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Corona-Lockerungen in Hessen : Mehr Plätze in Lokalen

Mindestmaß: Diese Regel gilt weiter auch in Gaststätten. Bild: Wonge Bergmann

Die Landesregierung hat die Fünf-Quadratmeter-Regelung für die Gastronomie gekippt. Weiter gehende Lockerungen hält Gesundheitsminister Klose für noch zu früh.

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          Vor dem Pfingstwochenende hat die hessische Landesregierung eine Lockerung der Corona-Auflagen für Gastronomiebetriebe in Hessen beschlossen. Von Donnerstag an entfällt die Vorgabe, dass je Gast mindestens fünf Quadratmeter Fläche zur Verfügung stehen müssen. Lokale haben aber weiterhin streng darauf zu achten, dass ihre Gäste in Restaurant, Café oder Kneipe einen Mindestabstand von 1,5 Metern einhalten können. Dementsprechend dürfen auch künftig nicht alle Sitzplätze belegt werden. Die Flächenbegrenzungen für Veranstaltungen und den Einzelhandel bleiben bestehen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In den vergangenen eineinhalb Wochen habe sich gezeigt, dass ein behutsames Aufweichen der Abstandsregeln in der Gastronomie vertretbar sei, äußerte der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen). Der Hotel- und Gastronomieverband Dehoga begrüßte die Lockerung. „Das Hemmnis der Fünf-Quadratmeter-Regel war eine zusätzliche Fessel, und es ist gut, dass die Branche von dieser befreit ist“, kommentierte der Dehoga-Landesvorsitzende Gerald Kink.

          Wie bereits in der vergangenen Woche von Sozialminister Kai Klose (Die Grünen) angekündigt, eröffnet die Regierung vom 2. Juni an die Möglichkeit für eine „eingeschränkte Regelbetreuung“ in Kindertagesstätten. Anspruch auf ein solches Angebot hätten alle Familien, für die bisher ein Recht auf Notbetreuung bestanden habe und in denen beide Elternteile berufstätig seien. Darüber hinaus könnten Kinder berufstätiger und studierender Alleinerziehender, deren Betreuung in einer Tageseinrichtung aufgrund einer Entscheidung des Jugendamts dringend erforderlich sei, sowie Kinder mit Behinderung die Betreuung vorrangig nutzen. Weitere freie Plätze würden von den Trägern der Einrichtungen in Absprache mit dem Jugendamt vergeben. Die Landesregierung gebe keine maximale Betreuungszahl vor.

          Grenzwert unterschritten

          In der hessischen Landesregierung wird erwogen, über die nationalen Vorgaben zur Bekämpfung des Virus an bestimmten Punkten hinauszugehen. Dies gilt beispielsweise für die Regel, dass Lockerungen in Kreisen oder kreisfreien Städten zurückgenommen werden, wenn innerhalb einer Woche 50 neue Infektionen pro 100.000 Einwohner gemeldet werden. Dies sei nur „eine letzte rote Linie“, sagte Klose am Dienstag auf einer Pressekonferenz. „Es sind auch Vorstufen denkbar.“ Mehrere andere Bundesländer haben den Grenzwert bereits gesenkt. Gegenwärtig werde er in allen Teilen Hessens deutlich unterschritten, teilte Klose mit. Lockerungen, wie sie der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) befürwortet, hält Klose für zu früh.

          „Auseinandersetzen“ will Klose sich auch mit der Praxis der inzwischen wieder erlaubten Gottesdienste. Die Teilnehmer seien bewusst nicht verpflichtet worden, ihren Namen anzugeben, weil sie das Grundrecht der freien Religionsausübung wahrnähmen. Allerdings gäben die großen christlichen Kirchen ihren Gemeinden die Empfehlung, die Gläubigen namentlich zu registrieren. Welche Nachteile der Verzicht darauf hat, zeigt der Ausbruch des Virus in einem Gottesdienst der Frankfurter Baptisten-Gemeinde. Die Behörden seien noch damit beschäftigt, deutlich mehr als 150 Kontaktpersonen zu ermitteln, berichtete René Gottschalk, der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamtes. Laut Klose sind inzwischen 112 infizierte Personen positiv getestet worden.

          Nach seinen Angaben werden in den hessischen Krankenhäusern gegenwärtig 450 mit dem Virus infizierte Menschen behandelt. 112 müssen intensiv überwacht werden. In den Kliniken stehen 804 Beatmungsbetten bereit. Insgesamt sind 10.941 Betten frei. Kloses Pressekonferenz diente auch dazu, eine Untersuchung der Frage vorzustellen, wie viele Menschen sich mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert haben, ohne es zu bemerken. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Durchseuchung bei uns im Rhein-Main-Gebiet sehr gering ist“, äußerte Sandra Ciesek, Direktorin der Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt. Mit einem Nasen-Rachen-Abstrich und Blutproben waren Mitte April 1000 gesunde Mitarbeiter des Wiesbadener Unternehmens Infraserv Höchst getestet worden. Bei einem Teilnehmer wurde eine akute Infektion nachgewiesen, die er selbst nicht bemerkt hatte, weil sie ohne Symptome verlaufen war. Fünf weitere wiesen Antikörper auf, hatten also schon eine Infektion gehabt. Von ihnen wussten dies zwei. So ergab die Untersuchung, dass vier von sechs positiv getesteten Teilnehmern nichts von ihrer Infektion wussten.

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