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Bundesarbeitsagentur in Hessen : Die Hälfte der Flüchtlinge hat einen Job

Integriert: Der Leiter der Bundesarbeitsagentur in Hessen ist zufrieden (Symbolbild). Bild: Rainer Wohlfahrt

Der Leiter der Bundesarbeitsagentur in Hessen ist weitgehend zufrieden mit der Flüchtlingsintegration. Ohne die Geflüchteten würde die Zahl der Auszubildenden stetig sinken.

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          „Wir haben es noch nicht geschafft“, sagt Frank Martin. „Aber wir haben schon vieles geschafft.“ Der Leiter der Bundesarbeitsagentur in Hessen findet, dass die Flüchtlingsintegration fünf Jahre nach Angela Merkels „Wir schaffen das“ auf dem richtigen Weg ist – aber auch, dass die Entwicklung stagniert.

          Falk Heunemann
          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit 2015 wurden in Hessen 132.000 Flüchtlinge aufgenommen, die meisten aus Syrien, der Türkei, Iran und Afghanistan. Fast 30.000 haben das Bundesland wieder verlassen, die große Mehrheit davon übrigens freiwillig. Bei knapp einem Viertel der Verbliebenen handelt es sich um Kinder und Jugendliche, die erst einmal zur Schule gingen oder noch gehen – rund 1000 studieren nun.

          „Hohe Arbeitsmotivation von Flüchtlingen“

          Die meisten der Geflüchteten aber sind zwischen 20 und 30 Jahre alt und männlich. Anfangs durften viele von ihnen nicht arbeiten, da sie noch auf ihren Asylbescheid warteten, der im Streitfall immer noch im Schnitt 12,1 Monate dauert. Inzwischen sind drei Viertel der Asylsuchenden anerkannt worden, 19 Prozent warten auf ihren Bescheid, sechs Prozent wurden abgelehnt.

          Viele der arbeitsfähigen Flüchtlinge mussten erst für den Arbeitsmarkt fit gemacht werden, erklärt Martin. Im Hessischen Integrationsmonitor heißt es: „Mehrere Studien dokumentieren die hohe Arbeitsmotivation von Geflüchteten.“ Doch vielen fehlte eine Schulbildung, die sie erst erwerben mussten. Dazu kamen Deutsch-Intensivkurse, die bis zu zwei Jahre dauerten. So schlägt die „Flüchtlingswelle“ von 2015 nur langsam am Arbeitsmarkt auf.

          Jeder neunte Handwerkslehrling ist ein Flüchtling

          Von den arbeitsbereiten Flüchtlingen hat nun etwa die Hälfte einen Job. 16.000 sind arbeitslos, weitere 37.000 arbeitssuchend, ihnen fehlt meist noch immer ein Schulabschluss.

          Mit dieser Quote liege Hessen im Plan, sagt der Chef der Arbeitsagentur. „Wir haben immer gesagt, dass es zehn bis 15 Jahre dauert, 70 Prozent zu integrieren.“ Jeder zweite arbeitende Flüchtling ist als Helfer in Jobs beschäftigt, für die sich bisher kein Arbeitnehmer fand, zum Beispiel in der Logistik und in der Gastronomie. Solche Jobs sind freilich konjunkturanfällig und schlecht bezahlt. 40 Prozent seien aber inzwischen Fachkräfte, sie haben etwa Berufsabschlüsse als Handwerker erworben. „Das ist mehr, als ursprünglich zu erwarten war“, sagt Martin. Zudem würden Flüchtlinge den Lehrlingsmangel in Hessen erheblich mindern. Bereits jeder neunte Handwerkslehrling ist ein Flüchtling. Ohne sie würde die Zahl der Auszubildenden von Jahr zu Jahr sinken.

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