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Erstaufnahmestellen voll : Hessen erwartet bis zu 40.000 Flüchtlinge

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Einer von Tausenden: Junger Flüchtling, aufgenommen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen Bild: dpa

Es bleibt voll in Hessens Unterkünften für Flüchtlinge. Seit Monaten geht es für die Behörden darum, immer neue Betten für die Menschen zu finden. Auch außerhalb der Einrichtungen. Nun berät der Landtag über die Aufnahme.

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          Der hessische Landtag berät zu Beginn seiner neuen Sitzungswoche über die Aufnahme von Flüchtlingen im Land. In den vergangenen Wochen sind so viele Asylbewerber gekommen, dass nicht nur die Erstaufnahmestellen, sondern auch Kommunen wie der Main-Taunus-Kreis sie in Zelten unterbringen müssen.Vergangene Woche lobte Bundespräsident Joachim Gauck das Engagement für Flüchtlinge in Gießen, wo er auch eine Schule besuchte.

          Klar ist: Hessens Behörden und ihre Mitarbeiter haben weiterhin alle Hände voll zu tun, die vielen Asylsuchenden unterzubringen. Erst vor wenigen Wochen eröffnete eine große Unterkunft für Neuankömmlinge im mittelhessischen Neustadt. Doch schon werden Zelte gebraucht. Doch es bleiben Fragen:

          Wie viele Flüchtlinge kommen derzeit nach Hessen?

          So viele wie seit Jahren nicht. Zu Beginn dieser Woche lebten 5942 Asylsuchende in der hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge - ein neuer Rekord. Montags ist es nach Angaben des zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Gießen besonders voll. Denn am Wochenende werden die Menschen nicht auf die Kommunen und Kreise verteilt. Insgesamt zählte das Land in diesem Jahr bereits rund 12.600 Menschen, die hier einen Asylantrag stellten. Bis Ende des Jahres könnten es dem Sozialministerium zufolge bis zu 40 000 sein - das wären dann mehr als doppelt so viele wie 2014 mit rund 17.500.

          Wo leben die Menschen?

          Zunächst für einige Wochen in Hessens Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, wo sie auch den Asylantrag stellen. Gießen ist die Haupt-Anlaufstelle für Neuankömmlinge in Hessen. Weil deren Zahl weiter steigt, gibt es mittlerweile mehrere Außenstellen: am Gießener Stadtrand, in Bad Arolsen sowie Kirchheim. Im Mai eröffnete zudem in Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf) eine zweite Erstaufnahmestelle. Nach der Zeit in der Erstaufnahme geht es für die Menschen in die Städten und Gemeinden oder in andere Bundesländer. In den Kommunen stehen verschiedene Gemeinschaftsunterkünfte in Wohnungen, früheren Pflegeheimen oder Containerdörfern bereit.

          Wie viel Betten gibt es für die Neuankömmlinge?

          An den verschiedenen Standorten der Erstaufnahmeeinrichtung gibt es bei maximaler Belegung Platz für insgesamt 4600 Menschen. Aktuell sind die Unterkünfte aber so voll, dass sie auch in Sozialräumen und in Zelten einquartiert werden - „als Übergangslösung“, wie das RP betont. Die Zelte stehen in Gießen sowie auf dem Gelände des hessischen Katastrophenschutzzentrallagers in Wetzlar. Platz gibt es so für 1500 weitere Asylsuchende. Auch die Kommunen stellen Zelte auf: In Schwalbach (Main-Taunus-Kreis) etwa sollen darin 40 Personen unterkommen.

          Warum gibt es nicht genug Platz?

          Auch wenn Hessen immer weiter aufstockt - die Kapazitäten reichen nicht oder nur für kurze Zeit. Gießens Regierungspräsident Lars Witteck (CDU) beschrieb im Mai die Situation angesichts der seit zweieinhalb Jahren steigenden Flüchtlingszahlen so: Ein Problem bei der Planung sei, dass die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge prognostizierten Zahlen teilweise monatlich nach oben korrigiert worden seien. „Dies hatte zur Folge, dass für unsere Planungen keine valide Datengrundlage vorhanden war und immer dann, wenn wir glaubten, jedem Flüchtling ein festes Dach über dem Kopf bieten zu können, die gerade geschaffenen Kapazitäten schon wieder nicht ausreichten.“ Auch beim Personal stockte die Behörde auf oder engagierte externe Dienstleister.

          Wird es neue Unterkünfte für Flüchtlinge geben?

          Ja. Dem Sozialministerium zufolge werden verschiedene Standorte geprüft. So hat das Land demnach das Bundesverteidigungsministerium aufgefordert, eine Kaserne in Rotenburg (Kreis Hersfeld-Rotenburg) freizugeben, um Platz für weitere 800 Menschen zu schaffen. Diese „wäre aufgrund des guten Zustands sehr geeignet, hier Menschen unterzubringen, die in unserem Land Schutz suchen“. Im Herbst soll zudem in Büdingen im Wetteraukreis Hessens dritte Erstaufnahmeeinrichtung eröffnen.

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