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Offenbach unter Warnstufe drei : Hessen liegt bei einem Corona-Wert nun vor Bayern

Hoffnungslauf: Marburger Virologen forschen an Impfstoffen gegen Corona Bild: EPA

Außer Berlin und Bremen stand Bayern bei den Neuinfektionen wochenlang im Blickpunkt. Nun aber hat Hessen dieses Süd-Land bei einer Corona-Kennziffer überholt. Die Zahl der Covid-19-Opfer stagniert. Offenbach fällt wieder unter die dritte Warnstufe.

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          Die Stadt Offenbach ist über Nacht wieder aus der dritten Warnstufe nach dem Corona-Konzept des Landes herausgefallen. Das für die Seuchenbekämpfung federführende Robert-Koch-Institut weist für die Nachbarstadt von Frankfurt einen Wert von knapp 32 aus. Diese Kennziffer bezieht sich auf die binnen Wochenfrist bestätigten und gemeldeten Neuinfektionen unter 100.000 Einwohnern. Fachleute reden von Sieben-Tage-Inzidenz. Die Lage in Offenbach bleibt aber angespannt. Denn die dritte Warnstufe beginnt bei 35. Sie hat nun wieder Kreis Groß-Gerau erreicht. Die Kreisverwaltung hatte angesichts des regen Infektionsgeschehens zur Wochenmitte die Vorgaben verschärft. So sind seit diesem Mittwoch nicht mehr als 25 Gäste bei privaten Zusammenkünften und Feiern in angemieteten wie auch privaten Räumen erlaubt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Von der dritten Warnstufe an müssen die jeweiligen Kreise und Großstädte die Corona-Regeln verschärfen und in den Planungsstab des Landes aufgenommen werden (siehe Grafik). Die zweite Warnstufe bedingt erhöhte Aufmerksamkeit. Sie ist etwa in Frankfurt und im Kreis Marburg-Biedenkopf angezeigt. Die Mainmetropole hatte sich zwischenzeitlich der dritten Stufe genähert, nun weist das kurz RKI genannte Bundesinstitut einen Wert von knapp 26 für sie aus. Gleiches gilt für den Landkreis Offenbach. Darmstadt rangiert derweil knapp unter der zweiten Stufe, ebenso Wiesbaden. In Hessen gilt die Linie, künftig Corona-Alarm nur lokal auszurufen und einen zweiten Lockdown dadurch zu vermeiden.

          Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, rügt derweil die deutsche Corona-Politik. Sie setze zu sehr auf Eindämmung des Virus und nutze zu wenig das Wissen von Medizinern aus dem öffentlichen Gesundheitswesen im Umgang mit Pandemie.

          Für Hessen steht eine 16,2 zu Buche. Obwohl sich der Wert über Nacht verringert hat und noch unverdächtig ist, liegt Hessen nun in der sogenannten Inzidenz-Rangliste der Bundesländer vor Bayern, das wegen zahlreicher Neuinfektionen wochenlang im Blickpunkt stand. An der Spitze der Liste stehen nun Bremen, Berlin, Hamburg und Nordrhein-Westfalen, und zwar in dieser Reihenfolge.

          Zahl der Corona-Opfer stagniert

          Wie sich aus den RKI-Daten weiter ergibt, bleibt das Corona-Infektionsgeschehen in Hessen rege. Über Nacht haben die Gesundheitsämter 144 neue bestätigte Fälle gemeldet. Die jeweils nur tageweise unterbrochene Serie dreistelliger Neuinfektionen setzt sich mithin fort. Seit März sind 19.089 Infektionen bestätigt worden. Rund 16.900 gelten als überwunden. 551 Patienten sind an den Folgen von Corona gestorben. Insofern sind 1640 Fälle noch nicht ausgestanden, wobei nicht jede Infektion mit Symptomen einher geht. Asymptomatische Verläufe sind aber für das Umfeld des Infizierten im Zweifel risikoreicher, weil sie eben unmerklich sind.

          Die Zahl der Corona-Opfer stagniert den offiziellen Daten zufolge. Demgegenüber gibt es täglich etwa 100 weitere Genesene. Deshalb verbessert sich die statistische Relation von Genesenen zu Todesfällen stetig. Derzeit kommen 30,6 überwundene Infektionen auf einen Todesfall. Das ist abermals ein neuer Bestwert seit Anschwellen der Pandemie.

          50 Covid-Kranke beatmet

          In Hessen liegen in diesen Tagen etwas weniger Covid-19-Patienten in Kliniken als vor Wochenfrist. Umgekehrt müssen mehr Patienten auf Intensivstationen betreut und beatmet werden. Dies ergibt sich aus Daten, die das Sozialministerium der F.A.Z. mitgeteilt hat. Demnach behandeln hessische Krankenhäuser 250 Corona-Kranke, das sind acht weniger als zuletzt. 50 von ihnen liegen in Beatmungsbetten, fünf mehr als vor einer Woche.

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          676 Krankenhausbetten, in denen Patienten beatmet werden können, sind nach Angaben des Ministeriums frei. Vor einer Woche waren es aber noch 725. Alles in allem stehen in Hessen grundsätzlich 2390 Betten dieser Art zur Verfügung. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek hält die vergleichsweise geringe Zahl an Patienten in Kliniken für eine Momentaufnahme angesichts des regen Infektionsgeschehens.

          Aus Frankfurter Sicht ist grundsätzlich wichtig: Die am Flughafen genommenen positiven Tests werden nicht der Stadt zugeordnet. Vielmehr schlagen sie sich nach Angaben des Sozialministeriums in der Statistik des Gesundheitsamts nieder, das für den jeweiligen Reiserückkehrer zuständig ist. Das kann auch das Frankfurter Amt sein oder ein anderes in Hessen, aber eben auch eine Behörde in einem anderen Bundesland.

          Wie das RKI der F.A.Z. weiter mitteilte, erhebt es Daten zur Zahl der Genesenen nicht offiziell. Die Erhebung sei auch nicht gesetzlich vorgesehen. „Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind“, heißt es in Berlin. Das RKI schätze die Zahl der Genesenen.

          Das Sozialministerium veröffentlicht täglich eine Übersicht der Corona-Entwicklung, aufgeschlüsselt nach Kreisen und kreisfreien Städten. Es bezieht sich dabei auf Zahlen des RKI. Bis vor einigen Tagen berücksichtigte es auch Daten des Hessischen Landesprüfungs- und Untersuchungsamts im Gesundheitswesen beim Regierungspräsidium Gießen, dem die Gesundheitsämter die jeweils neuen Fälle melden müssen. Um Einheitlichkeit herzustellen, nimmt das Ministerium nun nur noch die RKI-Angaben.

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