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Hessen als Filmkulisse : „Frankfurt noch nicht so abfotografiert“

  • Aktualisiert am

Frankfurt-Krimi: Matthias Koeberlin als Kommissar Robert Marthaler in Jan Seghers´ „Die Braut im Schnee“ (ZDF) Bild: Volker Roloff/ZDF

Noch ist der Anblick der Frankfurter Skyline oder des Edersees auf der Kinoleinwand vielleicht ungewohnt. Aber bald soll sich das ändern. Etablierte Drehorte wie München und Berlin bekommen Konkurrenz aus der Mitte Deutschland, glauben Filmemacher.

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          Matthias Schweighöfer, Elyas M’Barek („Türkisch für Anfänger“) und Christoph Maria Herbst („Stromberg“) haben mindestens eine Sache gemeinsam: Sie standen schon in Hessen vor der Kamera. Sie sind damit aber keineswegs alleine. Denn Frankfurt, Wiesbaden oder Kassel werden immer öfter als Kulissen für Film- und Fernsehproduktionen genutzt. Finanziell unterstützt werden die Teams dabei von der hessischen Filmförderung. Und Kulissen lassen sich viele finden in Hessen: Die Häuserschluchten und Wolkenkratzer in Frankfurt zum Beispiel beim „Tatort“, die idyllische Landschaft Nordhessens im „Schlussmacher“ oder auch die Altbauviertel in Wiesbaden, die in der ZDF-Serie „Der Staatsanwalt“ zu sehen sind.

          Frankfurt sei grafisch sehr gut für den Film geeignet, und der Edersee sei „der Wahnsinn“ gewesen, erzählt Schauspieler Matthias Schweighöfer. Er hat bisher drei Filme in Hessen gedreht, darunter auch den Kassenschlager „Schlussmacher“.

          „Die Stadt ist noch nicht so abfotografiert“

          Produzent Uli Aselmann dreht zur Zeit den Film „Männerhort“ im Frankfurter Stadtteil Riedberg. Die Produktion wird vom Land mit einer Million Euro unterstützt. Nicht zuletzt das Geld habe ihn auf Hessen als Drehort aufmerksam gemacht, sagt er. Das Land Bayern habe den Film abgelehnt, in Hessen dagegen sei das ganze Team sehr professionell und herzlich aufgenommen wurden. Auch an Frankfurt hat Aselmann Gefallen gefunden: „Die Stadt ist noch nicht so abfotografiert, das ist ein großer Vorteil“, erklärt der Produzent.

          Es müsse sich aber auch das eine oder andere ändern. Das ortsansässige Filmpersonal sei momentan meist ausgebucht, daher müssten Mitarbeiter aus München oder Berlin geholt werden. Somit sei ein Dreh in Hessen derzeit meist teurer als an etablierten Standorten. Vorteilhaft sei aber wiederum die zentrale Lage in Deutschland und Europa. „Im Vergleich zu anderen Film-Bundesländern hat Hessen die Chance, weiter nach vorn zu kommen und zu wachsen, weil es unverbraucht ist“, sagt Aselmann.

          Die Regisseurin Franziska Meyer Price war verantwortlich für Serien wie „Berlin, Berlin“, oder „Doctor’s Diary“, sie hat auch schon mehrere Filme in der Mainmetropole gedreht. Dabei sieht sie vor allem einen großen Vorteil: „Frankfurt wirkt sehr undeutsch.“ Außerdem gebe es auch Viertel, die nicht so stark historisch gewachsen seien, die Filmteams hätten also die Wahl. „Wenn man jetzt in Berlin ist, klebt man irgendwann immer vor diesen geschichtsträchtigen Dingern“, sagt die Regisseurin.

          Frankfurt habe immer so einen modernen, fast amerikanischen Aspekt, fügt die Filmemacherin hinzu. Auch sie prophezeit Hessen eine positive Zukunft als Drehort: „Ich glaube, dass man hier viel machen kann.“ Es gebe ja nicht nur Frankfurt, auch der Taunus sei zum Beispiel sehr schön, sagt Meyer Price.

          Nicht nur die Filmschaffenden profitieren vom Standort Hessen, auch die Filmförderung HessenInvestFilm ist begeistert: Die Filme seien eine tolle Werbung, sagt Staatssekretär Ingmar Jung (CDU). In seiner Rolle als stellvertretender Vorsitzender der deutschen Produzentenallianz will sich Uli Aselmann mit seiner Kritik auch an die Staatskanzlei in Wiesbaden wenden.

          Sein Wunsch bleibt nicht ungehört: Die Förderung werde komplett umstrukturiert, verspricht Jung. Das Land wolle die Filmschaffenden einbinden, um Lösungen zu finden, die direkt auf die Industrie zugeschnitten seien. In diese Gespräche gehe man offen hinein.

          Bollywood im Odenwald

          Einer der Hauptkritikpunkte von Uli Aselmann ist die Fördersumme, die momentan bei einer Million Euro gedeckelt ist. Das sei für größere Produktionen einfach zu wenig, erklärt der Produzent aus München. An anderen Standorten wie Bayern würden bis zu 30 Prozent der Gesamtsumme gefördert - ohne eine Deckelung wie in Hessen.

          Auch im Ausland sind Produzenten längst auf das Filmland Hessen aufmerksam geworden. So wurde Heppenheim im Kreis Bergstraße kürzlich schon zum dritten Mal Kulisse eines „Bollywood“-Films. Erstmals hatte die milliardenschwere indische Kinoindustrie das idyllische Städtchen in Südhessen 2006 als Drehort für ihre bunten Tanz- und Liebesfilme entdeckt. Das liegt nicht zuletzt an den romantischen Kulissen rund um Bergstraße und Odenwald.

          Filmförderung aus Hessen

          Hessen gewinnt als Drehort von Film- und Fernsehproduktionen immer mehr an Bedeutung. Einen großen Anteil daran hat die Filmförderung: Die Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen vergibt in Zusammenarbeit mit Hessen Invest Film Darlehen bis zur Höhe von einer Million Euro an die Produktionsfirmen. Seit 2010 wurden 42 Filme gefördert. Ziel ist die Stärkung des Filmstandortes Hessen.

          Unter den geförderten Filmen finden sich Kinoerfolge wie „What a Man“ und „Schlussmacher“ von Matthias Schweighöfer (Pantaleon) und der Kinderfilm „Ostwind“ (SamFilm GmbH). Finanziell unterstützt wurden in den vergangenen Jahren unter anderem auch „Der kleine Raabe Socke“ (Studio 88), „Doktorspiele“ (Lieblingsfilm GmbH), „Das Haus der Krokodile“ (RatPack), „Lore“ (Rohfilm), „Männerhort“ (die film GmbH) sowie „Pettersson & Findus“ (Tradewind Pictures). (dpa)

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