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Hessen investiert : Millionen für Parkplätze, Brücken und Autobahnkreuze

  • Aktualisiert am

Ausbaufähig: Offenbacher Kreuz Bild: dpa

8,2 Milliarden Euro aus dem Bundesverkehrswegeplan stehen für Hessens Fernstraßen bereit. Der Verkehrsminister will dort loslegen, wo es am nötigsten ist: An den vielen maroden Autobahnbrücken und speziellen Nadelöhren.

          Lastwagen-Kolonnen, Pendler, Dauerstau: Damit der Verkehr wieder flüssiger durchs Rhein-Main-Gebiet fließt, will Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir gezielt die Autobahnkreuze ausbauen. Nur wenn die „Nadelöhre und Flaschenhälse“ bekämpft würden, lohne sich eine Erweiterung der Autobahnabschnitte dazwischen, erklärte der Grünen-Politiker am Montag in Wiesbaden bei der detaillierten Vorstellung des Bundesverkehrswegeplanes 2030. Gerade auf der A3 und der A5 kämen zum Transit- und Laster-Verkehr die täglichen Pendlerströme hinzu.

          Weitere Schwerpunkte sind die Sanierung maroder Autobahnbrücken und der Bau zusätzlicher Parkplätze für Lastwagen. „Wir wollen da loslegen, wo es am nötigsten ist“, sagte Al-Wazir. Für die Autofahrer bedeute dies auch Behinderungen. „Alle fordern Investitionen in die Infrastruktur, aber keiner will eine Baustelle. Beides geht nicht.“

          640 Millionen Euro für Autobahnkreuze

          55 der insgesamt 92 hessischen Projekte aus dem Bundesverkehrswegeplan sollen vorrangig bis 2021 angegangen werden. „Die Alternative wäre, mit allem gleichzeitig zu beginnen, mit dem Ergebnis, dass nichts vorankommt“, sagte der Minister. Nach 2021 geht die Zuständigkeit für Planung, Bau und Betrieb von Autobahnen von den Ländern auf den Bund über.

          Den Ausbau der Autobahnkreuze für rund 640 Millionen Euro hatte Al-Wazir bereits im Februar angekündigt. Wann mit den Arbeiten konkret begonnen wird, ist noch unklar. Grund dafür sind allein Planungszeiten von zwei bis vier Jahren, wie der technische Geschäftsführer des Baudienstleisters Deges, Dirk Brandenburger, sagte. Dazu kämen dann noch zwei Jahre für die Baugenehmigung. Das Land hat Projekte mit einer Bausumme von rund 1,1 Milliarden Euro an die Deges vergeben, um die landeseigene „Hessen mobil“ zu entlasten.

          „Bei den Autobahnbrücken ist die Situation trotz der deutlich höheren Anstrengungen der letzten Jahre weiterhin dramatisch“, sagte Al-Wazir. Als Beispiel nannte er die Fuldabrücke Bergshausen auf der Autobahn 44 (Kassel-Dortmund). Weil das Bauwerk der Lastwagen-Last nicht mehr gewachsen ist, wurde im Januar ein Fahrstreifen dauerhaft gesperrt. Die Brücke sei insgesamt so marode, dass sie neu gebaut werden müsse, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Insgesamt setze das Land aber auf die Sanierung von Brücken.

          Um Laster-Fahrern genügend Parkplätze zu bieten, sollen 26 Tank- und Rastanlagen ausgebaut werden. Rund 126 Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Teilweise bildeten sich Rückstaus parkender Lastwagen bis auf die Autobahn, sagte Deges-Chef Brandenburger. „Das ist ein erhebliches Sicherheitsrisiko.“

          Geplant ist unter anderem auf der Autobahn 5, zwischen Darmstadt und der Landesgrenze nach Baden-Württemberg drei Parkplätzen mit WC-Häuschen weiter auszubauen. Mehr Platz für Lastwagen sollen künftig auch die Rastplätze Weiskirchen Nord und Süd an der A3 im Kreis Offenbach bieten. Dies sei auch wichtig, damit die Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten können, betonte Al-Wazir.

          Im Bundesverkehrswegeplan wird festgelegt, welche Neu- und Ausbauprojekte am dringlichsten sind. Das betrifft neben der Straße auch die Schiene und den Wasserweg. Für Hessens Autobahnen und Bundesstraßen stellt der Bund bis 2030 insgesamt 8,2 Milliarden Euro in Aussicht. Dieses Geld fließt jedoch nur in Neu- und Ausbauten. Daneben sind die Länder für die Sanierung und den Erhalt des Straßennetzes zuständig.

          Die wichtigsten Projekte auf hessischen Autobahnen

          Das Autobahnnetz in Hessen ist rund 1000 Kilometer lang, dazu kommen allein 3000 Kilometer Bundesstraßen. Welche Aus- und Neubauprojekte sollen bei den Autobahnen als erstes angegangen werden? Welche Investitionen aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030 sind vorgesehen?

          Bei sechs Autobahnkreuzen im Rhein-Main-Gebiet sind insgesamt Investitionen von 637,8 Millionen Euro vorgesehen, davon 372,6 Millionen Euro für Aus- und Neubau sowie 265,2 für den Erhalt. Im Einzelnen:

          A3: Offenbacher Kreuz (147,1 Millionen Euro), Wiesbadener Kreuz (54,9 Millionen Euro)

          A5: Bad Homburger Kreuz (108,5 Millionen Euro), Nordwestkreuz Frankfurt (117,2 Millionen Euro), Darmstädter Kreuz (57,7 Millionen Euro), Westkreuz Frankfurt (152,4 Millionen Euro)

          In diese Autobahnabschnitte fließen insgesamt 2,14 Milliarden Euro, davon 916,5 Millionen Euro für Aus- und Neubau sowie 1,22 Milliarden Euro für den Erhalt:

          A3: Anschlussstelle Frankfurt Flughafen bis Autobahndreieck Mönchhof (160,2 Millionen Euro)

          A5: Nordwestkreuz Frankfurt bis Westkreuz Frankfurt (33,4 Millionen Euro), Bad Homburger Kreuz bis Nordwestkreuz (143,8 Millionen Euro), Bad Homburger Kreuz bis Anschlussstelle Friedberg (131,9 Millionen Euro)

          A44: Autobahnkreuz Kassel West bis Autobahndreieck Kassel Süd (216,9 Millionen Euro)

          A45: Anschlussstelle Haiger/Burbach bis Autobahnkreuz Gambach (1,091 Milliarden Euro)

          A67: Autobahndreieck Mönchhof bis Rüsselsheimer Dreieck (114,7 Millionen Euro), Darmstädter Kreuz bis Anschlussstelle Lorsch (248,4 Millionen Euro)

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