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„Verbrechen an den Kindern“ : Fast jede zehnte Lehrkraft ein Quereinsteiger

  • Aktualisiert am

Fingerzeig: Ob sie nur von ausgebildeten Lehrern unterrichtet werden? Bild: dpa

Quereinsteiger sind in Lehrerkollegien in Hessen längst keine Ausnahme mehr. Der Lehrerverband sieht „ein Verbrechen an den Kindern“. Und die Gewerkschaft GEW verweist auf die Ausbildung.

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          Trotz Kritik von Gewerkschaft und Verbänden werden hessische Schulen auch in den nächsten Jahren auf Quereinsteiger in den Lehrerberuf zurückgreifen müssen. „Der Lehrkräftebedarf wird vermutlich bis Mitte des neuen Jahrzehntes weiterhin hoch bleiben, so dass wir trotz vieler gerade in der Planung befindlichen Maßnahmen nicht ganz auf Quereinsteiger verzichten werden können“, sagt ein Sprecher des Kultusministeriums in Wiesbaden.

          Mehrere Tausend Lehrer in Hessen gelten als Quereinsteiger. Es gebe insgesamt rund 59.000 Lehrkräfte, davon verfügten 4900 über kein abgeschlossenes Lehramt oder eine Lehrbefähigung, erklärt das Kultusministerium: „Das sind rund acht Prozent der Lehrkräfte.“

          „Ein Verbrechen an den Kindern“

          Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, hatte kürzlich eine unzureichende Qualifizierung von Quereinsteigern kritisiert. Diese sei „ein Verbrechen an den Kindern“. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in Hessen findet deutliche Worte: „Niemand würde sich von einer Krankenschwester am offenen Herzen operieren lassen“, sagt der stellvertretende GEW-Vorsitzende Tony Schwarz. Quereinsteiger würden genutzt, um die Unterrichtszahlen gut aussehen zu lassen, „während die Qualität den Bach runter geht“.

          Schwarz fordert die Qualifikation der Quereinsteiger zu verbessern und den Lehrerberuf attraktiver zu machen, damit langfristig wieder mehr vollausgebildete Lehrkräfte verfügbar sind. Die Betreuung der Quereinsteiger belaste zudem voll ausgebildete Kollegen. Besonders problematisch ist laut GEW auch, dass Quereinsteiger verstärkt an Schulen in schwieriger sozialer Lage zum Einsatz kommen - was Chancenungleichheiten der Kinder verstärke.

          Eine Frage der Ausbildung

          Dass ihr Einsatz überhaupt nötig ist, ist nach Ansicht von Schwarz das Ergebnis jahrelang verfehlter Bildungspolitik. Die GEW Hessen habe schon vor 15 Jahren Zahlen vorgelegt, dass nicht genug Lehrer ausgebildet würden. Nun gebe ein massives Problem durch fehlende Lehrer - und diese könne man nicht so schnell ausbilden.

          Wie viele Lehrer in Hessen in den nächsten Jahren fehlen werden, ist umstritten. Während die Kultusministerkonferenz beispielsweise von über 600 fehlenden Grundschullehrer in 2022 ausgeht, verweist die GEW auf andere Berechnungen, die mehr als die doppelte Menge ergeben.

          Was die Diskussion erschwert, sind unterschiedliche Definitionen von Quereinsteigern. So fallen eigentlich auch Menschen mit abgeschlossenem Lehramtsstudium darunter, die in das Referendariat eines anderen Lehramts wechseln. Im Fokus bei der Debatte steht aber eine Gruppe, die die GEW als „Seiteneinsteiger“ bezeichnet: Personen, die an den Schulen tätig sind, ohne über ein Lehramt zu verfügen.

          „Solche Personen gab es in Hessen schon immer“, sagt der Ministeriumssprecher. Zur Überbrückung von Elternzeiten oder langfristigen Erkrankungen könnten Schulen mit befristeten Verträgen pädagogisch geeignetes Personal einsetzen. Wer dagegen unbefristet oder als Beamter eingestellt werden, müsse „bis auf wenige, klar definierte Ausnahmen“ das zweite Staatsexamen - also ein abgeschlossenes Referendariat - haben.

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