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Absichten des Hessen-Centers : Aus Konkurrenten werden Partner

Großbaustelle: Das alte Parkdeck am Hessen-Center wurde abgerissen, das neue soll bis 2020 fertig sein. Bild: Wonge Bergmann

Das Hessen-Center will sich im Gewerbeverein Bergen-Enkheim für den Einkaufsstandort einsetzen. Denn die Händler und das große Einkaufszentrum haben einen gemeinsamen Gegner.

          Es ist aus historischer Sicht ein bemerkenswerter Tagesordnungspunkt: Das Hessen-Center in Bergen-Enkheim möchte Mitglied des örtlichen Gewerbevereins werden. Bei der Hauptversammlung heute Abend soll über den Beitritt abgestimmt werden. Für den größten Gewerbeverein Frankfurts wäre die Aufnahme des Einkaufszentrums ein Sprung über den eigenen Schatten: Denn einst hatten sich die Gewerbetreibenden im Stadtteil zusammengeschlossen, um dem Anfang der siebziger Jahre an der Borsigallee eröffneten Hessen-Center Paroli bieten zu können. Das ist Vergangenheit, nun rücken Einzelhändler und Einkaufszentrum zusammen.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Frank Weil, der Vorsitzende des Gewerbevereins, gibt sich zuversichtlich: „Der Beitritt dürfte beschlossen werden.“ Das alte Konkurrenzdenken sei überholt. Nicht mehr das scheinbar übermächtige Einkaufszentrums, sondern die im Internet dominierenden Einkaufsplattformen seien die „gemeinsamen Feinde“ des stationären Einzelhandels. „Heute trägt jeder Kunde mit seinem Smartphone das Online-Kaufhaus in der Hosentasche“, sagt Weil. Ein gemeinsames Werben für den eigenen Einkaufsstandort sei umso wichtiger. Das gelte für alle 125 Mitglieder des Gewerbevereins. Auch Center-Manager Olaf Kindt zeigt sich aufgeschlossen. Seit 2018 leitet Kindt das zur Hamburger ECE Projektmanagement GmbH gehörende Einkaufszentrum, in dem es aktuell 115 Geschäfte gibt.

          Auch die Großen dabei haben

          Wenn das umliegende Gewerbe sich organisiere, um im Wettbewerb zu bestehen, sei es doch sinnvoll, auch die Großen dabeizuhaben, sagt Kindt. Er habe darum den Kontakt zum Gewerbeverein gesucht. „Letztlich kann der Zusammenschluss auch uns guttun.“ Gemeinsame Marketing-Aktionen seien möglich, um auf den Einkaufsstandort aufmerksam zu machen. Zumal das Hessen-Center gerade in einer Umbauphase steckt. Bis 2020 soll der Parkplatz vor dem Einkaufszentrum erneuert werden.

          Eine Hälfte des doppelstöckigen Parkhauses ist bereits abgerissen, die zweite Hälfte folgt von Herbst an. Dort wird ein Parkhaus für 1800 Autos gebaut. Der benachbarte Parkplatz an der Ausfahrt der Autobahn 66 bleibe erhalten. Center-Manager Kindt spricht vom „modernsten Parkhaus der Stadt“ mit geräumigen Stellplätzen, Anzeigen für freie Parkplätze und 70 Elektro-Ladestationen. Es sei ein neues Bezahlsystem geplant, bei dem künftig auf Parktickets und Schranken verzichtet werden könnte. Für Kunden, die zu Fuß kämen, würden die Wege zur Mall neu angelegt. Die Arbeiten, in die die Hamburger Center-Betreiber 45 Millionen Euro investieren, sind der verbliebene Teil der vor drei Jahren angekündigten Erweiterung des Einkaufszentrums.

          Eigentlich sollte das Gebäude ausgebaut werden, es wäre näher an die Borsigallee herangerückt, die Fläche wäre um 14.000 Quadratmeter erweitert worden. Das Vorhaben war jedoch umstritten, die umliegenden Einkaufsstandorte fürchteten massive Auswirkungen. Vor allem gab es aber planungsrechtliche Hindernisse. Die Suche nach einem Kompromiss habe letztlich zu lange gedauert, sagt Kindt. Weswegen das Betreiberunternehmen im vergangenen Jahr wieder Abstand nahm von den Erweiterungsplänen, um die Sanierung starten zu können. Die Erneuerung des Parkhauses habe nicht länger aufgeschoben werden können. Zudem solle das Hessen-Center bis 2021, wenn es 50 Jahre alt werde, attraktiver gestaltet sein. Technik und Ladenstraßen würden erneuert, die Fassade werde neu gestrichen. In den derzeit leerstehenden 7000 Quadratmeter großen Laden soll wieder ein Lebensmittel-Discounter einziehen. Die Verhandlungen seien im Endstadium, so Kindt.

          Vom erneuerten Hessen-Center sollen künftig die Gewerbetreibenden im ganzen Stadtteil profitieren, sagt der Center-Manager. Erste Aktionen, wie ein Shuttle-Bus, der vom Einkaufszentrum in Enkheim zum Weihnachtsmarkt in Bergen pendelte, wurden schon initiiert und sollen fortgeführt werden. Erstmals habe dieses zudem beim vergangenen Triebstraßenfest eine Hüpfburg aufstellen dürfen. Vor Jahrzehnten wären die an der Triebstraße ansässigen Einzelhändler dagegen noch Sturm gelaufen, meint Gewerbevereins-Chef Weil.

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