ist eben der Bundesdurchschnitt. Und hinter dem ist das Bundesland zum zweiten Mal in Folge nicht mehr zurück geblieben.

          Hessen insgesamt gleichauf

          Es ist nicht ganz einfach zu sagen, woher das unerwartet kräftige Wachstum Wirtschaft rührt. Das Statistische Landesamt in Wiesbaden verschickte gestern Zahlen, wonach der Unterschied bei der Bruttowertschöpfung besonders in der Kategorie „Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung und Gesundheit“ besonders groß war, das Plus betrug preisbereinigt 2,7, im Bund aber nur 1,9 Prozent. Sonstige Dienstleister, das ist eine äußerst unscharfe Kategorie. In anderen Wirtschaftszweigen lag Hessen nur leicht vor dem Bund. Das Baugewerbe fällt sogar völlig aus dem Rahmen: hier ging die Wertschöpfung um 1,6 Prozent zurück, während sie in Gesamtdeutschland um 2,1 Prozent stieg. Aber es ist ja das Ergebnis, was zählt. Und danach liegt Hessen insgesamt gleichauf.

          Weitere Zahlen des Statistischen Landesamts zeigen, woher der gewachsene Wohlstand kommt: Er wird mühsam erarbeitet. Im Jahr 2000 hatte die Zahl der in Hessen geleisteten Arbeitsstunden noch bei 4,53 Milliarden gelegen, im vergangenen Jahr waren es 120 Millionen mehr. Das ist ein Zuwachs, der jene Lügen straft, die behaupten, die seit Jahren steigende Zahl der Erwerbstätigen sei bloß eine Folge der Aufteilung von Vollzeitarbeitsplätzen in mehrere Teilzeitbeschäftigungen. Und: Zwischendurch, also nach der Lehman-Wirtschaftskrise und während der anschließenden Euro-Krise, war die Menge der Arbeitsstunden sogar deutlich zurückgegangen, im Jahr 2010 etwa hatte sie bei nur 4,42 Milliarden gelegen. Der Zuwachs im jüngsten Aufschwung ist also noch weitaus größer.

          Das Statistische Landesamt berechnet immer gerne, wo Hessen eigentlich stünde, wäre es ein selbständiger Staat: Die Wirtschaftsleitung ist immerhin so hoch wie die Dänemarks.

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