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Corona-Pandemie in Hessen : „Covid-Infektionen kommen von außen in die Schulen“

Zwischenstopp: Am Frankfurter Flughafen weisen Schilder zu den Corona-Testzentren. Fortan müssen viele Reisende dafür zahlen Bild: Lucas Bäuml

Nach der Montagsdelle melden hessische Gesundheitsämter wieder dreistellige Corona-Neuinfektionen. Ein weiterer Todesfall ist zu beklagen. An 114 Schulen hat es bisher Einschränkungen beim Unterrichtsbesuch gegeben.

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          Über Nacht haben die hessischen Gesundheitsämter wieder dreistellige Neuinfektionen gemeldet. Die Folgen der Corona-Pandemie machen sich auch im täglichen Schulbetrieb bemerkbar, allerdings von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Zu Wochenbeginn waren zwei Schulen geschlossen, wie ein Sprecher des Kultusministeriums der F.A.Z. sagte. Seit Schulbeginn mussten demnach lediglich elf der annähernd 2000 Schulen wegen Corona schließen, meist tageweise, wie es weiter heißt.  An 114 Schulen habe es Einschränkungen beim Unterrichtsbesuch dergestalt gegeben, dass Schüler kurzzeitig nicht den Unterricht besuchen könnten.

          Thorsten Winter
          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie viele Schüler und Lehrkräfte sich mit dem Covid-19-Virus infiziert haben, vermag das Ministerium laut Sprecher nicht zu sagen. Über entsprechende Daten verfügten nur die jeweiligen Gesundheitsämter. Klar sei aber: „Die Infektionen kommen immer von außen in die Schulen hinein. Es gibt keine Übertragung innerhalb der Schulgemeinde“, hob der Sprecher hervor. Dies bestätige gerade mit Blick auf die Grundschulen die Einschätzung von Fachleuten vor Beginn des neuen Schuljahres.

          27.000 Lehrkräfte getestet – vier positiv

          Wie der Sprecher weiter sagte, hat das Land auf eigene Kosten mittlerweile 27.000 der mehr als 60.000 Lehrkräfte auf das Corona-Virus testen lassen. Darunter seien Mehrfachtests gewesen. Nur vier Untersuchungen hätten eine Infektion ausgewiesen. Unklar sei, wie viele Lehrkräfte sich privat haben testen lassen und positiv getestet worden seien.

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          Seit dem Anschwellen der Pandemie im März hat es in Hessen rechnerisch noch nie so viele Genesene je Corona-Opfer gegeben wie derzeit. Wie sich auf der Internetseite des Robert-Koch-Instituts nachlesen, gehen die Seuchenbekämpfer von mittlerweile 15.200 Menschen aus, die ihre Covid-19-Infektion überstanden haben. Ihnen stehen 540 Todesfälle im Zusammenhang mit der Pandemie gegenüber. Rechnerisch kommen 28,1 Genesene auf einen Todesfall.

          Nach lediglich 69 zum Montag gemeldeten bestätigten Neuinfektionen hat das kurz RKI genannte Bundesinstitut über Nacht 108 neue Fälle in Hessen verzeichnet, was die Serie der dreistelligen Neuinfektionen in den vergangenen Wochen bestätigt. Das sind 7,4 Prozent der bestätigten Neuinfektionen im Bund und damit weniger, als der Bevölkerungsanteil von Hessen erwarten ließe. Dieses Bundesland steht für acht Prozent der Gesamtbevölkerung.

          Die Stagnation bei den Todesfällen ist nach Angaben der Frankfurter Virologin Sandra Ciesek auch und gerade auf den Umstand zurückzuführen, dass derzeit vor allem jüngere Menschen infiziert sind. Jüngere sind zumeist widerstandsfähiger als Ältere, weshalb es zu weniger schweren Verläufen der Infektion komme. Die WHO warnt derweil vor einem möglichen Anstieg der Todeszahlen in Europa im Herbst.

          Laut Sozialministerium behandelten die hessischen Kliniken zuletzt 29 Infizierte intensivmedizinisch; alles in allem liegen demnach 251 Covid-Patienten in heimischen Krankenhäusern. Im Uniklinikum von Frankfurt ist die Zahl „niedrig“, wie ein Sprecher der F.A.Z. sagte, dem Vernehmen nach einstellig. Gleiches galt auch im Uniklinikum Gießen und Marburg. „Derzeit gibt es 717 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, heißt es im Ministerium. Insgesamt seien 6052 Klinikbetten unbelegt, 325 weniger als vor einer Woche.

          Bei der für Lockerungen wichtigen Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die binnen Wochenfrist registrierten neuen Fällen unter 100.000 Einwohnern, liegen nun fünf Bundesländer vor Hessen: Bayern, Hamburg, Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Der hessische Inzidenzwert beträgt laut Robert-Koch-Institut 10,8, den höchsten hat Bayern mit 17.8 Auf kommunaler Ebene liegt die kritische Marke bei 50.

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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