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Attacke auf „kfz21“ : Hacker greifen Zulassungsbehörden in Hessen an

  • Aktualisiert am

Auch in Frankfurt beeinträchtigte die Störung die Ausgabe der Nummernschilder. Bild: dpa

Unbekannte greifen das Computersystem von Kfz-Zulassungsstellen in Hessen und Rheinland-Pfalz an. Das Unternehmen, das für die IT in den Behörden zuständig ist, spricht von einem Hackerangriff. Was wollten die Cyber-Kriminellen eigentlich?

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          In den frühen Morgenstunden schlagen die Sicherheitssysteme des kommunalen IT-Dienstleisters Ekom 21 Alarm: Über ein Internetmodul für Wunschkennzeichen starten mutmaßliche Cyber-Kriminelle einen Angriff auf Kfz-Zulassungsbehörden in Hessen und Rheinland-Pfalz. Kurze Zeit später geht über die Software „kfz21“ nichts mehr. Nahezu alle Zulassungsstellen in beiden Ländern sind handlungsunfähig. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) in Wiesbaden wird eingeschaltet.

          Unangemeldete Autos, Motorräder oder Lastwagen können am Montag in Rheinland-Pfalz und in weiten Teilen Hessens nicht für den Straßenverkehr zugelassen werden. „Natürlich ist darüber niemand begeistert gewesen“, sagt Ralph Rohr vom Ordnungsamt der Stadt Frankfurt, zu dem die Zulassungsstelle gehört. Täglich werden dort bis zu 800 Kunden betreut, die ihre Fahrzeuge zulassen oder abmelden wollen.

          Über Mitarbeiter-Account eingeloggt

          Das Unternehmen Ekom 21 betreut die IT-Infrastruktur von Einwohnermeldeämtern, Finanzverwaltungen oder Sozialämtern. Und die der Kfz-Zulassungsstellen in den beiden Bundesländern. „Wir haben unverzüglich reagiert und Server vom Netz genommen“, sagt Sprecher Stefan Thomas in Darmstadt. Auch in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz muss die Behörde dichtmachen. Zulassungsstellen in zahlreichen weiteren Städten und Kreisen folgen. In Hessen sind schließlich 23 von landesweit 25, in Rheinland-Pfalz alle 39 Zulassungsstellen betroffen.

          IT-Experten des LKA Hessen fahren kurz nach der IT-Attacke nach Gießen zum Sitz des Unternehmens Ekom 21. „Dort wurden Daten auf Speichermedien gesichert, um sie auszuwerten“, sagt LKA-Sprecher Max Weiß. Die Ermittler wollen die Verantwortlichen für den Angriff ermitteln. Auch das Kompetenzzentrum des Landes Hessen für Cybersicherheit wird eingeschaltet. Ekom 21 erstattet Strafanzeige.

          Über die betroffene Software „kfz21“ probieren die Cyberkriminellen offensichtlich, an Daten zu kommen. Wenige Stunden nach dem Angriff sagt ein Mitarbeiter von Ekom 21 Hit Radio FFH, die Hacker hätten sich über einen Account eines Mitarbeiters eingeloggt, um an Daten von Fahrzeughalter zu kommen. Ekom 21-Sprecher Thomas will das so nicht bestätigen: „Das war ein voreiliger Schluss eines Mitarbeiters.“

          Behörden den ganzen Tag geschlossen

          Behörden und Ämter sind für Hacker ein beliebtes Angriffsziel. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn registriert täglich rund 3500 Angriffe auf das Regierungsnetz, wie Sprecher Stephan Kohzer sagt. Allein im Jahr 2014 seien täglich 15 bis 20 Angriffe entdeckt worden, die durch normale Schutzmaßnahmen nicht erkannt worden wären.

          Stunden nach dem Angriff gelingt es Mitarbeitern der Ekom 21, die betroffene Software den Zulassungsstellen in beiden Ländern wieder zur Verfügung zu stellen. Für einige Behörden kommt die Hilfe zu spät - sie bleiben den ganzen Tag geschlossen.

          Nach ersten Erkenntnissen von Ekom 21 ist der Angriff über das Internetmodul „Kfz-Wunschkennzeichen“ erfolgt. Dort können Kunden online Kennzeichen reservieren. Das Angebot bleibt nun erstmal geschlossen, bis die Hintergründe klarer sind.

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