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Hessen : Nabu fordert von Schwarz-Grün mehr Naturwälder

  • Aktualisiert am

„Buchen werden in der Mitte ihres Lebens, mit rund 140 Jahren, geerntet. Das ist ein unguter Trend“, heißt es beim Nabu in Hessen Bild: dpa

Mehr Waldflächen als Naturwälder auszuweisen - das fordert der Nabu Hessen von einer möglichen schwarz-grünen Landesregierung. Hessen hinke den Bundesvorgaben hinterher.

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          Fortschritte im Waldschutz erwartet der Naturschutzbund (Nabu) von einer schwarz-grünen Landesregierung in Hessen. Nach jahrelangem Stillstand müsse das Land nun mehr zur Erhaltung der Artenvielfalt unternehmen, fordert Mark Harthun, Waldexperte beim Nabu Hessen.

          Dazu sei es nötig, viel mehr und viel größere Waldflächen als Naturwälder auszuweisen, in denen keine Forstwirtschaft mehr betrieben wird. In der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt sei vorgesehen, zehn Prozent der  Staatswälder in Deutschland dafür zu reservieren - „das erwarten wir auch in Hessen“, sagte Harthun.

          Fortwirtschaft und Artenvielfalt

          Bisher habe Hessen aber nur sechs Prozent des Staatswaldes als Naturwald benannt. Mehr als die Hälfte der Flächen sei nur ein bis zwei Hektar groß - „das funktioniert nicht, die Flächen sind viel zu klein, damit sich Natur ungestört entwickeln kann“, kritisiert Harthun. Leider werde die Artenvielfalt im Waldzustandsbericht nicht berücksichtigt.

          Die Naturschützer beobachten eine zunehmende Verjüngung der
          hessischen Forsten - sie deuten sie als Folge des starken Holzeinschlags. Vor allem dicke, alte Stämme würden  geschlagen. „Buchen werden in der Mitte ihres Lebens, mit rund 140 Jahren, geerntet. Das ist ein unguter Trend“, sagt Harthun. Aus rein forstwirtschaftlicher Sicht sei das verständlich, denn ältere Bäume seien schwächer. „Dann aber kommt die Vielfalt“: Insekten und Pilze besiedeln die Stämme, Spechte und Fledermäuse folgen. „Und die brauchen alte, knorrige Bäume.“

          Weniger Schädlinge

          Das feucht-kühle Wetter im Frühjahr hat dessen ungeachtet zur weiteren Erholung der hessischen Wälder beigetragen. „Die Bäume im Wald haben so viele Blätter und Nadeln wie seit 20 Jahren nicht mehr“, sagte Umwelt-Staatssekretär Mark Weinmeister (CDU) nun in einem Wald bei Königstein bei der Vorstellung des diesjährigen Waldzustandsberichts.

          Alle Hauptbaumarten - Buche, Eiche, Fichte und Kiefer - hätten von den guten Bedingungen profitiert. Außerdem hätten sie mit weniger Schädlingen zu kämpfen gehabt und weniger Früchte getragen - beides kostet Kraft und schwächt die Bäume.

          42 Prozent von Hessen mit Wald bewachsen

          Auf 895.000 Hektar in Hessen wächst Wald, das entspricht 42 Prozent der Landesfläche. Damit steht Hessen zusammen mit Rheinland-Pfalz - dort ist der Waldanteil genauso hoch - an der Spitze der Bundesländer. Über die Hälfte der hessischen Waldbäume sind Laubbäume.

          Besonders typisch ist die Buche mit einem Anteil von rund 40 Prozent. Schon die Römer nannten das Gebiet zwischen Weserbergland und Schwarzwald wegen des hohen Buchenanteils „Buchonia“. Bundesweit sind nur 25 Prozent der Bäume Buchen. Mit 14 Prozent steht die Eiche in Hessen bei den Laubbäumen an zweiter Stelle, bundesweit erreicht sie einen Anteil von 9 Prozent.

          28 Prozent der hessischen Bäume sind Fichten und 17 Prozent Kiefern, Lärchen und sonstige Nadelbaumarten. Größter hessischer Waldbesitzer ist das Land, dem 40 Prozent der Wälder gehören. 35 Prozent des Waldes sind im Besitz von  Kommunen, 25 Prozent befinden sich in privaten Händen. (lhe)

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