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Hessen als Gründerstandort : Allzu scheue Geldgeber

Das Bemühen ist erkennbar: Bereits 35 „Akzeleratoren“ und 15 „Inkubatoren“ für Start-ups gebe es in Hessen. Bild: Carlos Bafile

Hessen hat mittlerweile viele Einrichtungen für Gründer. Trotzdem ist das Bundesland als Gründerstandort weiter zurückgefallen. Dem Land ist das kaum vorzuwerfen.

          Das Bemühen ist erkennbar: Bereits 35 „Akzeleratoren“ und 15 „Inkubatoren“ für Start-ups gebe es in Hessen, jubelt die landeseigene Wirtschaftsförderung Hessen Trade&Invest. Gründerzentren hätte man das früher genannt, aber das klingt in der Branche, die auf Innovationen und Nachwuchs setzt, offenbar zu altbacken.

          Tatsächlich, an kommunalen und staatlichen Einrichtungen, die Gründer fördern, mangelt es mittlerweile nicht mehr, anders als noch vor wenigen Jahren. Start-ups haben nun deutlich weniger Probleme, Büros, Startkapital und auch Beratung für die Anfangsphase zu bekommen.

          Nur Platz sechs

          Doch trotz dieser Bemühungen ist Hessen als Gründerstandort im Bundesvergleich weiter zurückgefallen, wie dieser Tage eine Studie von EY (vormals Ernst&Young) gezeigt hat. Das Bundesland steht in der Rangliste der Finanzierung von Gründern nur noch auf Platz sechs, hinter Sachsen und knapp vor Rheinland-Pfalz. Die Millionen für Gründer fließen lieber nach Berlin, aber auch nach Bayern und Baden-Württemberg.

          Dem Land Hessen, dem Bund und den Kommunen ist das kaum vorzuwerfen. Sie haben ihre Hausaufgaben weitgehend erledigt, auch wenn sie sich noch besser untereinander abstimmen und die Antragsbürokratie abbauen sollten. Doch noch immer sind Privatinvestoren in der Region zu scheu, ihr Geld jungen Gründern anzuvertrauen. Lieber stecken sie es in konservative Anlagen wie Immobilien. Ausgerechnet in der europäischen Kapitale des Geldes haben es Gründer schwerer als anderswo, an sechs- oder siebenstellige Summen zu kommen, um nach der Startphase zu einem echten Branchenherausforderer heranwachsen zu können.

          Diese hohen Beträge können nur private Geldgeber riskieren, nicht der Staat. Solange sich aber Investoren in der Region nicht trauen, kann es keine Wachstumsgeschichten erfolgreicher Start-ups aus Hessen geben, die sich in der ganzen Welt verbreiten und damit wiederum internationale Investoren anlocken könnten. Und solange entstehen die Erfindungen und Arbeitsplätze der Zukunft, von denen auch Mittelständler und Konzerne zu nutze profitieren, anderswo.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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