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Aufklär-Comic für Flüchtlinge : Autsch!! Grapsch!!

Deutlich: Szenen aus dem Comic des Justizministeriums, das in den Unterrichtsstunden eingesetzt wird. Bild: Hessisches Ministerium der Justiz

Mit einem Comic will das hessische Justizministerium Flüchtlingen den Rechtsstaat erklären. Wird es die Menschen erreichen? Das hängt nicht zuletzt von den Flüchtlingen selbst ab.

          Integration per Comic? Nicht wenige werden denken, das passe zu einer naiven Willkommenskultur. Das Vorhaben der hessischen Justizministerin, Flüchtlinge in Kursen fit für den Rechtsstaat zu machen und dabei ein Stilmittel der Unterhaltungsliteratur einzusetzen, wird sich daher Fragen und Kritik gefallen lassen müssen.

          Über die Form kann man mehr oder weniger trefflich streiten, das Ziel aber ist über alle Zweifel erhaben: denjenigen, die aus fremden Kulturen und Gesellschaften mit geringer oder fehlender demokratischer Tradition zu uns kommen, möglichst schnell beizubringen, welche Regeln in einem Miteinander in Frieden, Freiheit und Sicherheit zu beachten sind. Das gilt erst recht nach den Vorfällen in der Silvesternacht, auch wenn noch nicht im Detail geklärt ist, wie es dazu kommen konnte, dass in Köln, aber auch in anderen Städten wie Frankfurt Frauen bedrängt und bestohlen wurden.

          Belohnungssystem für Integration?

          Niemand vermag so recht zu sagen, wie man die Menschen, die Zuflucht suchen oder nur eine bessere wirtschaftliche Perspektive, am besten erreicht. Das hängt von deren Bildung, dem kulturellen Hintergrund und den zum Teil leidvollen Erfahrungen ab, vor allem aber von ihrer Bereitschaft, sich in die neue Gesellschaft einzugliedern. Man wird viel ausprobieren müssen, sie von den Wertvorstellungen in einem Rechtsstaat zu überzeugen. Wenn denn stimmt, dass, wie Verfechter des Genres meinen, der Comic völker- und kulturübergreifend zu kommunizieren vermag, dann ist es auch dieser Versuch wert.

          Bildsprache: Auszüge aus dem Comic zu den Themen Schulpflicht und sexuelle Toleranz

          Ob mit grinsenden Figuren oder per Powerpoint-Präsentation, die im Rechtsstaat-Unterricht ebenfalls eingesetzt werden soll: Mitentscheidend für den Erfolg aller Mühen wird sein, ob sich die Flüchtlinge erreichen lassen wollen. Es mag daher vorerst richtig sein, die Teilnahme an Sprach- und Rechtskursen freizustellen.

          Die Ministerin hat wohl recht damit, dass die Motivation umso größer sein wird, je mehr sie aus eigenem Antrieb erfolgt. Aber nach diesem Prinzip werden sich vor allem diejenigen einfinden, die ohnehin bereit sind, die neue Werteordnung anzunehmen. Über ein Belohnungssystem für Integration und über Sanktionen für ihre Verweigerung muss noch einmal nachgedacht werden.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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