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Weniger Jobsuchende : Hessen sucht nach Arbeitskräften und Lehrlingen

Für Ausbildungsbetriebe wird es immer schwieriger, passende Lehrlinge zu finden. (Symbolbild) Bild: dpa

Die Zahl der Jobsuchenden ist im Jahresvergleich gesunken. Um Leute anzuwerben, wird die Industrie kreativ – und wirbt vor Eintracht-Spiel um Auszubildende.

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          Der Werbetruck, der heute Abend zum Saisonauftakt von Eintracht Frankfurt vor dem Stadion geparkt sein wird, scheint so gar nicht zu den üblichen Sponsoren des Fußballclubs zu passen. Er trägt kein Logo eines Sportausrüsters, Bierbrauers, Colakonzerns, Wettanbieters oder eines Autohauses, sondern das Emblem des Industrieverbandes Hessenmetall. „Deine Chance in der Metall- und Elektroindustrie“ ist der Infostand im Sattelauflieger überschrieben, daneben prangen die Fotos zweier Jugendlicher. Mit dem Truck wolle der Verband um Nachwuchs werben und über Ausbildungsmöglichkeiten informieren, sagt Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall. „Genau wie Eintracht Frankfurt sind auch Unternehmen immer auf der Suche nach den Talenten von morgen.“ Der Branchenverband von 600 Unternehmen hat dafür extra einen Kooperationsvertrag mit der Eintracht unterzeichnet.

          Falk Heunemann

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Solche ungewöhnlichen Werbeaktionen scheinen mittlerweile nötig zu sein, um Lehrlinge zu gewinnen. Denn so leergefegt wie zum heutigen Beginn des Ausbildungsjahres ist der Markt wohl noch nie gewesen. Mehr als 13.000 Ausbildungsstellen seien in Hessen unbesetzt, berichtete die Regionaldirektion des Bundesarbeitsagentur. Und das nicht nur im Handwerk oder der Logistik. „Selbst bei Bankkaufleuten und Handelsfachwirten gibt es noch Kapazitäten“, sagt Bettina Wolf, Operativ-Leiterin der Regionaldirektion. Also auch in Dienstleistungsberufen ohne Schichtdienst und harte Handarbeit wird noch Nachwuchs gesucht. Zugleich seien knapp 11.000 Jugendliche auf der Suche, rund 1000 weniger als zur selben Zeit vor einem Jahr.

          Die meisten offenen Lehrstellen gebe es derzeit im Einzelhandel, sagt Wolf. Der Lehrlingsmangel ist mittlerweile das größte Problem für die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt. Denn zugleich ist die Arbeitslosigkeit im Langzeitvergleich so gering wie nie, auch wenn sie wegen des Schuljahresendes von Juni auf Juli leicht angestiegen ist. Aber die nun 153.000 Arbeitslosen sind immer noch 4000 weniger als im Juli 2018, das entspricht einer Quote von 4,5 Prozent. Auch die Zahl der sogenannten Unterbeschäftigten, bei denen Arbeitslose in Weiterbildung und Kranke mitgezählt werden, ist deutlich gesunken.

          Arbeitslosigkeit so gering wie noch nie

          36.200 Stellen sind nach Angaben der Arbeitsagentur in Hessen aktuell unbesetzt. Das könnte dazu führen, dass Unternehmen nicht mehr in der Lage sind, Aufträge und Bestellungen abzuarbeiten, und Kunden sich andere Lieferanten und Dienstleister im Ausland suchen. Zugleich sind die derzeit Arbeitslosen oft schlecht qualifiziert, sie haben keinen Berufsabschluss, oder ihre Sprachkenntnisse sind unzureichend. Am sinnvollsten erscheint es daher vielen Unternehmen, sich ihre Beschäftigten von morgen selbst auszubilden. Doch Jugendliche wollen nun einmal lieber studieren, weil sie glauben, danach mehr verdienen zu können. Was auch stimmt: Die Arbeitsagentur bezifferte jüngst das Verdienstplus für Studierte auf durchschnittlich 2000 Euro brutto im Monat.

          Arbeitsagentur und Wirtschaftsverbände hoffen dennoch, Jugendliche von den Vorteilen einer Berufsausbildung zu überzeugen. Dirk Pollert wünscht sich unter anderem, dass mehr in den Wohnungsbau und den Ausbau der Verkehrsanbindungen investiert wird, um es interessierten Jugendlichen zu erleichtern, auch entlegenere Lehrstellen anzunehmen. Und er fordert, dass das Land „noch mehr Mittel in die Hand nimmt, um für die duale Ausbildung zu werben“. Ein Truck vor dem Stadion allein wird schließlich kaum ausreichen.

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