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Vorerst bis zum Jahresende : Krankschreibung per Telefon wieder möglich

Per Anruf zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Die Sonderregelung gilt vorerst bis zum Jahresende. Bild: dpa

Ärzte dürfen ihre Patienten jetzt wieder bis zu 14 Tage von der Arbeit befreien, ohne sie zu sehen. Um das Coronavirus weiter eindämmen zu können, ist in Frankfurt ein neues Testcenter geplant.

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          Weil die Zahl der Corona-Infektionen weiter ansteigt, dürfen Ärzte wieder Patienten, die unter einer leichten Erkrankung der oberen Atemwege leiden, per Telefon krankschreiben. Vorgeschrieben ist lediglich eine telefonische Anamnese, die es dem Arzt ermöglichen soll, den Gesundheitszustand des Anrufers einzuschätzen. Für bis zu sieben Tage dürfen Ärzte die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nach einem Diagnosegespräch ausstellen. Danach kann der Krankenschein um weitere sieben Tage verlängert werden. Mit der Sonderregelung sollten leichte und schwere Krankheitsfälle besser voneinander getrennt und Infektionen in Arztpraxen vermieden werden, teilt die Kassenärztliche Vereinigung Hessen mit. Die Sonderregelung, die auch verhindern soll, dass die ambulante Versorgung an ihre Grenzen stößt, ist bis einschließlich 31. Dezember gültig.

          Marie Lisa Kehler

          Stellvertretende Ressortleiterin des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Das Verfahren kam schon am Anfang der Pandemie zum Einsatz. Eine Studie der Krankenkasse Barmer hatte damals ergeben, dass sich im März, als die Möglichkeit der Krankschreibung per Telefon erstmals bestand, die Zahl der Krankschreibungen in Hessen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt hatte. Während in der 13. Kalenderwoche des vergangenen Jahres rund 67.000 Arbeitnehmer, die bei der Barmer versichert sind, krankgeschrieben waren, erhielten im gleichen Zeitraum des Jahres 2020 rund 150.000 Versicherte der Krankenkasse eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Dieser Trend könnte sich wiederholen, da viele Unternehmen strengere Richtlinien für den Umgang mit Mitarbeitern, die Erkältungssymptome aufweisen, entwickelt haben.

          Zwei, die in den vergangenen Tagen zwar nicht krankgeschrieben waren, wohl aber nicht am Arbeitsplatz erscheinen durften, waren Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Gesundheitsminister Kai Klose (beide Die Grünen). Bei beiden bestand der Verdacht, dass sie sich mit dem Coronavirus infiziert haben könnten. Die Tests seien aber negativ ausgefallen, teilte die Hessische Staatskanzlei am Dienstag mit. Klose und Al-Wazir hatten in der vergangenen Woche zusammen mit der infizierten Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Die Grünen) an einer längeren Besprechung teilgenommen. Damit seien sie unabhängig von dem Ergebnis der Tests Kontaktpersonen ersten Grades, so der Sprecher der Landesregierung. Sie hätten sich darum gemäß den verbindlichen Vorgaben des Robert-Koch-Instituts bis Montag in häusliche Quarantäne begeben. Alle öffentlichen Termine in dieser Woche wurden abgesagt.

          Nur noch wenige Städte und Kreise keine Risikogebiete

          Derweil spitzt sich die Lage in Hessen weiter zu. Die Zahl der Todesfälle, die in Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gebracht werden, hat sich um acht auf 584 erhöht. Außerdem gelten nur noch wenige Städte und Kreise in Hessen nicht als Risikogebiete, darunter der Werra-Meißner-Kreis mit nur 15,9 Infektionen je 100.000 Einwohner binnen der vergangenen sieben Tage.

          Anders sieht die Entwicklung im Main-Kinzig-Kreis aus. Dort wurde die vierte Stufe des hessischen Stufenmodells mit 55,1 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner erreicht. Eine Sperrstunde von 23 Uhr an sowie die Maskenpflicht im Unterricht an allen weiterführenden Schulen sollen helfen, die Infektionszahlen wieder zu senken.

          Ein Mittel zur Eindämmung des Virus soll weiterhin das Testen von möglicherweise erkrankten Personen sein, um Infektionsketten schnellstmöglich unterbrechen zu können – so steht es zumindest in einem Strategiepapier des Robert-Koch-Instituts. Nachdem eines von zwei Corona-Testcentern in Frankfurt Anfang Oktober geschlossen worden war, werde daran gearbeitet, ein neues Testcenter in der Stadt zu eröffnen, „in dem auch eine höhere Zahl von Tests durchgeführt werden kann“, sagte ein Sprecher der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung. Derzeit gibt es 15 Testcenter in Hessen, aber auch viele Hausärzte nehmen Abstriche vor.

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