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Frankfurt über Warnschwelle : Jeder fünfte Covid-Infizierte in einer Klinik behandelt

Wartestand: Marburger Virologen und ihre Kollegen in Hamburg harren noch immer der Erlaubnis, ihren Impfstoffkandidaten gegen Corona an Menschen zu testen Bild: dpa

Die zweitniedrigste Zahl an neuen Covid-Fällen im September haben die hessischen Gesundheitsämter über Nacht gemeldet. Frankfurt liegt wieder über der zweiten Warnschwelle. Bisher mussten 13 der 1800 Schulen wegen Corona zeitweise schließen.

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          Und wieder stellt sich beliebte Montags-Frage: Handelt es sich um die typische Delle wegen Meldeverzugs am Wochenende so wie in den vergangenen Wochen? Oder geben die lediglich 51 neuen Covid-19-Fälle, die die hessischen Gesundheitsämter dem Robert-Koch-Institut über Nacht gemeldet haben, Anlass zur Hoffnung auf ein Abflachen des Infektionsgeschehens? Zumal auch zum Sonntag zweistellige bestätigte Neuinfektionen verzeichnet worden waren, eine Ausnahme in einer Serie dreistelliger Fallzahlen. 51 Neuinfektionen bedeuten den zweitniedrigsten Wert für dieses Bundesland im laufenden Monat.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wie das für die Seuchenbekämpfung zuständige Robert-Koch-Institut (RKI) auf seiner Internetseite weiter meldet, gelten 15.900 Infektionen mittlerweile als ausgestanden. Das sind gut 100 mehr als am Vortag. Seit März hat das Institut 17.637 Infektionen registriert. 544 Corona-Opfer gibt es zu beklagen, das sind so viele wie am Sonntag. Insofern gelten knapp 1200 Infizierte noch nicht als geheilt.

          Nach Angaben des Sozialministeriums haben die hessischen Kliniken zuletzt 251 Covid-19-Patienten behandelt. 29 davon wurden intensivmedizinisch behandelt, also beatmet. Anders gesagt: Ein Fünftel der aktuell Infizierten liegen in einem Krankenhaus. 

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          In Hessen sind seit Schuljahresbeginn 13 Schulen wegen Corona-Infektionen tageweise geschlossen worden. Insgesamt gebe es im Land 1795 Schulen, sagte ein Sprecher des Kultusministerium in Wiesbaden am Montag. Das neue Schuljahr hatte Mitte August begonnen. Zur Zahl der bestätigte Corona-Fälle in Schulen machte das Ministerium keine Angaben. Ob und wie lange eine Schule geschlossen werden müsse, liege zudem nicht in der Zuständigkeit der staatlichen Schulbehörden, sondern aufseiten der lokalen Gesundheitsbehörden. Laut dem Ministerium durften zuletzt 4718 der 760.000 Schüler wegen Corona-Maßnahmen nicht am Unterricht in den Schulen teilnehmen. Ursachen waren Schulschließungen oder Quarantäne. Bei den Lehrern seien 483 von 62 500 betroffen.

          23 der 51 neuen Fälle hat Frankfurt gemeldet. Die Mainmetropole verzeichnet bisher 3142 Infektionen seit Beginn der Pandemie im März. Laut RKI liegt die Sieben-Tage-Inzidemz aktuell bei 20,3, also über der zweiten Warnschwelle nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Gleiches gilt für den Landkreis Groß-Gerau mit 20,8. In beiden Fällen ist erhöhte Aufmerksamkeit gefragt. Die niedrigste Inzidenz weist der Werra-Meißner-Kreis (2) auf.

          Bei der Sieben-Tage-Inzidenz, das sind die neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern binnen Wochenfrist, weist das RKI für Hessen eine unverdächtige 11,7 aus. Berlin steht mit 21,4 an der Spitze der Tabelle vor Bayern. Für Kommunen liegt der kritische Wert bei 50.

          Derweil warten Forscher der Universität Marburg und Hamburger Kollegen nach wie vor auf die Erlaubnis aus dem Paul-Ehrlich-Institut, ihren Corona-Impfstoffkandidaten an Menschen zu testen. Dies sagte eine Sprecherin der Uni Marburg an diesem Donnerstag der F.A.Z.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Kinderbeirat sieht an manchen Schulen „freiwilligen Zwang“ zur Maske

          Die Schulbibliothek ist zu, ebenso die Schulturnhalle, der Schulgarten und das Klettergerüst auf dem Pausenhof: All das gefällt dem Kinderbeirat in Niederhöchstadt nicht. Für die Mädchen und Jungen gibt es „längst keine Normalität im Schulalltag“, wie der Beirat wissen lässt. Die einzelnen Schulen machten unterschiedliche Vorgaben zur Alltagsmaske, mancherorts herrsche ein „freiwilliger Zwang“.

          „Abgesehen davon ist es gerade den jüngeren Kindern schwer zu erklären, warum sie in der Schule Abstand halten müssen und Maske tragen und am Nachmittag im Hort hingegen nicht“, schreiben die Vertreter des Gremiums weiter. Und sie machen sich Gedanken über die möglichen Folgen eines weiteren Anstiegs der Neuinfektionen für den Schulalltag: „Ein neuer Lockdown wäre für uns eine richtige Katastrophe. Wir finden aber, dass die Schulen genau darauf vorbereitet sein sollten, denn so chaotisch, wie es im Frühjahr für viele abgelaufen ist, darf es nicht noch einmal werden.“

          Schulen sollten gerade Schüler mit mehreren Geschwistern mit Tablets ausstatten oder sie in der Notbetreuung aufnehmen. Zusätzlich wünscht sich der Beirat bessere Freizeitangebote im Falle eines zweiten Lockdowns. Begründung: „Das letzte Mal hat uns die Bewegung, gerade auch zusammen mit unseren Mitspielern und Mannschaftskameraden, sehr gefehlt.“

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