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Hanau und Offenbach im Fokus : Hessen meldet fast ein Viertel aller Corona-Neuinfektionen

Maskenmann: Offenbachs OB Schwenke hat angesichts der hohen Sieben-Tage-Inzidenz die Corona-Beschränkungen verschärft Bild: Lucas Bäuml

Die hessischen Gesundheitsämter haben abermals dreistellige Covid-19-Neuinfektionen gemeldet. In drei Städten bereitet das Infektionsgeschehen besonders Sorgen.

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          Hessen vorn: Dieses alte Motto der Landes-SPD bekommt in diesen Tagen eine neue Bedeutung. Denn kein anderes Bundesland weist bei der für den Bestand von Lockerungen wichtigen Sieben-Tage-Inzidenz einen derart hohen Wert auf. Und diese Kennziffer zu den Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist ist über das Wochenende weiter gestiegen. Denn zum Sonntag haben die Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut 178 Covid-19-Neuinfektionen gemeldet. Zwar liegen die Zahlen aus Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen noch etwas darüber. Aber die Bevölkerung dieser beiden Länder ist auch deutlich größer als die hessische. 178 neue Fälle bedeuten 22,7 Prozent der zum Sonntag gemeldeten Neuinfektionen im Bund.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Anders gesagt: Auf Hessen entfallen fast ein Viertel der bestätigten und gemeldeten neuen Fälle. Dabei machen die Menschen in Hessen nur knapp acht Prozent der Gesamtbevölkerung aus. Die positiven Tests am Frankfurter Flughafen verderben übrigens nicht die Statistik. Sie werden dem Gesundheitsamt im jeweiligen Wohn-Kreis oder der Stadt des Infizierten zugeordneten, wie das Sozialministerium mitteilte.

          Inzidenz sieben Punkte über Bundesmittelwert

          Hessen kommt nun auf eine Inzidenz von 17,4, wie das für die Seuchenbekämpfung federführende RKI meldet. Auf dem zweiten Platz steht Bayern mit 13,9, der Durchschnitt im Bund beträgt 10,3. Den hessischen Wert treiben besonders zwei Städte derzeit nach oben: Ganz vorne ist Offenbach zu nennen. Die Frankfurter Nachbarstadt hat über Nacht zehn weitere Fälle gemeldet, der Inzidenzwert lag schon zuvor deutlich über der kritischen Grenze von 50, von der an die Behörden die Corona-Vorgaben verschärfen und Lockerungen zurücknehmen können. Aktuell seien 105 Menschen in Offenbach nachweislich mit Sars-CoV-2 infiziert. 527 Menschen befänden sich in häuslicher Quarantäne. Die Stadt hat angekündigt, die Einhaltung der Quarantäne zu kontrollieren. Wie die Polizei am Sonntag mitteilte, sind mehr Kräfte als sonst im Einsatz. Die Nacht von Samstag auf Sonntag sei unproblematisch verlaufen, so die dpa.

          Nach Offenbach folgt Hanau als Stadt im Main-Kinzig-Kreis. Mittlerweile liege die Zahl der Neuinfektionen bei 60 je 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag. Vor diesem Hintergrund ist eine Demonstration zum Gedenken für die Opfer des Mordanschlags in der Stadt vom Februar abgesagt worden. Für den Main-Kinzig-Kreis liegen dem RKI 21 Neuinfektionen vor.

          Sorgen auch in der Landeshauptstadt

          Aber auch den Wiesbadener Behörden bereitet das Infektionsgeschehen zunehmend Sorgen. 755 Infektionen seit März sind 22 mehr als am Samstag. Die Landeshauptstadt kommt damit auf fast 100 neue Fälle binnen Wochenfrist. Von Dienstag an werden Veranstaltungen mit mehr als 50 Personen untersagt, wie es heißt.

          Für Frankfurt stehen 41 seit Samstag  gemeldete bestätigte Neuinfektionen zu Buche. Seit März sind es insgesamt 2465. Mehr als 230 entfallen auf die vergangenen sieben Tage. Der Inzidenzwert nähert sich der Marke von 30.

          Erfreulich: Für den Werra-Meißner-Kreis ist kein neuer Fall gemeldet worden. Die nordhessische Kreis wies zuletzt mit eins die geringste Inzidenz auf. Auch der Vogelsberg ist ohne neu registrierte Infektion. Er hat bis die wenigsten Infizierten überhaupt verzeichnet, es sind 160 an der Zahl.

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          Die Ausweitung der Corona-Tests erklärt zum Teil den Anstieg der bestätigten Neuinfektionen, aber eben nicht nur. Ein anderer Grund sind Reiserückkehrer, die sich das Virus am Urlaubsort eingefangen haben. Zu bedenken ist zudem, dass nicht jeder Infizierte auch Symptome aufweist oder offensichtlich krank ist.

          Genesene nur geschätzt

          Und: Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          * Doppelnennung Hof, Bayern (Landkreis Hof/Kreisfreie Stadt Hof)

          Kita- und Schulschließungen in Hessen

          Wegen eines positiven Corona-Testergebnisses bei einem Kind bleibt eine Kita in Bad Nauheim im Wetteraukreis für mindestens zwei Wochen geschlossen. Das Gesundheitsamt habe zudem verfügt, dass alle Kinder und Erzieherinnen als Kontaktperson ersten Grades bis einschließlich zum 4. September in Quarantäne müssten, teilte der Landkreis am Sonntagabend mit. Ferner müssten die Betroffenen der Kita Im Sichler am kommenden Mittwoch zum Abstrichtest. Die Angehörigen der Kinder seien nicht von der Quarantäne betroffen, hieß es weiter.

          Derweil fällt am Montag für zwei Klassen zweier Schulen im Vogelsbergkreis der Unterricht aus. Weil es den Verdacht einer Corona-Erkrankung bei jeweils einem Schüler der Grundschule Schlitz und der Integrierten Gesamtschule Schlitz gebe, müssten die jeweiligen Klassen zu Hause bleiben, teilte der Kreis ebenfalls am Sonntagabend mit. „Es handelt sich um eine reine Sicherheitsmaßnahme, es besteht kein Grund zur Beunruhigung“, sagte Henrik Reygers vom Gesundheitsamt des Kreises.

          Erst am Freitag war in Dieburg eine Schule aufgrund zweier positiver Covid-19-Tests geschlossen worden. Zwei Schüler seien infiziert, teilten Schulleitung und Gesundheitsamt Darmstadt/Darmstadt-Dieburg mit. Da diese in der vergangenen Woche zahlreiche Kontakte hatten, sei deren Nachverfolgung sehr aufwendig. Die Schließung der Schule sei eine Vorsichtsmaßnahme, um sicherzustellen, dass alle möglichen Kontakte zurückverfolgt und alle notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet werden könnten.

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