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Neuinfektionen rückläufig : Viele Corona-Tote in Hessen

Testfall: Versuchsaufbau im Universitätsklinikum Marburg zur Prüfung von Gesichtsmasken Bild: Lucas Bäuml

Nach der typischen „Montagsdelle“ stehen für Hessen wieder mehr Corona-Neuinfektionen und vor allem mehr Covid-19-Opfer zu Buche. Im Wochenvergleich zeigt die Infektionskurve aber abwärts.

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          Die vergleichsweise wenigen zu Wochenbeginn in Hessen bekannt gewordenen Corona-Neuinfektionen sind abermals dem  Meldeverzug geschuldet gewesen. Das zeigen die neuen Daten des  Robert-Koch-Instituts (RKI). Demnach stehen für dieses Bundesland mehr als doppelt so viele neue Covid-19-Fälle zu Buche als am Montag. Es sind 1282 an der Zahl. Das sind wiederum knapp 1000 weniger als der hessische Rekord. Dies spricht wie die Zahlen der Vortage dafür, dass das Plateau bei den Neuinfektionen, wie von Ärzten und Politikern erhofft, erreicht ist. Zudem fällt der Wochenvergleich erfreulich aus. 1282 neue Fälle bedeuten 270 weniger als am vergangenen Dienstag gemeldet. 

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Umgekehrt sieht es allerdings mit Blick auf die Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie aus. Das RKI meldet 50 weitere Tote im Zusammenhang mit Corona, zwölf mehr als vor einer Woche. Das ist eine hohe Zahl. Erfahrungsgemäß machen sich gestiegene Fallzahlen und schwere Verläufe der vom Coronavirus verursachten Lungenerkrankung erst nach Wochen auf den Intensivstationen bemerkbar und dann in manchem Fall bei den Todeszahlen.

          Seit Beginn der Pandemie sind in Hessen 1298 der 88.078 bestätigten Infizierten gestorben. Zum Vergleich: Bis 1. Oktober waren gut 19.000 Fälle seit März und 551 Todesfälle bekannt. Dies zeigt die Dynamik der Pandemie im Spätherbst. Rund 59.900 Personen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt hatten, gelten mittlerweile als genesen. Allerdings schätzt das RKI die Größe dieser Gruppe nur.

          Von diesem Dienstag an gelten in Hessen einige neue Corona-Verhaltensregeln des Landes. Sie betreffen das Privatleben ebenso wie den Handel und Dienstleister. Das Land reagiert mit diesen Vorgaben auf das anhaltend rege Infektionsgeschehen und die weiter rote Corona-Landkarte: Die Großstädte und die Mehrzahl der 21 Landkreise liegen auf der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Nur die Kreise Hersfeld-Rotenburg und Waldeck-Frankenberg weisen weniger als 100 binnen Wochenfrist bestätigte Fälle unter 100.000 Einwohnern auf. Die Bergstraße und der Vogelsberg, wie die beiden zuvor genannten Kreise ländlich geprägt, kommen nun auf eine Inzidenz von mehr als 100.

          Für Frankfurt stehen 170 zu Buche, was eine leichte Zunahme gegenüber Montag bedeutet. Der Kreis Offenbach hat 206. Offenbach kommt auf 277 nach 255. Das RKI meldet für Wiesbaden eine Inzidenz von 176, die Stadt schreibt sich selbst 202 zu. Damit setzt sich die Reihe von Tagen mit widersprüchlichen Daten fort. Die Stadt meldet dazu online abermals: „In den Statistiken des Landes Hessen und des RKI fehlen aktuell circa 400 Meldungen, sodass die dortige 7-Tage-Inzidenz einen deutlich niedrigeren Wert aufweist als die vom Gesundheitsamt tagesaktuell erhobenen Daten. Der Arbeitsprozess wurde zwischenzeitlich angepasst, sodass sich die Zahlen in den kommenden Tagen angleichen werden. Die Meldungen des Gesundheitsamtes geben das tatsächliche Infektionsgeschehen in Wiesbaden wieder.“ Für Hessen gibt das RKI die Inzidenz mit 153 an, Tendenz sinkend.

          Hohe Inzidenz nach Virusausbruch in Altenheim

          Die Gießener Kreiskommune Linden ragt aus der hessischen Landkarte weiter mit einer sehr hohen Inzidenz von fast 490 heraus. Grund ist ein Ausbruch in einem Altenheim. Der Kreis meldet 174 aktive Fälle für Linden, doch nur etwa 65 können laut Inzidenz binnen Wochenfrist bestätigt worden sein. Diese Kennziffer wird in diesem Fall auf 100.000 virtuelle Einwohner hochgerechnet, um Vergleichbarkeit herzustellen mit Daten aus Kreisen und Großstädten. Nach einem Hilferuf in sozialen Netzen erfährt die Heimleitung eine Welle der Hilfsbereitschaft.

          Weiter aufwärts zeigt die Kurve mit Blick auf die Corona-Kranken in hessischen Kliniken und dabei auch auf die beatmeten Patienten. Nach 1628 Covid-19-Patienten vor einer Woche betreuen die Krankenhäuser nun fast 100 mehr. Die Zahl der Beatmeten ist von 327 auf 371 gestiegen. Das sind gut sieben Mal so viele wie Anfang Oktober. „Derzeit gibt es 281 freie Beatmungsbetten in hessischen Krankenhäusern“, teilte das Sozialministerium der F.A.Z. am vergangenen Mittwoch mit; es aktualisiert diese Zahlen wöchentlich. Ob es auch genügend qualifiziertes Personal für diese Betten gibt, steht dahin. Vor einigen Tagen zeigte sich der ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Frankfurt wegen Personalmangels besorgt.

          Das hessische Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. In den ersten Wochen der Pandemie berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

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