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Hessen : Hahn fordert bessere Bildungsangebote für Migranten

  • -Aktualisiert am

Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Bild: Röth, Frank

Um die Integration von Menschen mit Wurzeln im Ausland in Hessen zu fördern, hat das Integrationsministerium vorgeschlagen, kommunale Bildungskonzepte zu erstellen.

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          Um die Integration von Menschen mit Wurzeln im Ausland in Hessen zu fördern, hat das Integrationsministerium vorgeschlagen, kommunale Bildungskonzepte zu erstellen, mit Migrantenorganisationen „Partnerschaften auf Augenhöhe“ zu pflegen und in Verwaltungen mehr Migranten zu beschäftigen. Diese und andere Empfehlungen stehen in einem Bericht über die Arbeit in sechs „Modellregionen“, den Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) jetzt vorgelegt hat. Der Landesausländerbeirat würdigte die Anstrengungen, übte aber auch Kritik. So sei dem Einsatz gegen Diskriminierung kein Raum gegeben worden.

          Dreieinhalb Jahre lang hatte das Land Initiativen in den Städten Wiesbaden, Offenbach, Kassel und Wetzlar sowie in den Landkreisen Hochtaunus und Main-Kinzig (einschließlich Hanau) gefördert, um Integrationspolitik strukturell zu verbessern. Die Arbeit wurde wissenschaftlich begleitet. Der Bericht fasst die Entwicklungen in den sechs Regionen zusammen. „Diese Erfahrungen sollten für andere Kommunen nutzbar gemacht werden“, äußerte Hahn in einer Mitteilung.

          Vereinsarbeit professionalisieren

          Der Bericht regt die Kommunen an, in einem Bildungskonzept auf bessere Übergänge zwischen den Lebensabschnitten Kindertagesstätte, Grundschule, weiterführende Schule und Beruf zu achten. Außerdem sollten in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen mit vielen Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund Konzepte „für eine gleichberechtigte Einbindung aller Eltern“ entwickelt werden. Zudem gebe es in vielen Fällen nur unzureichende Strukturen einer systematischen Vernetzung und Abstimmung von Bildungsträgern und Bildungsangeboten. Als beispielhaft würdigt der Bericht etwa das „Netzwerk Elternschule“, das die Stadt Offenbach 2010 gemeinsam mit 14freien Trägern gegründet hatte.

          Empfohlen wird den Kommunen auch, Migrantenorganisationen dabei zu helfen, ihre Vereinsarbeit zu professionalisieren. Es sollten Partnerschaften auf Augenhöhe entstehen. Den Kommunen wird geraten, auch mit strittigen Organisationen offensiv umzugehen. „Für einen möglichen Ausschluss von Migrantenorganisationen aus der Zusammenarbeit sollten - in einem engen Austausch mit Sicherheitsbehörden - Kriterien seitens der Verwaltungen entwickelt werden.“

          Qualifizierte Zuwanderer werden beraten

          Unter dem Stichwort „interkulturelle Öffnung“ rät der Bericht den Kommunen, mehr Migranten einzustellen. „Langfristig sollten sich die verändernden Bevölkerungsstrukturen auch in den Mitarbeiterstrukturen der Verwaltungen widerspiegeln.“ Außerdem solle es Fortbildungen zur interkulturellen Öffnung geben.

          Der Bericht widmet sich außerdem den Feldern Gesundheit/Sport, lokale Öffentlichkeit, Ehrenamt, Kultur und Integration in die Arbeitswelt. Beim Thema Arbeit werden etwa ein Fallmanagement im Hochtaunuskreis für 31 ausgewählte Hartz-IV-Familien und eine Initiative in Wiesbaden gewürdigt, in der qualifizierte Zuwanderer beraten werden.

          „Zusammenarbeit verbessern“

          Ulrike Foraci, Geschäftsführerin des Landesausländerbeirats, würdigte diese Beratungsstelle als ein „Novum“. Sie hat die Arbeit in den Modellregionen beobachtet. Foraci hob hervor, dass das Projekt der Landesregierung gerade in jenen Regionen wichtige Impulse gesetzt habe, in denen es bisher wenig integrationspolitische Angebote gegeben habe. Auch sei es gut gewesen, Migrantenorganisationen einzubinden. Ein Hauptkritikpunkt sei, dass die Frage von Diskriminierung und Vorurteilen außen vor gelassen worden sei. Eine Frage sei auch, ob die Arbeit fortgeführt werde. „Daran bemisst sich der Wert des Ganzen.“

          Wie eine Sprecherin des Integrationsministeriums sagte, will Hahn den Bericht bei einer Konferenz im Landtag am 12. April präsentieren. Dann solle auch ein Folgeprogramm vorgestellt werden. Eine Aufgabe hält der Bericht auch für die Landesregierung fest: „Die Zusammenarbeit der Ministerien zu diesem Thema sollte verbessert werden.“

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