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Zur Prostitution gezwungen : Hessen meldet 13 Opfer von „Loverboys“

  • Aktualisiert am

Eine Prostituierte wartet auf ihrem Zimmer in einem Bordell auf Kundschaft in Frankfurt (Archivbild). Bild: dpa

Sie gehen strategisch vor und isolieren ihre Opfer: In Hessen haben „Loverboys“ 13 junge Fauen zur Prostitution gezwungen. Das hat das Innenministerium mitgeteilt. Kriminalstatistiken zu der Masche gibt es keine.

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          13 junge Frauen sind in Hessen in den Jahren 2016 bis 2018 von sogenannten „Loverboys„ zur Prostitution gezwungen worden. Nach Auskunft von Innenminister Peter Beuth (CDU) waren die Opfer zwischen 18 und 23 Jahren alt und hatten neben der deutschen auch die rumänische, ungarische oder kroatische Staatsangehörigkeit. Weitere Auskünfte über die Fälle konnte das Innenministerium nicht machen. Die „Loverboy“-Masche werde in der polizeilichen Kriminalstatistik nicht extra erfasst.

          Bei der Masche nehmen Täter beispielsweise auf dem Schulhof, vor Fast-Food-Restaurants oder über soziale Netzwerke Kontakt zu ihren späteren Opfern auf. Sie erschleichen sich das Vertrauen der Mädchen oder Frauen und trennen diese von ihrem sozialen Umfeld. Sobald sie die Opfer in eine emotionale Abhängigkeit getrieben und sozial isoliert haben, werden sie in die Prostitution gelockt und gefügig gemacht, wie das Innenministerium weiter mitteilte.

          Mehr Präventionsarbeit

          Dieses strategische Vorgehen ist typisch für die Täter. Anfangs achten sie teilweise darauf, dass die Opfer ihre Hausaufgaben machen und zur Schule gehen, damit die Angehörigen möglichst lange nichts merken. Die Beziehung wird meist über Monate aufgebaut. Mädchen und junge Frauen, die unsicher sind oder Konflikte in der Familie oder Schule haben, werden bewusst von den Männern ausgesucht.

          Bei der Frankfurter Beratungsstelle „Frauenrecht ist Menschenrecht“ haben in diesem Jahr etwa zehn besorgte Eltern angerufen, weil sie fürchteten, dass ihre Töchter Opfer eines „Loverboys“ wurden. Die Beratungsstelle plant nach Auskunft einer Mitarbeiterin, nächstes Jahr mehr Präventionsarbeit zu leisten.

          Um die jungen Opfer zur Prostitution zwingen zu können, täuschen die Täter anfangs oft eine finanzielle Notlage vor und bitten gegen Geld um Sex mit anderen Männern. Nicht selten werden die Frauen und Mädchen bei diesen sexuellen Kontakten gefilmt und später mit den Videos erpresst. Gleichzeitig gibt es Täter, die sich schneller als Zuhälter zu erkennen geben und auch nicht vor der Ausübung von psychischer und physischer Gewalt zurückschrecken, um ihre Opfer sexuell auszubeuten. 

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