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Hessen : Metaller geben Schulabbrechern eine Ausbildungschance

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Jugendliche ohne Hauptschulabschluss sollen in den Betrieben innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ausbildungsreif gemacht werden Bild: dpa

Jährlich verlassen mehr als 2000 Jugendliche Hessens Schulen ohne Abschluss. Ihre Aussichten auf Lehrstellen sind minimal. Getrieben vom Fachkräftemangel bieten Metallbetriebe nun eine weitere Chance.

          Die Metallbranche bietet Schulabbrechern neue Chancen auf eine qualifizierte Berufsausbildung. Danach sollen Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in den Betrieben innerhalb von sechs bis zwölf Monaten ausbildungsreif gemacht werden, wie die Gewerkschaft IG Metall und der Arbeitgeberverband Hessenmetall in Frankfurt mitteilten.

          Für die im Tarifvertrag für die Metall- und Elektroindustrie vereinbarte Maßnahme hoffen beide Seiten auf bis zu 500 Teilnehmer im Jahr. Die jungen Menschen sollen bei den Betrieben angestellt werden und sich in der „Coaching-Phase“ an die betrieblichen Abläufe gewöhnen, um danach möglichst eine Ausbildung in einem Metallberuf zu beginnen. Sie erhalten von Beginn an eine Vergütung, die bei rund 500 Euro im Monat startet. Zudem gelten für sie die üblichen tariflichen Rahmenbedingungen. Eine Übernahmepflicht nach der Förderphase besteht nicht. Im ersten Lehrjahr verdient ein Metall-Auszubildender dann nach aktuellem Tarif 834 Euro.

          In der ersten Runde „ausgesiebt“

          IG Metall-Bezirkschef Armin Schild wie auch der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, Volker Fasbender, verwiesen auf die zunehmenden Schwierigkeiten der Unternehmen, Fachkräfte zu rekrutieren. Die Entscheidung zur Aufnahme zusätzlicher Auszubildender hänge aber auch an den derzeit gemischten Erwartungen zur konjunkturellen Entwicklung, schränkte Schild ein.

          Der Gewerkschafter rief dazu auf, die jährlich mehr als 2000 Schulabbrecher nicht aufzugeben. „Sie werden derzeit schon in der ersten Runde ausgesiebt und erhalten nie wieder die Chance auf eine Rückkehr in den qualifizierten Arbeitsmarkt.“ Fasbender verwies auf Erfahrungen der Firma Siemens, die einen Teil ihrer Ausbildungsplätze bewusst an gering qualifizierte Bewerber vergibt und damit gute Erfolge erzielt.

          „Mancher wird es nicht packen“

          Erfahrungen im Betrieb sind nach Einschätzung der Tarifpartner wirksamer als die häufig als „Warteschleifen“ kritisierten schulischen Angebote des „Übergangssystems“, in denen sich derzeit in Hessen rund 20 000 junge Menschen befänden. Allein der Wechsel des Lernorts wie auch die hohe Kompetenz der betrieblichen Ausbilder sprächen für bessere Erfolge in den Betrieben. Geübt werden müssten neben Grundfähigkeiten wie Rechnen und Deutsch vor allem persönliches Verhalten wie etwa Pünktlichkeit, Kooperationsfähigkeit oder Verlässlichkeit. „Es wird sicher auch einen Teil geben, der es nicht packt“, sagte Schild.

          Ähnliche Tarifverträge zur Integration Jugendlicher in Berufsausbildung gibt es laut IG Metall auch für die Tarifgebiete des Bezirks Mitte in Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen. Das Angebot richtet sich primär an Jugendliche ohne Hauptschulabschluss. Mit Zustimmung des Betriebsrats können aber auch schwierige Kandidaten in das Coaching aufgenommen werden, die zumindest über diesen Abschluss bereits verfügen.

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