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Streckennetz im Spessart : Mit dem Mountainbike den „Flow“ erleben

Schräglage: Ein Mountainbiker kurvt nahe Bad Orb durch den Spessart. Bild: Spessart Tourismus & Marketing G

Bad Orb und der Spessart setzen auf die Trendsportart, deren Anhänger oft wirtschaftlich gut ausgestattet sind. Für sie gibt es spezielle Radwege und Hotels mit Reparaturservice.

          Wie sportlich sind Fahrer von Mountainbikes wirklich? Wer glaubt, dass die Benutzer dieser sportlichen Räder stets mit sportlichem Ehrgeiz allein dank Muskelkraft Höhen erklimmen und komplizierte Steigungen bewältigen, der täuscht sind. Längst ist der Elektromotor auch für Mountainbikes ein willkommenes und häufiges Zubehör. Das ist gut für den Tourismus, denn damit wird in der wachsenden Schar der Mountainbikefahrer der Anteil der etwas älteren Sportler immer größer, und das hat vor allem Auswirkungen auf das gehobene Budget, das ihnen für Sport- und Freizeitaktivitäten zur Verfügung steht. Wie die heutigen Mountainbikefahrer eingestellt sind, welche Bedürfnisse sie haben und wie diese von der Tourismusindustrie am besten erfüllt werden können, das ist ein wichtiges Thema beim fünften Deutschen Mountainbike-Tourismuskongress in dieser Woche in Bad Orb. Rund 150 Experten der Branche aus Deutschland und dem benachbarten Ausland treffen sich hier, um sich über Trends, Entwicklungen sowie Potentiale zu informieren und gemeinsam an einer Professionalisierung des deutschen Mountainbike-Tourismus zu arbeiten, wie es dort heißt.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Veranstalter sind das Mountainbike Tourismusforum Deutschland, die Spessart Tourismus und Marketing GmbH sowie die Bad Orb Marketing GmbH. Es ist kein Zufall, dass es den beiden lokalen Akteuren gelungen ist, den Kongress nach Bad Orb zu holen, engagiert man sich hier doch seit geraumer Zeit dafür, den Trendsport im Spessart zu etablieren und zu stärken. Bad Orb sei ein Zentrum für Mountainbiker geworden, aber seine einschlägigen Stärken seien nicht ausreichend bekannt, sagt Bernhard Mosbacher, Geschäftsführer der vom Main-Kinzig-Kreis und der örtlichen IHK getragenen Tourismus und Marketing GmbH. Rund 15 Millionen Deutsche „biken“ laut Veranstalter in ihrer Freizeit, und 9,4 Millionen haben großes Interesse am Mountainbiken im Urlaub. Aus diesem wirtschaftlich lukrativen Potential wollen auch die lokalen Akteure zunehmend schöpfen. Ziel ist es laut Mosbacher, Bad Orb und den Spessart zur Nummer 1 des Mountainbikens im Rhein-Main-Gebiet zu machen. Hierbei konkurriere man mit dem Taunus und teilweise mit dem Odenwald. Daher gelte es, die hiesigen Vorteile bekannter zu machen. Die Spessart-Routen seien von Frankfurt aus mit dem Regionalzug samt Rädern schnell zu erreichen. Außerdem sei der Spessart an Feiertagen bei schönem Wetter längst nicht so überlaufen wie die Gegend um Frankfurt. Einen wichtigen Anziehungspunkt besitzt Bad Orb seit dem Sommer 2017, als der „Flowtrail“ eröffnet wurde. Er beginnt an der Wegscheide und führt rund neun Kilometer lang ins Tal mit einigen flacheren Strecken sowie einer Reihe von gezielten Herausforderungen für geübte Fahrer. Die Fähigkeit, sich auf diesen Abschnitten sicher zu bewegen, kann der Gast bei entsprechender Eignung in einem Übungsparcours erwerben.

          600 Kilometer lange Strecke

          Denn nur mit einigem Geschick kann er den erwünschten „Flow“ erleben, nämlich die reibungslose, fließende Überwindung der Streckenhindernisse. Das Streckennetz für Rad- und Mountainbiker im hessischen Spessart ist Mosbacher zufolge rund 600 Kilometer lang, 200 mehr hat der bayerische Teil zu bieten. Anders als der Bad Orber „Flowtrail“ sind diese Wege aber nicht neu durch den Wald gezogen worden, sondern wurden für das Radfahren mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden hergerichtet. Neben vorhandenen Wegen handelt es sich laut Tilman Sobek vom Vorstand des Mountainbike Tourismusforms Deutschland um aufgegebene Waldwege und -pfade, die neu ausgeschildert und von Unterholz befreit wurden.

          So soll es auch bei der geplanten, mit EU-Geldern geförderten „Spessart Acht“ sein. Vorhandene Wege will man im Main-Kinzig-Kreis sowie in den Landkreisen Main-Spessart, Miltenberg und Aschaffenburg zu einer Mountainbike-Runde mit einer Länge von bis zu 280 Kilometern in Form einer Acht zusammenfassen. Asphaltierte Strecken sind dabei so weit wie möglich die Ausnahme, schmale Fahrwege, sogenannte Trails, sollen den Hauptteil bilden. Derzeit laufen Mosbacher zufolge die Planungen für den genauen Verlauf der „Spessart Acht“. Geeignete Wege sind eine Voraussetzung, eine auf die Bedürfnisse der Mountainbiker abgestellte Infrastruktur eine weitere, um im Markt Erfolg zu haben, so Mosbacher.

          Viele Beherbergungsbetriebe in Bad Orb und Umgebung hätten das erkannt und böten den Gästen von Abstellmöglichkeiten für die Räder über ein sportlerfreundliches Speisenangebot bis hin zum Reparaturservice alles, was für den Service für die Zielgruppe erforderlich sei. Fahrradverleih, Ladestationen und Reparaturwerkstätten gebe es in und um Bad Orb ebenfalls schon. Auch die Nachbarkurstadt Bad Soden-Salmünster sei dabei, sich den Erfordernissen des Trends anzupassen. Vor allem die Einstiegsorte für die Streckenabschnitte der „Spessart Acht“ sollen künftig einen ähnlichen Service anbieten, sagt Mosbacher.

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