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Corona-Krise : Hessen führt Maskenpflicht ein

Auflagen im Supermarkt: Frankfurts Oberbürgermeister hat sich für eine Maskenpflicht ausgesprochen. Bild: dpa

Beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln werden Bürger von Montag an Mund und Nase bedecken müssen. Dafür gibt es Lob vom Städtetag und der Landtags-Opposition.

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          Auch das Land Hessen führt im Kampf gegen das Coronavirus eine Maskenpflicht für Geschäfte und den öffentlichen Nahverkehr ein. Einen entsprechenden Beschluss fasste das Kabinett am Dienstagabend. Demnach gilt die Regel vom kommenden Montag an. Wer sich nicht daran hält, also keine Maske trägt, darauf angesprochen wird und trotzdem keine aufsetzt, kann bei wiederholten Verstößen mit einem Bußgeld von 50 Euro belegt werden.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Die Landesregierung begründete den Schritt damit, dass durch die Maskenpflicht ein erhöhter gegenseitiger Schutz gerade an den Orten erreicht würde, an denen viele Menschen auf engem Raum zusammenkämen. Die Regel gilt nicht für Kinder unter sechs Jahren und für Menschen, die aufgrund einer gesundheitlichen Beeinträchtigung oder einer Behinderung keine Schutzmaske tragen können. Mitarbeiter in Geschäften, die mit Trennvorrichtungen oder auf anderem Weg geschützt sind, haben ebenfalls keine Pflicht. Alle anderen Bürger sollen sogenannte Alltagsmasken verwenden. Medizinische Schutzmasken bleiben dem Beschluss zufolge Beschäftigten im Gesundheitswesen vorbehalten. Ministerpräsident Volker Bouffier(CDU) sagte, oberstes Gebot sei dennoch weiterhin, Abstand zu halten und die Kontaktbeschränkungen einzuhalten.

          Die hessische SPD-Vorsitzende Nancy Faeser lobte das Vorhaben. „Im Sinne eines solidarischen Fremdschutzes unterstützen wir es, wenn die Menschen dort Schutzmasken tragen, wo nicht sichergestellt werden kann, dass alle Abstandsregeln eingehalten werden.“ Das Tragen von Masken könne zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen, meint auch Christiane Böhm, gesundheitspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Landtag. Die Landesregierung müsse aber sicherstellen, dass alle Menschen bei Bedarf Masken erhielten. Die FDP-Fraktion erinnerte daran, dass Klose dem Hörfunksender FFH noch am Montag gesagt habe, er halte nichts von einer landesweiten Maskenpflicht. Jetzt komme die Kehrtwende aus der Staatskanzlei. „Die Landesregierung hat in der Corona-Krise offenbar kein Konzept und widerspricht sich“, konstatierte Yanki Pürsün, der gesundheitspolitische Sprecher.

          „Das halten wir alle aus“

          Der Städtetag hält die Verpflichtung zum Mund-Nasen-Schutz für richtig. Dies gelte vor allem angesichts der Lockerungen bei den Ladenöffnungen. „Wir können hessenweit und auch bundesweit in bestimmten Sachfragen nicht ständig unterschiedliche Wege gehen“, äußerte der Präsident des Städtetages, Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD). Wie berichtet, gilt die Maskenpflicht seit Montag in Hanau. Bad Homburg hatte zuvor beschlossen, von Freitag an eine Maskenpflicht in Stadtbussen einzuführen.

          Frankfurt kündigte gestern an, eine solche Vorschrift in der nächsten Woche in Kraft zu setzen. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) sagte dieser Zeitung: „Wenn man sagt, alle können wieder raus, muss man auch einen kleinen Beitrag dazu leisten.“ Beim U-Bahn-Fahren oder beim Einkauf im Supermarkt eine Maske zu tragen, „das halten wir alle aus“. Nach intensiven Beratungen mit Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Die Grünen), den Verkehrsbetrieben, dem Hessischen Städtetag und dem Einzelhandel habe er als Sprecher des Magistrats die Maskenpflicht für Frankfurt zunächst einmal angekündigt, sagte Feldmann. Sie soll nach seinen Worten von Montag an gelten. Dann beginnt an den Schulen wieder der Unterricht für die Abschlussklassen. Die Verkehrsbetriebe könnten die erforderlichen Abstandsflächen im öffentlichen Nahverkehr dann nicht mehr garantieren.

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