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Hessen : Kampf gegen Analphabetismus

  • -Aktualisiert am

Nach einer Studie der Universität Hamburg seien knapp 550.000 Hessen (acht Prozent) funktionale Analphabeten. Bild: dpa

Das Land müsse mehr Geld für die Erwachsenenbildung bereitstellen, fordert die SPD im Landtag. Über die Bekämpfung des Analphabetismus kam es dann zum Wortwechsel zwischen CDU und SPD.

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          Die SPD im hessischen Landtag hat ein stärkeres Engagement der Landesregierung bei der Bekämpfung des Analphabetismus gefordert. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel hält flächendeckende niedrigschwellige Angebote von Lese- und Schreibkursen für Erwachsene für notwendig. Zudem dürften Menschen mit Lese- und Schreibdefizit nicht mehr stigmatisiert werden. „Analphabetismus darf kein Tabu mehr sein.“ Nur dann seien die unter einer solchen Schwäche leidenden Menschen auch bereit, sich helfen zu lassen.

          Ralf Euler
          (ler.), Rhein-Main-Zeitung

          Mit Blick auf den von der Stiftung Lesen initiierten bundesweiten Vorlesetag am 21.November nannte es Schäfer-Gümbel nicht hinnehmbar, dass nach den Ergebnissen einer Studie der Universität Hamburg knapp 550.000 Hessen (acht Prozent) sogenannte funktionale Analphabeten seien. Dabei handelt es sich um Menschen, die erhebliche Schwierigkeiten haben, komplexe Texte zu erfassen oder zu schreiben, und die deshalb am sozialen Leben nur stark eingeschränkt teilhaben können.

          Erwachsenenbildung „ausgeblutet“

          90 Prozent der Alphabetisierungskurse in Hessen würden von den Volkshochschulen angeboten, berichteten Vertreterinnen des Volkshochschulverbandes. Jährlich könne so etwa 6000 Menschen geholfen werden, die ihr Defizit erkannt hätten und bereit seien, daran zu arbeiten, sagte die stellvertretende Verbandsdirektorin Christiane Ehses. „Wichtig ist aber, Menschen mit Lese- und Schreibschwäche überhaupt zu motivieren, Lesen zu lernen.“ Das bedeute, dass dem Thema in Betrieben, in den Jobcentern, aber auch im familiären Umkreis mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden müsse.

          In den vergangenen Jahren sei die Erwachsenenbildung in Hessen leider nicht ausgebaut, sondern eher „ausgeblutet“ worden, beklagte die SPD-Landtagsabgeordnete Kerstin Geis. Während die Begeisterung für das Lesen und Schreiben beispielsweise in Island mit hohem Aufwand und gezielten Programmen geweckt und gefördert werde, fielen die Bemühungen in Deutschland nur halbherzig aus. Geis forderte „quartiersbezogene Ansätze“ mit Lernwerkstätten und Lerncafés. Ehses plädierte für zielgerichtete integrierte Angebote für Erwachsene, in denen nicht nur Lese- und Schreibdefizite behoben würden, sondern auch ein komplexes Grundbildungsangebot gemacht werde.

          „Sinnfreie Lernkonzepte“

          Der bildungspolitische Sprecher der CDU im Landtag, Hans-Jürgen Irmer, wies darauf hin, dass Union und Grüne die verstärkte Bekämpfung von Analphabetismus in ihrem Koalitionsvertrag ausdrücklich vereinbart hätten. So seien ein Weiterbildungspakt mit freien und öffentlichen Trägern und zusätzliche Mittel für Lese- und Schreibunterricht für Erwachsene vorgesehen. Vor allem gelte es jedoch, im Vor- und Grundschulalter anzusetzen, um Lese- und Rechtschreibschwächen erst gar nicht entstehen zu lassen. Insbesondere müsse verhindert werden, dass Grundschulkinder mit „pädagogisch sinnfreien Lernkonzepten“ wie der Methode „Lernen durch Schreiben“ oder der von sozialdemokratischen Landesregierungen forcierten Abschaffung der Schreibschrift quasi zu Legasthenikern ausgebildet würden.

          Schäfer-Gümbel wies die Kritik Irmers an der Bildungspolitik seine Partei scharf zurück. Die „Dummheit“ der Äußerung des sogenannten bildungspolitischen Sprechers der CDU sei himmelstrotzend und „an Bösartigkeit nicht zu überbieten“, sagte der SPD-Vorsitzende. „Es geht hier um die Sache und nicht um den kleinkarierten Streit, den Herr Irmer offenbar sucht.“

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