https://www.faz.net/-gzg-75isj

Hessen-CDU : Zahlenspiele mit historischen Ergebnissen

  • -Aktualisiert am

Umfragen sehen Volker Bouffier und seine Hessen-CDU derzeit bei rund 36 Prozent Bild: Röth, Frank

Der Landtag streitet um den Termin für den nächsten Urnengang. Die Hessen-CDU schneidet bei Landtagswahlen oft besser ab als bei Bundestagswahlen - aber das war nicht immer so.

          2 Min.

          Die jüngste Umfrage vom vergangenen Dezember deutet auf eine rot-grüne Mehrheit hin, würde am nächsten Sonntag in Hessen gewählt. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt, auch bei jenen, die trotz der deprimierenden Sympathiewerte der FDP noch auf eine Fortführung der schwarz-gelben Koalition nach der nächsten Landtagswahl setzen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Liberalen würden den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schon wieder schaffen, heißt es in der CDU optimistisch. Was das eigene Abschneiden betrifft, so wird von manchen auf den Bonus von Kanzlerin Angela Merkel im Bund und gelegentlich auch auf die Tradition hingewiesen, dass die hessische Union bei Landtagswahlen meist noch ein wenig besser abschneide als bei Bundestagwahlen. Tatsächlich könnte die Hessen-CDU aus ihren Ergebnissen bei Bundes- und Landtagswahlen seit 1969 Hoffnung schöpfen, falls man die Statistik dort tatsächlich als aussagekräftigen Hinweis auf ihr künftiges Abschneiden verstehen würde.

          „Rund 40 Prozent“ für die Union

          Meist fielen ihre Ergebnisse bei Landtagswahlen nämlich besser aus als bei Bundestagswahlen; von 0,8 (1987) bis 11,7 Prozentpunkte (2003) reicht die Spanne in den vergangenen vier Jahrzehnten. 2003 erreichte die Hessen-CDU mit 48,8 Prozent die absolute Mehrheit der Landtagsmandate, während sie bei der Bundestagswahl im Jahr zuvor nur auf 37,1 Prozent gekommen war. Auch 2008 und bei der vorgezogenen Neuwahl Anfang 2009 fiel das Ergebnis deutlich zugunsten der Landtagswahl aus: 36,8 zu 33,7 Prozent beziehungsweise 37,2 zu 32,2 Prozent.

          Derartige Zahlenspiele verleiten manche Auguren dazu, jene 37,5 Prozent, die die Union nach Einschätzung des Instituts für Demoskopie Allensbach derzeit im Bund erreichen könnte, für die hessische Landtagswahl auf „rund 40 Prozent“ hochzurechnen. Selbst die Tatsache, dass die Landes-CDU bei einer Umfrage im Auftrag des Hessischen Rundfunks vor Monatsfrist nur bei 36 Prozent gelegen habe, spreche nicht gegen optimistischere Prognosen.

          Natürlich hat jede Regel ihre Ausnahmen, und auch der Vergleich der Ergebnisse von Bundes- und Landtagswahlen hat erkennbare Schwächen. Bei den beiden Landtagswahlen 1991 und 1995 schnitt die CDU mit 40,2 Prozent und 39,2 Prozent nämlich sogar etwas schlechter ab als bei den Bundestagswahlen jeweils ein Jahr zuvor (41,3 und 40,7 Prozent).

          Deprimierende 18,8 Prozent

          Die Landtagsopposition verweist zudem auf noch weiter zurückliegende Ergebnisse. So erinnert man sich bei den Sozialdemokraten gern an die fünfziger und sechziger Jahre, als Hessen von Landesvater Georg August Zinn (SPD) regiert wurde und die CDU kein Bein auf den Boden bekam.

          Mit deprimierenden 18,8 Prozent ging die Union aus der ersten Landtagswahlkampagne 1950 hervor, stieg zwischenzeitlich auf bis zu 32 Prozent, lag aber 1966 immer noch bei lediglich 26,4 Prozent und damit stets deutlich hinter ihren Resultaten bei Bundestagswahlen zurück. Besser als die SPD schnitt die CDU auf Landesebene erstmals 1974 ab; das Resultat damals: 47,3 zu 43,2 Prozent zugunsten der Union. Für die Sozialdemokraten reichte es damals, dank des Koalitionspartners FDP, aber immer noch, um wieder den Ministerpräsidenten zu stellen.

          Weitere Themen

          Rückkehr zur Ruhe

          Flüchtlingsunterkunft : Rückkehr zur Ruhe

          Die Bewohner einer Flüchtlingsunterkunft in Frankfurt haben mit ihren Protesten erreicht, was den Verantwortlichen nicht gelungen ist: eine vorläufige Verbesserung der Wohnsituation.

          Topmeldungen

          Christian Sewing und Martin Zielke (rechts)

          Nach Zielkes Rückzug : Sewing, übernehmen Sie!

          Es darf bezweifelt werden, dass die Commerzbank den Weg aus ihrer schwersten Krise alleine findet. Und so dürfte es mit Blick auf den Chef der Deutschen Bank bald heißen: Herr Sewing, übernehmen Sie.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.