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Drogensucht : Mehr Methadonbehandlungen in hessischen Gefängnissen

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Ein Tablett mit einer Heroinspritze, einem Becher mit Methadon sowie einem Gurt zum Abbinden des Blutes (Archivbild, 2003). Bild: dpa

Die Anzahl der Häftlinge, die in Hessen eine Substitionsbehandlung mit Methadon erhalten, ist in diesem Jahr gestiegen. Junge Süchtige in Haft werden jedoch meistens ohne Ersatzmittel entgiftet.

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          In den hessischen Gefängnissen sind Anfang des Jahres mehr heroinsüchtige Gefangene mit Methadon behandelt worden als in den beiden Jahren zuvor. Nach Auskunft des Justizministeriums in Wiesbaden erhielten im März dieses Jahres 365 Häftlinge eine sogenannte Substitutionsbehandlung, um die Auswirkungen des Heroinentzugs zu lindern. 2018 waren es 237 inhaftierte Süchtige und im Jahr davor 302 Gefangene gewesen, teilte das Ministerium auf eine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion mit. Allerdings lagen nicht die Daten aus allen Gefängnissen vor.

          Eine Methadonbehandlung erhielten vor allem ältere Drogenabhängige, während junge Süchtige im Regelfall entgiftet würden, teilte das Ministerium weiter mit. Die jungen Gefangenen würden während ihrer Haftzeit durch Fachdienste und externe Drogenberatungsstellen betreut. Sollte im Einzelfall eine Methadonbehandlung zwingend geboten sein, könne der entsprechende Gefangene aus dem Jugendvollzug herausgenommen werden. Dies sei jedoch äußerst selten der Fall.

          Verlegung in andere Gefängnisse nötig

          Bei Bedarf können laut Ministerium in Hessen alle heroinabhängigen Gefangenen mit Methadon behandelt werden. Da dies in kleineren Gefängnissen wie etwa in Limburg, Fulda und Gießen nicht möglich sei, würden die Abhängigen in diesem Fall in andere Anstalten verlegt. Wie viele der insgesamt 4484 hessischen Strafgefangenen süchtig sind, teilte das Ministerium nicht mit und verwies auf eine bundeseinheitliche Erhebung, deren Daten im Herbst dieses Jahres veröffentlicht werden sollen.

          Bei Methadon handelt es sich um ein synthetisch hergestelltes Opioid. Wie Morphin und Heroin hat Methadon eine stark schmerzlindernde Wirkung, erzeugt jedoch im Unterschied keine Rauschzustände. Daher wird die Substanz als Ersatzmittel für Heroin eingesetzt, weil sie die Symptome eines Entzugs lindern kann, jedoch nicht für einen „Kick“ sorgt. Allerdings kann Methadon ebenfalls abhängig machen, wenn es über eine längere Zeit eingenommen wird. Eine Überdosis ist außerdem genauso gefährlich, wie bei Heroin.

          Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte 2016 entschieden, dass die Menschenrechte eines Gefangenen in Bayern verletzt wurden, weil die Behörden die Behandlung seiner Sucht mit Methadon ablehnte. Die bayerische Justizbehörde argumentierte damals, dass eine Substitutionstherapie weder medizinisch notwendig noch für die Rehabilitation des Gefangenen angemessen sei. Das sah der EGMR anders. Der sogenannte „kalte Entzug“ verstößt demnach gegen die Menschenrechte. Der Staat habe dafür zu sorgen, dass die Gesundheit von Häftlingen angemessen geschützt werde.

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